BORG-Trend an US-Unis: Fast jeder dritte Nutzer berichtet von einem Filmriss
Ein neuer Trinktrend verbreitet sich an US-Unis. Bei fast jedem dritten untersuchten BORG-Nutzer kam es zu einem Blackout.
BORGs enthalten oft enorme Mengen Alkohol. Nutzer kommen damit an einem Abend auf neun bis zehn Standarddrinks. © Wikimedia
Man stelle sich einen fast vier Liter großen Plastikkanister vor. Etwas Wasser hinein, Geschmackspulver oder Saft dazu, vielleicht Elektrolyte – und dann Wodka. Viel Wodka. Anschließend bekommt das Gefäß noch einen lustigen Namen und landet auf TikTok oder bei der nächsten College-Party. Willkommen beim BORG-Trend.
BORG steht für „Blackout Rage Gallon“. Der Name klingt wie eine Warnung, wird aber unter jungen Amerikanern oft als Partywitz verstanden. Forscher um Andrea C. King von der University of Chicago wollten wissen, was tatsächlich passiert, wenn Studenten solche Mischungen trinken. Ihre Ergebnisse erschienen im Journal of Studies on Alcohol and Drugs. Unter den untersuchten BORG-Nutzern berichtete fast jeder Dritte von einem Filmriss.
BORG-Trend bringt Studenten auf neun bis zehn Drinks
Das Prinzip des Getränks ist simpel. Meist landet hochprozentiger Alkohol in einem rund 3,8 Liter großen Kanister. Hinzu kommen Wasser und Zusätze wie Saft, Elektrolytgetränke, Energy-Drinks oder Aromakonzentrate. 95 Prozent der Teilnehmer, die ihren BORG selbst mischten, verwendeten Wodka.
In einem typischen BORG steckten nach den Angaben der Befragten durchschnittlich 10,2 Standarddrinks. Die Nutzer tranken davon etwa 70 Prozent. Doch damit war der Abend häufig noch nicht vorbei: Viele konsumierten zusätzlich andere alkoholische Getränke.
Unterm Strich kamen sie bei einem BORG-Event auf rund neun bis zehn Standarddrinks. An gewöhnlichen Binge-Drinking-Tagen waren es dagegen im Mittel 6,3 Drinks. An BORG-Tagen lag der Wert bei 9,4. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Damit wird aus dem großen Plastikkanister etwas anderes als nur eine ungewöhnliche Verpackung. Er kann dazu beitragen, dass innerhalb eines einzigen Trinkereignisses enorme Alkoholmengen zusammenkommen.
Fast jeder Dritte berichtet von einem Blackout
Die Folgen waren entsprechend deutlich. Unter den 63 untersuchten BORG-Nutzern berichteten:
- 98 Prozent, dass sie bei solchen Veranstaltungen berauscht oder betrunken waren
- 17 Prozent, dass sie sich erbrachen
- 59 Prozent, dass sie etwas Peinliches sagten oder taten
- 29 Prozent, also 18 von 63 Teilnehmern, von einem Blackout
Bei einem alkoholbedingten Blackout fällt ein Teil der Gedächtnisbildung aus. Betroffene können währenddessen reden, laufen oder weitertrinken, sich später aber an Abschnitte des Abends nicht mehr erinnern.
„Fast ein Drittel der Befragten sagte, dass sie bei einem BORG-Event einen Blackout erlebt hatten“, sagt Studienleiterin King. Sie bezeichnet solche Erinnerungsausfälle als besonders ernste Folge starken Alkoholkonsums.
Trotzdem wollten viele weitermachen. Mehr als zwei Drittel der BORG-Nutzer gaben an, innerhalb des folgenden Jahres wahrscheinlich erneut einen solchen Kanister zu trinken.
Das Sicherheitsversprechen des BORG hält kaum stand
Der BORG-Trend verbreitete sich vor allem über soziale Medien. Videos mit dem Hashtag BORG erzielten der Studie zufolge mehr als 200 Millionen Aufrufe. Ein Teil der Beiträge stellte die Kanister sogar als eine Art Schadensbegrenzung dar: Wer sein eigenes Getränk mische, könne angeblich kontrollieren, wie viel Alkohol hineinkommt, mehr Wasser trinken und sich besser vor manipulierten Getränken schützen.
Die tatsächliche Nutzung passt dazu nur schlecht. 96 Prozent der BORG-Nutzer teilten ihren Kanister mit anderen. 95 Prozent tranken auch aus fremden BORGs. Niemand nannte als wichtigsten Grund für die Nutzung, dadurch weniger Alkohol trinken oder einen Kater verhindern zu wollen. Als häufigste Motive nannten die Studenten Spaß bei der Zubereitung, den Wunsch nach einem Rausch und das Bedürfnis, zur Trinkkultur ihres Colleges dazuzugehören.
„Das Mischen von hochprozentigem Alkohol mit Geschmackszusätzen in BORGs könnte besonders problematisch sein“, sagt King. Die Süße des Getränks und der Reiz, die Mischungen anderer zu probieren, könnten den Konsum zusätzlich fördern.
Die Zahlen gelten nicht für alle Studenten
An der Untersuchung nahmen 103 Studenten teil, die bereits mindestens einmal pro Woche Binge Drinking betrieben. Die Forscher nahmen gezielt mehr BORG-Nutzer in die Stichprobe auf, weil sie deren Trinkverhalten genauer untersuchen wollten.
Die 29 Prozent beziehen sich deshalb nicht auf alle US-Studenten, sondern auf die 63 Befragten mit BORG-Erfahrung. Auch die Angaben zu Alkoholmengen und Folgen beruhen auf den Erinnerungen der Teilnehmer und wurden nicht während der Trinkereignisse gemessen.
Kurz zusammengefasst:
- Ein BORG enthält häufig hochprozentigen Alkohol, Wasser und süße oder aromatisierte Zusätze.
- Die untersuchten Nutzer tranken an BORG-Tagen deutlich mehr Alkohol als an gewöhnlichen Binge-Drinking-Tagen.
- Die Ergebnisse stammen aus einer kleinen Gruppe regelmäßiger Binge Drinker und sind nicht auf alle Studenten übertragbar.
Übrigens: Auch alltägliche Getränke können bei Jugendlichen mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Hoher Konsum süßer Getränke ging in einer Analyse mit 34 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit für Angststörungen einher – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © BanjoZebra via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0
