Studie: Sind Ärztinnen die besseren Lebensretter?

Eine neue Studie zeigt: Frauen haben eine niedrigere Sterblichkeitsrate, wenn sie von Ärztinnen behandelt werden anstatt von Ärzten.

Ärztinnen

Frauen sind bei Ärztinnen oft besser aufgehoben als bei Ärzten – woran liegt das? © Midjourney

Unter dem Hashtag #frauenbeimarzt teilen Frauen auf X ihre negativen Erfahrungen mit Ärzten. Oft hatten sie das Gefühl, ihre gesundheitlichen Probleme würden nicht immer ernst genommen werden. Eine neue Studie, die von einer Forschungsgruppe an der Universität Tokio durchgeführt wurde, gibt diesen Frauen nun recht und besagt auch, dass die Behandlung durch Ärztinnen oftmals erfolgreicher war.

Ärztinnen reduzieren die Sterblichkeitsrate

Die Studie basiert auf den Daten von mehr als 700.000 Patientinnen und Patienten, die im Zeitraum zwischen 2016 und 2019 in klinischer Behandlung waren. Die Ergebnisse sind besonders für Frauen signifikant: Von den 458.000 Patientinnen wurden etwa 142.000 (31,1 Prozent) von Ärztinnen behandelt. Die Sterblichkeitsrate dieser Gruppe lag bei 8,15 Prozent, im Vergleich zu 8,38 Prozent bei denen, die von Ärzten behandelt wurden. Das klingt vielleicht nach wenig, diese Differenz ist aber klinisch relevant. Zudem mussten Patientinnen, die bei Ärztinnen in Behandlung waren, seltener ein zweites Mal in die Klinik.

Bei den Patienten zeigten sich indes keine signifikanten Unterschiede in den Behandlungsergebnissen zwischen den Geschlechtern der behandelnden Ärzte. Dennoch sank auch die Sterblichkeitsrate bei Männern, die von Ärztinnen behandelt wurden, von 10,23 Prozent auf 10,15 Prozent.

Geschlechtersensible Medizin

Ute Seeland, Professorin für Geschlechtersensible Medizin an der Universität Magdeburg, betont im Tagesspiegel die Bedeutung dieser Studienergebnisse. „Die Studie ist kein Meilenstein für die geschlechtersensible Medizin, aber sie reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Arbeiten zu diesem komplexen Thema“, erklärt Seeland.

Eine Studie der McMaster University in Hamilton im Jahr 2021 lieferte bereits ähnliche Ergebnisse.

Was machen Ärzte falsch?

Die Tokioter Studie zählt drei mögliche Ursachen für diese Diskrepanz auf. Zum einen tendieren Ärzte eher dazu, den Schweregrad von Erkrankungen bei Patientinnen zu unterschätzen. Dies führt zu einer verspäteten oder unvollständigen Behandlung und kann im schlimmsten Fall sogar zum Tod der Patientin führen.

Noch dazu scheinen Ärztinnen im Gegensatz zu ihren Kollegen eher bei der Kommunikation mit ihren Patientinnen und Patienten zu glänzen. Dafür spricht auch eine Leipziger Studie aus dem Jahr 2014, der zufolge sowohl Patientinnen als auch Patienten nach einem Arztbesuch zufriedener zu sein scheinen, wenn sie von einer Ärztin behandelt wurden.

Noch dazu wird in der aktuellen Studie vermutet, dass Patientinnen insbesondere bei schambehafteten Themen mit Ärztinnen offener darüber reden können als mit Ärzten, da erstere feinfühliger agieren könnten.

Seeland betont jedoch, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in der Behandlung durch Ärztinnen oder Ärzte krankheitsbezogen betrachtet werden müssten. So sollen Patientinnen, die mit Erkrankungen der Nieren und Harnwege oder des Nervensystems eingeliefert worden waren, am meisten von einer Behandlung durch eine Ärztin profitierten haben.  

Frauen in medizinischen Studien oft unterrepräsentiert

Das Ergebnis dieser Studie dürfte mitunter auch eine Folge der Unterrepräsentation von Frauen in klinischen Studien sein. So dauerte es etwa eine ganze Weile, bis man feststellte, dass sich ein Herzinfarkt bei Frauen anders zeigen kann als bei Männern.

Was du dir merken solltest:

  • Eine umfassende Studie aus Tokio zeigt, dass Frauen, die von Ärztinnen behandelt werden, eine niedrigere Sterblichkeitsrate aufweisen als diejenigen, die von Ärzten behandelt werden.
  • Die Studie legt nahe, dass Ärztinnen aufgrund besserer Kommunikation und größerer Sensibilität für geschlechtsspezifische Bedürfnisse möglicherweise Frauen effektiver behandeln.
  • Die Unterrepräsentation von Frauen in medizinischen Studien hat historisch zu einem Mangel an geschlechtsspezifischen Behandlungsansätzen geführt.

Bild: © Midjourney

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