Hollywood macht Geologen zu Helden – und Physiker oft zu Bösewichten
Hollywood hat seine eigene Forscherlogik: Geologen retten im Film die Welt, Physiker bringen sie oft erst in Gefahr.
In Hollywood warnen Geologen vor Vulkanen, Erdbeben und Katastrophen – trotzdem endet ihre Geschichte oft tödlich. © Unsplash
Wenn im Kino ein Vulkan ausbricht, ein Erdbeben droht oder plötzlich seltsame Gesteinsproben auftauchen, ist oft ein Geologe nicht weit. Er erklärt, was passiert, erkennt Gefahren früher als andere und wird schnell zur Schlüsselfigur der Handlung. In Wirklichkeit ist dieser Beruf deutlich unspektakulärer. Dort geht es meist um Karten, Bohrproben, Rohstoffe und lange Feldarbeit. In Filmen aber werden Geologen erstaunlich oft zu Helden.
Für eine Studie der Universität Göteborg haben vier Geologen um Erik Sturkell, Professor für angewandte Geophysik, 141 britische und amerikanische Kinofilme aus den Jahren 1919 bis 2023 analysiert. Darin treten insgesamt 202 Geologen auf. Das Ergebnis zeigt, wie stark Hollywood ein wissenschaftliches Berufsbild prägt – und wie gefährlich das Leben als Film-Geologe offenbar ist.
Geologen in Filmen helfen oft und leben gefährlich
Die auffälligste Zahl springt sofort ins Auge: 69 von 202 Film-Geologen sterben auf der Leinwand. Damit erlebt etwa jeder dritte den Abspann nicht mehr. Sturkell fasst das deutlich zusammen:
Auf der Leinwand ist Geologe ein riskanter Beruf. Ein Drittel von ihnen stirbt, bevor der Film endet.
Dabei sind Geologen in Filmen keineswegs vor allem Schurken. Im Gegenteil: 172 der 202 Figuren zählen laut Analyse zu den Guten oder sind zumindest nicht eindeutig böse. Das entspricht 85 Prozent. Sie warnen vor Katastrophen, untersuchen Gestein und helfen bei Rettungsaktionen. „Der Geologe ist meist eine sympathische Figur, trägt oft ein Karohemd und nutzt sein Wissen, um die Handlung des Films voranzutreiben“, erzählt Sturkell.
Die häufigste Todesursache klingt allerdings eher nach Krimi als nach Naturkunde. Mord steht klar auf Platz eins. Danach folgen geologische Gefahren und Begegnungen mit Außerirdischen. Einige sterben bei der Arbeit, andere in besonders spektakulären Szenen. Typische Gefahren für Film-Geologen sind:
- Treffer durch Vulkanbomben
- Stürze in Krater oder Erdspalten
- Tod in Treibsand oder Laharen
- Verbrennungen in Ölgruben
Die Autoren kommentieren solche Szenen trocken mit den Worten: „Düstere Sache.“ Dieser Humor zieht sich durch die gesamte Untersuchung.
Geologen retten die Welt
Besonders deutlich wird das bei den heroischen Figuren. Die Forscher fanden 25 Filme mit insgesamt 38 heroischen Geologen. Diese Figuren retten Angehörige, ganze Städte oder sogar die Erde. 28 von ihnen überleben, zehn sterben. Damit liegt ihre Sterberate bei 26 Prozent und damit niedriger als bei allen Geologen zusammen.
Ein Film sticht besonders heraus: „Dante’s Peak“ aus dem Jahr 1997. Dort treten gleich sieben Geologen auf – mehr als in jedem anderen Film der Analyse. Es ist zugleich der Lieblingsfilm der Forscher. Sturkell, selbst Vulkanologe, sagt dazu: „Ja, als Vulkanologe muss ich sagen, dass Dante’s Peak gut ist.“
Er lobt vor allem die Darstellung des Vulkanausbruchs. Viele Aspekte seien wissenschaftlich korrekt gezeigt. Allerdings mische der Film verschiedene Vulkantypen zu einem besonders spektakulären Kinovulkan. Für Hollywood funktioniert das besser als für ein Lehrbuch.
