Mit 23 plötzlich zusammengebrochen: Vitamin-D-Mangel kann auch junge Menschen schwer treffen

Auch junge, sportliche Menschen sind vor Vitamin-D-Mangel nicht geschützt. Die Beschwerden bleiben oft unbemerkt, die Knochen können leiden.

Selbst junge, sportliche Menschen können einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel entwickeln, ohne es zu bemerken. Oft fehlen eindeutige Warnsignale. © Pexels

Selbst junge, sportliche Menschen können einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel entwickeln, ohne es zu bemerken. Oft fehlen eindeutige Warnsignale. © Pexels

Viermal pro Woche stand Saskia Reeves-Priestley auf dem Fußballplatz, meistens im Tor. Die 23-Jährige fühlte sich fit und gesund, bis sie eines Tages bei der Arbeit plötzlich zusammenbrach. Ihr wurde schwindelig und übel, ihr Herz raste, und ihr Körper fühlte sich ungewöhnlich heiß an. Spätere Blutuntersuchungen ergaben einen extrem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Ob der Mangel ihren Zusammenbruch verursachte, ist allerdings nicht geklärt.

Vitamin-D-Mangel ist auch in Deutschland kein seltenes Problem unter jungen Menschen. Bereits vor mehr als zehn Jahren stellte das Robert Koch-Institut (RKI) fest, dass etwa jede vierte Frau zwischen 18 und 29 Jahren einen Vitamin-D-Wert unter 30 Nanomol pro Liter Blut hatte. Bei jungen Männern lag der Anteil sogar noch höher. Damit lagen ihre Werte deutlich unter der Schwelle von 50 Nanomol pro Liter, ab der die Vitamin-D-Versorgung als ausreichend gilt. Die Daten wurden zwischen 2008 und 2011 erhoben. Besonders tückisch: Ein Vitamin-D-Mangel verursacht häufig lange keine eindeutigen Beschwerden. Betroffene fühlen sich möglicherweise nur müde oder erschöpft und denken sich zunächst nichts dabei.

Vitamin-D-Mangel bleibt bei jungen Menschen oft unentdeckt

In Großbritannien beobachten Mediziner eine zunehmende Verbreitung niedriger Vitamin-D-Werte in bestimmten Altersgruppen. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen. Laut der britischen Ernährungsstudie „National Diet and Nutrition Survey“ hatte zuletzt fast jeder vierte Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren einen Vitamin-D-Mangel. Darüber berichtet die britische BBC, die mit mehreren Betroffenen und Medizinern gesprochen hat.

Saskia Reeves-Priestley unterrichtet Kinder mit besonderem Förderbedarf. Bis zu ihrem Zusammenbruch hatte sie keinen Anlass gesehen, sich um ihre Vitamin-D-Versorgung zu sorgen. Erst die Blutuntersuchung machte das Ausmaß deutlich. Ihr Vitamin-D-Wert war nach eigenen Worten praktisch bei null. Inzwischen nimmt sie regelmäßig Vitamin-D-Präparate und spielt wieder Fußball.

Müdigkeit und Knochenschmerzen können auf einen Mangel hinweisen

Auch die 21-jährige Studentin Amaka Osu ahnte zunächst nichts von ihrem Vitamin-D-Mangel. Sie bereitete gerade in ihrer Studentenwohnung in Liverpool das Abendessen zu, als sie plötzlich zu zittern begann. Ihre Sicht verschlechterte sich so stark, dass sie kaum noch etwas erkennen konnte. Eine Mitbewohnerin brachte sie in die Notaufnahme. Später stellte sich heraus, dass auch ihre Vitamin-D-Werte zu niedrig waren. Ob der Mangel die akuten Beschwerden ausgelöst hatte, blieb offen.

Müdigkeit hatte Amaka schon vorher gekannt. Allerdings erschien ihr das angesichts von Studium und Arbeit völlig normal. „Ich bin eine 21-jährige Studentin. Ich habe Arbeit und Uni – ich bin immer müde“, erzählt sie der BBC. Inzwischen geht es ihr nach der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten besser. Die damalige Erfahrung macht ihr dennoch Angst.

Zu wenig Vitamin D kann die Knochen dauerhaft schädigen

Die britische Kinder-Endokrinologin Suma Uday bezeichnet Vitamin-D-Mangel als eine stille Erkrankung. Die Beschwerden sind häufig unspezifisch und können leicht mit anderen Ursachen verwechselt werden. Besonders bei jungen Menschen bleibt ein Mangel deshalb mitunter lange unerkannt. Mögliche Anzeichen und Folgen sind:

  • Müdigkeit und Erschöpfung: Betroffene fühlen sich häufig schlapp, obwohl sie ausreichend geschlafen haben. Allerdings kann Müdigkeit zahlreiche andere Ursachen haben.
  • Knochen- und Muskelschmerzen: Ein ausgeprägter Mangel kann Schmerzen und Muskelschwäche verursachen. Diese Beschwerden lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen.
  • Geschwächte Knochen: Bei länger anhaltendem, schwerem Mangel können die Knochen ihre Festigkeit verlieren. Bei Kindern droht Rachitis, bei Erwachsenen eine sogenannte Osteomalazie.

Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und die Knochen ausreichend mit Mineralstoffen zu versorgen. Fehlt es über längere Zeit, kann die Knochenstruktur leiden. Bei einer Osteomalazie werden die Knochen weich und können leichter brechen. Uday warnt, dass die Erkrankung die Knochen schleichend schwächen kann, ohne dass Betroffene frühzeitig etwas bemerken.

Im deutschen Winter produziert die Haut kaum Vitamin D

Zwischen Oktober und März reicht die Sonnenstrahlung in Deutschland meist nicht aus, damit der Körper genügend Vitamin D bilden kann. Denn dafür benötigt die Haut UVB-Strahlung, die im Winter aufgrund des niedrigen Sonnenstands kaum verfügbar ist. Der Körper greift deshalb verstärkt auf die Vitamin-D-Reserven zurück, die er in den sonnenreichen Monaten angelegt hat.

Auch die Hautfarbe beeinflusst die Vitamin-D-Bildung. Menschen mit dunklerer Haut benötigen bei gleichen Bedingungen mehr Sonnenlicht, um vergleichbare Mengen herzustellen. Kleidung und Sonnenschutz verringern die Produktion ebenfalls, bleiben aber wichtig, um Hautschäden vorzubeugen. Über Lebensmittel wie fettreichen Fisch lässt sich zusätzlich Vitamin D aufnehmen. Die Ernährung allein reicht allerdings häufig nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken.

Was gegen Vitamin-D-Mangel hilft

Regelmäßige Aufenthalte im Freien, eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel können helfen, einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Regelmäßig nach draußen gehen: In den sonnenreichen Monaten genügt es häufig, Gesicht, Hände und Arme mehrmals pro Woche für etwa fünf bis 25 Minuten der Sonne auszusetzen. Die benötigte Zeit hängt vom Hauttyp und der Jahreszeit ab. Sonnenbrände sollten vermieden werden.
  • Vitamin-D-reiche Lebensmittel essen: Besonders fettreicher Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele liefert Vitamin D. Auch Eier und einige Pilze enthalten kleinere Mengen. Über die Ernährung allein lässt sich der Bedarf allerdings meist nicht vollständig decken.
  • Bei Bedarf Vitamin D ergänzen: Wer sich kaum im Freien aufhält oder zu einer Risikogruppe gehört, kann von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren. Bei Verdacht auf einen Mangel ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Hoch dosierte Präparate sollten nicht eigenständig eingenommen werden, da eine Überdosierung gesundheitsschädlich sein kann.

Ärzte fordern bessere Erkennung von Vitamin-D-Mangel

Britische Mediziner diskutieren inzwischen darüber, ab welchen Blutwerten ein Vitamin-D-Mangel diagnostiziert werden sollte. Eine Expertengruppe namens „ACT NOW Vitamin D“, der auch Uday angehört, fordert höhere Grenzwerte. Dadurch könnten nach ihrer Einschätzung mehr gefährdete Menschen frühzeitig erkannt werden. Über die medizinisch sinnvollen Grenzwerte besteht allerdings keine vollständige Einigkeit.

Martin Hewison, Professor an der Universität Birmingham, verweist gegenüber der BBC auf ein weiteres Problem: Selbst rund 100 Jahre nach der Entdeckung von Vitamin D ist Rachitis nicht verschwunden. Er fordert deshalb, eine stärkere Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D zu prüfen. Kanada und Schweden haben dafür bereits verpflichtende Regelungen. In Großbritannien erfolgt die Anreicherung vieler Lebensmittel bislang freiwillig.

Kurz zusammengefasst:

  • Auch junge und sportliche Menschen können von Vitamin-D-Mangel betroffen sein. Der Mangel bleibt oft lange unentdeckt, weil Beschwerden wie Müdigkeit und Erschöpfung viele Ursachen haben können.
  • Vitamin D ist wichtig für gesunde und stabile Knochen. Ein schwerer, länger anhaltender Mangel kann die Knochen schwächen und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.
  • Im deutschen Winter bildet der Körper kaum Vitamin D über die Haut. Bei Verdacht auf einen Mangel kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein, denn hoch dosierte Präparate können bei Überdosierung schaden.

Übrigens: Vitamin D einzunehmen schützt nicht automatisch vor Knochenbrüchen. Eine Auswertung von 69 Studien mit fast 154.000 Erwachsenen fand für die meisten untersuchten älteren Menschen kaum einen vorbeugenden Nutzen. Menschen mit nachgewiesenem Mangel oder bestimmten Erkrankungen sind davon nicht automatisch betroffen.

Bild: © Pexels

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