Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung – Neue Methode entdeckt deutlich mehr Tumoren

Eine große deutsche Studie deutet darauf hin, dass die 3D-Mammographie Brustkrebs häufiger früh erkennt. Ein eindeutiger Nachweis steht noch aus.

Die digitale Brust-Tomosynthese macht einen frühen Brusttumor anhand auffälliger Veränderungen im umliegenden Gewebe sichtbar (Pfeil). So könnte Brustkrebs bereits in einem früheren Stadium erkannt werden. © Referenzzentrum Mammographie Münster

Die digitale Brust-Tomosynthese macht einen frühen Brusttumor anhand auffälliger Veränderungen im umliegenden Gewebe sichtbar (Pfeil). So könnte Brustkrebs bereits in einem früheren Stadium erkannt werden. © Referenzzentrum Mammographie Münster

Die Mammographie fällt unauffällig aus, doch einige Monate später folgt die Diagnose Brustkrebs. Solche Fälle kommen vor, obwohl die Untersuchung keine verdächtigen Veränderungen erkennen ließ. Besonders problematisch: Diese Tumoren wachsen häufig schneller und haben oft eine ungünstigere Prognose. Eine moderne 3D-Mammographie könnte das Risiko solcher späten Entdeckungen verringern.

In einer großen deutschen Untersuchung traten nach einer 3D-Mammographie rund 24 Prozent weniger solcher Brustkrebsfälle auf als nach herkömmlichem Screening. Das berichtet ein Forschungsteam um Stefanie Weigel von der Universität Münster im Fachjournal The Lancet Oncology. Allerdings ließ sich der Unterschied über zwei Jahre statistisch nicht eindeutig absichern.

3D-Mammographie erkennt Brustkrebs früher

Bei einer herkömmlichen Mammographie entstehen zweidimensionale Röntgenbilder der Brust. Dabei können sich verschiedene Gewebeschichten überlagern und kleine Tumoren verdecken. Besonders bei dichtem Brustgewebe erschwert das die Früherkennung. Die sogenannte Tomosynthese nutzt dagegen mehrere Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln. Daraus entstehen dünne Bildschichten, die Ärztinnen und Ärzte einzeln betrachten können.

Für die Untersuchung nahmen zwischen 2018 und 2020 insgesamt 99.689 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren teil. Sie besuchten 17 Screeningstandorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Eine zufällige Zuteilung bestimmte, welche Teilnehmerinnen die 3D-Tomosynthese mit ergänzenden zweidimensionalen Bildern erhielten. Die übrigen Frauen bekamen eine herkömmliche digitale Mammographie.

Im ersten Jahr sinken die Fallzahlen

Bereits im ersten Jahr nach dem Screening fiel der Unterschied stärker aus. In der Tomosynthese-Gruppe entwickelten 22 Frauen ein invasives Intervallkarzinom, in der Vergleichsgruppe 31. Das entspricht 4,5 gegenüber 6,3 Fällen pro 10.000 Frauen. Die relative Verringerung lag bei 29 Prozent. Für diesen vorab festgelegten zusätzlichen Untersuchungswert ergab sich ein statistisch auffälliger Unterschied.

Die Erklärung liegt möglicherweise in den überlagernden Gewebeschichten. Bei einer gewöhnlichen Mammographie können sie verdächtige Veränderungen verdecken. Die Tomosynthese macht solche Bereiche besser sichtbar. Allerdings entstehen manche Intervallkarzinome erst nach der Untersuchung. Auch eine dreidimensionale Darstellung kann deshalb nicht verhindern, dass später ein Brustkrebs auftritt.

Ein Intervallkarzinom ist eine Krebserkrankung, die zwischen zwei regulären Früherkennungsuntersuchungen entdeckt wird, obwohl die vorherige Untersuchung unauffällig war. Bei der Brustkrebsfrüherkennung kann das zwei Gründe haben:

  • Der Tumor hat sich erst nach der Untersuchung entwickelt oder war zuvor noch zu klein, um erkannt zu werden.
  • Der Tumor war bereits vorhanden, wurde bei der Mammographie aber übersehen, beispielsweise weil dichtes Brustgewebe ihn verdeckte.

Intervallkarzinome wachsen häufig schneller und haben im Durchschnitt eine ungünstigere Prognose als Tumoren, die beim regulären Screening entdeckt werden.