Auch „Ocean’s Thirteen“ zeigt, wie praktisch ein Geologe für eine Handlung sein kann. Brad Pitts Figur Rusty Ryan gibt sich dort als Geologe aus, um Zugang zu einem gesperrten Bereich unter einem Casino zu bekommen. Dort soll ein Seismometer installiert werden. Sturkell meint dazu: „Geologe ist ein guter Beruf, wenn man sich in einem Film an ungewöhnlichen Orten wiederfinden will.“
Karohemd und Weste gehören fast immer dazu
Geologen tragen im Film oft Karohemden, robuste Schuhe, Khaki-Hosen oder Westen mit vielen Taschen. Diese Kleidung signalisiert sofort: Hier arbeitet jemand draußen, packt an und kennt sich mit Naturgefahren aus.
Laut Studie hält sich die Weste mit vielen Taschen sogar hartnäckiger als das klassische Karohemd. Sie taucht über Jahrzehnte hinweg immer wieder auf. Frühere Filme zeigen oft den älteren Professor – klug, etwas zerstreut und erfahren. Später dominiert der Feldgeologe. Er arbeitet draußen, stört sich nicht an Schmutz, Wetter oder Öl und wirkt wie jemand, der nicht lange fackelt.
Am häufigsten erscheinen Geologen in diesen Genres:
- Abenteuerfilme
- Dramen
- Science-Fiction
- Actionfilme
In Musicals, Animationsfilmen oder historischen Stoffen bleiben sie dagegen selten. Frühe Filme verbanden Geologie oft mit Öl, Rohstoffen, Eisenbahnen oder Westernstoffen. Später kamen Monster, Atomangst und globale Verbrecher hinzu. Seit den 1990er-Jahren prägen vor allem Naturkatastrophen, Vulkane und Rettungsaktionen das Bild.
Filme zeigen lange ein sehr einseitiges Berufsbild
Die Analyse zeigt auch Schwächen. Von 202 Geologen sind nur 22 weiblich. Das entspricht gerade einmal 11 Prozent. Bis 1995 lag der Anteil sogar noch deutlich niedriger. Erst in neueren Filmen steigt die Zahl langsam an. In der realen Geologie liegt der Frauenanteil laut Forschern eher bei rund einem Viertel.
Noch deutlicher fällt die Lücke bei Herkunft und Hautfarbe aus. Nur 3 Prozent der Film-Geologen sind nicht weiß. Die erste schwarze Geologenfigur taucht 1968 in „Finian’s Rainbow“ auf. Eine schwarze Geologin fanden die Forscher nur in „Bio-Dome“ von 1996. Asiatische, indische, pazifische oder hispanische Geologen kamen in der Auswertung gar nicht vor.
Böse Geologen gibt es ebenfalls, aber deutlich seltener. Nur 30 der 202 Figuren gelten als kriminell oder eindeutig böse. Von ihnen sterben 23. Die Sterberate liegt damit bei 77 Prozent. Die Forscher ziehen daraus mit einem Augenzwinkern eine einfache Filmregel: Für Geologen zahlt sich Verbrechen im Kino besonders selten aus.
Noch auffälliger wird der Vergleich mit anderen Wissenschaftlern. Laut einer ähnlichen Untersuchung erscheinen Physiker und Chemiker in Filmen viel häufiger als verrückte Genies oder Bösewichte. Sie wollen oft die Weltherrschaft oder gleich den ganzen Planeten zerstören. Geologen schneiden dagegen erstaunlich gut ab – auch wenn viele von ihnen das Ende des Films nicht erleben.
Kurz zusammengefasst:
- Geologen wirken im Kino meist sympathisch und hilfreich: In 141 ausgewerteten Filmen zählen 85 Prozent der Figuren zu den Guten oder sind zumindest nicht eindeutig böse.
- Trotzdem leben Geologen auf der Leinwand auffallend gefährlich: 69 von 202 Film-Geologen sterben, am häufigsten durch Mord, geologische Gefahren oder außerirdische Ereignisse.
- Die Analyse der Universität Göteborg zeigt auch ein einseitiges Berufsbild: Frauen, nicht-weiße Figuren und vielfältige Herkunft kommen unter Film-Geologen deutlich seltener vor als in der realen Wissenschaft.
Übrigens: Wenn im Kino jemand eine Ohrfeige bekommt und wir selbst zusammenzucken, ist das kein Zufall. Unser Gehirn fühlt fremde Berührungen erstaunlich real mit. Mehr dazu in unserem Artikel.
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