Ist Mineralwasser mit Kohlensäure besser für die Zähne als Limo?

Wer Limonade durch Mineralwasser mit Kohlensäure ersetzt, schont offenbar den Zahnschmelz – der Mund wird deutlich weniger sauer.

Mineralwasser mit Kohlensäure machte den Mund in der Untersuchung deutlich weniger sauer als zuckerhaltige Limonade – und der pH-Wert erholte sich rasch. © Unsplash

Mineralwasser mit Kohlensäure machte den Mund in der Untersuchung deutlich weniger sauer als zuckerhaltige Limonade – und der pH-Wert erholte sich rasch. © Unsplash

Beim Öffnen zischt es, im Glas steigen Bläschen auf – doch mit jedem Schluck gelangt auch Kohlensäure in den Mund. Viele fragen sich deshalb, ob Sprudelwasser die Zähne ähnlich belastet wie Cola oder andere Limonaden. Eine Untersuchung der Purdue University in den USA deutet darauf hin, dass Mineralwasser mit Kohlensäure die Zähne deutlich weniger belastet als zuckerhaltige Limonade.

Der pH-Wert im Mund blieb dabei über 5,5 – jener Schwelle, unterhalb der Säuren beginnen, Mineralien aus dem Zahnschmelz zu lösen – und normalisierte sich innerhalb von 20 Minuten.

Die Ergebnisse wurden bei der Jahrestagung NUTRITION 2026 der American Society for Nutrition vorgestellt. Demnach machte zuckerhaltige Limonade den Mund deutlich saurer als Mineralwasser mit Kohlensäure. Allerdings handelt es sich bislang um vorläufige Daten. Eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift mit vollständiger Begutachtung steht noch aus.

Wie Sprudelwasser die Zähne tatsächlich belastet

Für den Zahnschmelz ist der pH-Wert im Mund entscheidend. Sinkt er unter etwa 5,5, können Säuren Mineralien aus dem Zahnschmelz lösen. Wiederholen sich solche Säureangriffe häufig, steigt das Risiko für Zahnerosion. Dabei verliert der Zahn nach und nach seine harte äußere Schutzschicht.

Mineralwasser mit Kohlensäure ist von Natur aus leicht sauer. Gelöstes Kohlendioxid bildet im Wasser Kohlensäure. Zuckerhaltige Limonaden bringen dagegen weitere Probleme mit sich. Sie enthalten oft zusätzliche Säuren und liefern Mundbakterien Zucker. Diese Bakterien produzieren daraus wiederum Säuren, die den Zahnschmelz belasten können.

Vier Getränke treten direkt gegeneinander an

An der Untersuchung nahmen 20 Erwachsene teil. Alle bekamen nacheinander vier verschiedene Getränke: zuckerhaltige Limonade, gewöhnliches Mineralwasser mit Kohlensäure, mit Kalzium angereichertes Sprudelwasser und stilles Wasser. Weil dieselben Personen jedes Getränk testeten, ließen sich individuelle Unterschiede besser begrenzen.

Die Forscher maßen den pH-Wert des Speichels unmittelbar nach dem Trinken sowie zu mehreren späteren Zeitpunkten. „Der direkte Vergleich verschiedener Getränke unter denselben Versuchsbedingungen erlaubte uns, die Wirkung von Sprudelwasser sowohl gegenüber Limonade als auch gegenüber stillem Wasser zu bewerten“, sagt Studienautorin Wajiha Zulfiqar.

Limonade senkt den pH-Wert deutlich stärker

Die zuckerhaltige Limonade verursachte den stärksten Säureanstieg. Zwei und 20 Minuten nach dem Trinken lag der pH-Wert im Speichel signifikant niedriger als nach stillem Wasser. Gewöhnliches Mineralwasser mit Kohlensäure senkte den Wert dagegen nur vorübergehend. Der Rückgang ließ sich vor allem nach zwei Minuten messen.

Beim kalziumhaltigen Sprudelwasser trat der messbare Rückgang nach fünf Minuten auf. Nach 20 Minuten lagen die Werte bei beiden Sorten wieder nahe am Ausgangsniveau. Der Speichel neutralisierte die Säure also relativ schnell. Während der Messungen blieb der pH-Wert oberhalb der kritischen Schwelle von 5,5.

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass der Ersatz zuckerhaltiger Limonaden durch Mineralwasser mit Kohlensäure das Risiko für Zahnerosion verringern könnte“, sagt Zulfiqar. Sie betont jedoch, dass dies für Getränke ohne Zucker gilt und ein maßvoller Konsum sowie eine gute Mundhygiene wichtig bleiben.

Die Häufigkeit entscheidet über die Belastung

Die Untersuchung erfasste lediglich kurzfristige Veränderungen. Daraus lässt sich noch nicht ableiten, wie sich täglicher Konsum über Monate oder Jahre auf den Zahnschmelz auswirkt. Für die tatsächliche Belastung zählen außerdem die Trinkgewohnheiten. Wer ein saures Getränk über Stunden verteilt in kleinen Schlucken trinkt, setzt die Zähne wiederholt Säure aus.

Auch Zucker, zugesetzte Aromen und weitere Säuren verändern die Wirkung. Aromatisiertes Wasser ist deshalb nicht automatisch mit gewöhnlichem Mineralwasser mit Kohlensäure vergleichbar. Entscheidend bleibt die Zutatenliste. Produkte mit Zucker, Fruchtsaft, Zitronensäure oder anderen Zusätzen können den Mund stärker ansäuern.

Die Experten wollen als Nächstes untersuchen, wie Mineralwasser mit Kohlensäure die Mundgesundheit langfristig beeinflusst. Dabei geht es neben dem pH-Wert auch um weitere Vorgänge im Mundraum. Erst solche Untersuchungen können klären, ob der kurzfristig geringe Säureeffekt auch über längere Zeit unproblematisch bleibt.

Kurz zusammengefasst:

  • Mineralwasser mit Kohlensäure machte den Mund nur vorübergehend saurer und belastete ihn deutlich weniger als zuckerhaltige Limonade.
  • Der pH-Wert blieb über 5,5, also oberhalb der Schwelle, unter der Säuren Mineralien aus dem Zahnschmelz lösen können.
  • Nach etwa 20 Minuten hatte der Speichel den Säuregehalt nahezu ausgeglichen; langfristige Folgen wurden jedoch noch nicht untersucht.

Übrigens: Nicht nur saure Getränke können Zähne gefährden – auch dauerhaft hohe Blutzuckerwerte greifen das Zahnfleisch an und erhöhen das Risiko für Zahnverlust und Probleme mit Implantaten. Wie stark eine schlechte Diabetes-Einstellung die Mundgesundheit belastet, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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