Nach zwei Jahren 24 Prozent weniger Krebsfälle

Besonders interessant waren jene Frauen, deren Untersuchung zunächst keinen Brustkrebs ergeben hatte. Bei der Tomosynthese waren das 49.299 Teilnehmerinnen, bei der herkömmlichen Mammographie 49.456. Innerhalb der folgenden zwei Jahre registrierten die Krebsregister 70 invasive Brustkrebsfälle in der ersten Gruppe. In der Vergleichsgruppe waren es 92. Die Erkrankungen waren jeweils erst nach dem unauffälligen Screening aufgetreten oder entdeckt worden.

Umgerechnet entspricht das 14,2 beziehungsweise 18,6 Fällen pro 10.000 Frauen. Der relative Unterschied beträgt rund 24 Prozent. Allerdings war dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant. Zufällige Schwankungen könnten die Abweichung daher mitverursacht haben. Die Studienautoren halten dennoch einen Nutzen für möglich. „Etwa ein Viertel der invasiven Intervallkarzinome, die bei der digitalen Mammographie innerhalb von zwei Jahren auftreten, könnte vermieden werden“, schreiben sie sinngemäß.

Frauen mit wiederholtem Screening profitieren

Ein weiterer Unterschied betraf Frauen, die bereits früher an der Brustkrebsfrüherkennung teilgenommen hatten. Bei ihnen registrierten die Wissenschaftler nach Tomosynthese nur 13,5 Intervallkarzinome pro 10.000 Frauen. Nach herkömmlicher Mammographie waren es mit 18,8 etwas mehr. Bei Frauen mit ihrer ersten Screeninguntersuchung lagen die Werte dagegen nahezu gleichauf.

Auch bei der ursprünglichen Krebsentdeckung schnitt die moderne Technik besser ab. Sie erkannte 83,5 Prozent aller invasiven Brustkrebsfälle, die entweder beim Screening oder während der folgenden zwei Jahre festgestellt wurden. Die herkömmliche Mammographie erreichte 72,3 Prozent. Die Häufigkeit zusätzlicher Abklärungen blieb mit knapp fünf Prozent in beiden Gruppen ähnlich.

Ob die 3D-Mammographie Leben retten kann, bleibt offen

Trotz der günstigeren Zahlen lässt sich noch kein Überlebensvorteil nachweisen. Dafür müssten weitere Untersuchungen klären, ob die Tomosynthese auch fortgeschrittene Brustkrebserkrankungen reduziert. Zudem können zusätzliche Krebsdiagnosen Tumoren betreffen, die ohne Früherkennung möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätten. Diese mögliche Überdiagnostik gehört ebenfalls zur Bewertung neuer Screeningverfahren.

Eine Einschränkung betrifft die Teilnehmerzahl. Ursprünglich sollten etwa 120.000 Frauen untersucht werden. Wegen der Corona-Pandemie erreichte das Forschungsteam diese Zahl nicht. Dadurch verringerte sich die statistische Aussagekraft. Für die weitere Auswertung soll auch die nächste reguläre Screeningrunde der Teilnehmerinnen berücksichtigt werden. Dabei interessieren besonders die Häufigkeit fortgeschrittener Tumoren und mögliche Unterschiede zwischen beiden Untersuchungsverfahren.

Kurz zusammengefasst:

  • Intervallkarzinome sind Brusttumoren, die trotz einer zuvor unauffälligen Mammographie zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt werden und häufig besonders aggressiv sind.
  • Eine große deutsche Studie mit knapp 100.000 Frauen ergab, dass nach einer 3D-Mammographie innerhalb von zwei Jahren rund 24 Prozent weniger Intervallkarzinome auftraten als nach einer herkömmlichen Mammographie.
  • Der Unterschied war statistisch nicht eindeutig nachweisbar, weshalb weitere Untersuchungen klären müssen, ob die 3D-Technik langfristig auch fortgeschrittene Brustkrebserkrankungen und Todesfälle verhindern kann.

Übrigens: Selbst nach erfolgreicher Brustkrebsbehandlung können einzelne Tumorzellen jahrelang unbemerkt im Körper überleben und später einen Rückfall auslösen. Forscher haben nun entdeckt, warum manche dieser Zellen trotz Therapie langsam weiterwachsen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Referenzzentrum Mammographie Münster

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