Produktivität im Homeoffice: Warum Beschäftigte Zuhause mehr schaffen als im Büro

Im Homeoffice arbeiten Beschäftigte laut Studie produktiver – offenbar, weil ihre Energie über den Tag gleichmäßiger bleibt.

Auf dem Sofa am Laptop arbeiten: Nicht immer sieht Homeoffice so entspannt aus. Dennoch können Störungen zu Hause besser selbst gesteuert werden. Laut einer Studie steigt die Produktivität im Homeoffice auch deshalb, weil Unterbrechungen seltener den Arbeitsfluss stören. © Pexels

Auf dem Sofa am Laptop arbeiten: Nicht immer sieht Homeoffice so entspannt aus. Dennoch können Störungen zu Hause besser selbst gesteuert werden. Laut einer Studie steigt die Produktivität im Homeoffice auch deshalb, weil Unterbrechungen seltener den Arbeitsfluss stören. © Pexels

Eine kurze Frage vom Kollegen, ein Telefonklingeln oder das Gespräch nebenan und der eigene Gedankengang ist weg: An manchen Arbeitstagen kostet der Aufenthalt im Büro regelmäßig Zeit und Kraft, wieder in die ursprüngliche Aufgabe hineinzufinden. Solche Unterbrechungen könnten erklären, warum die Produktivität im Homeoffice höher ausfallen kann als im Büro. Beschäftigte haben zu Hause nicht mehr Energie, aber ihr Level schwankt im Laufe des Tages aber deutlich weniger.

Darauf weist eine Studie der Universität von Iowa hin. Die Forscher begleiteten 219 Beschäftigte eines Unternehmens, die innerhalb einer Arbeitswoche sowohl zu Hause als auch im Büro arbeiteten. An jedem der fünf Tage erfassten die Teilnehmer stündlich selbst ihr Energielevel. Zusätzlich gaben sie an, wie weit sie mit ihren Arbeitszielen gekommen waren und wie schnell sie Fortschritte machten. Der direkte Vergleich innerhalb derselben Personengruppe sollte Unterschiede zwischen verschiedenen Beschäftigtentypen möglichst klein halten.

Schwankendes Energielevel verringert die Produktivität

An Tagen im Homeoffice schwankte das Energielevel der Beschäftigten rund 33 Prozent weniger als an Bürotagen. Dabei verfügten sie zu Hause nicht grundsätzlich über mehr Energie. Vielmehr blieb ihre Leistungsfähigkeit gleichmäßiger. Professor Emily Campion vom Tippie College of Business erklärt: „Diese Energieschwankungen bei der Arbeit, die durch mehr und unterschiedlichere Reize ausgelöst werden, können es schwieriger machen, sich intensiv mit der Arbeit zu beschäftigen und voranzukommen.“

Auch gemessen am tatsächlichen Arbeitsfortschritt schnitten die Tage im Homeoffice besser ab. Die Beschäftigten kamen ihren selbst gesetzten Arbeitszielen näher und arbeiteten schneller daran. Zudem nahm der gemessene Fortschritt mit der Zahl der Homeoffice-Tage zu. In den ausgewerteten Daten ging eine geringere Energievariabilität mit deutlich mehr Fortschritt bei den Tageszielen einher.

Jede Unterbrechung kostet mentale Energie

Im Büro entstehen Unterbrechungen häufig spontan. Ein Kollege kommt vorbei, aus dem Nachbarbereich dringen Gespräche herüber oder eine neue Aufgabe verlangt sofortige Aufmerksamkeit. „Man denke daran, wie viel Energie es kostet, zu einer neuen Aufgabe zu wechseln, weil jemand ins Büro kommt und etwas möchte“, so Campion. Anschließend müsse erneut Energie aufgebracht werden, um zur ursprünglichen Tätigkeit zurückzukehren.

Zu Hause verschwinden Ablenkungen nicht. Wäsche, Haustiere, private Nachrichten oder andere Aufgaben können ebenfalls Aufmerksamkeit verlangen. Der Unterschied liegt laut den Forschern vor allem in der eigenen Kontrolle darüber, ob man sich stören lässt oder nicht. Eine E-Mail lässt sich später beantworten, Benachrichtigungen können abgeschaltet werden und viele Unterbrechungen lassen sich zeitlich verschieben. Im Büro entscheiden Beschäftigte dagegen meist nicht selbst, wann und in welcher Form eine Störung auftritt.

Arbeiten im Büro ist anstrengender als im Homeoffice

Auch die Art der Ablenkung spielt eine Rolle. Gespräche von Kollegen, Geräusche aus anderen Arbeitsbereichen oder auch schon der Arbeitsweg können stärker belasten als typische Unterbrechungen zu Hause. Die Anzahl wechselnder Reize lässt das persönliche Energielevel häufiger steigen und fallen. Gerade für Aufgaben, die längere Konzentrationsphasen erfordern, kann das zum Problem werden.

Entscheidend ist dabei nicht die Vorstellung, dass Beschäftigte im Homeoffice besonders entspannt oder ausgeruht arbeiten. Das durchschnittliche Energielevel lag zu Hause nicht höher. Der Vorteil entstand durch die gleichmäßigere Verteilung der zur Verfügung stehenden Energie über den Tag. Wer seltener durch Gespräche und neue Reize zwischen Aufgaben wechseln muss, kann länger an einer Sache bleiben und konzentrierte Arbeitsphasen nutzen.

Studienergebnisse sprechen für flexible Arbeitsmodelle

Für Unternehmen liefern die Erkenntnisse aus Iowa einen möglichen Ansatz für die Diskussion um Homeoffice und Anwesenheitspflichten. Campion hält hybride Modelle deshalb für einen guten Kompromiss zwischen den Interessen von Beschäftigten und Arbeitgebern. Arbeitstage zu Hause könnten sich besonders für Aufgaben eignen, die längere, ungestörte Konzentration verlangen. Bürotage können dagegen Raum für direkten Austausch und Zusammenarbeit bieten.

Die Ergebnisse der Studie haben allerdings auch Grenzen: Alle 219 Beschäftigten arbeiteten für denselben Arbeitgeber, und die Untersuchung umfasste lediglich eine Arbeitswoche. Zudem beruhte der Fortschritt bei den Arbeitszielen auf eigenen Angaben der Teilnehmer. Es wurden keine Produktionszahlen, Umsätze oder andere objektive Unternehmenskennzahlen gemessen. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ungeprüft auf jede Branche oder Tätigkeit übertragen. Für Tätigkeiten, in denen ständiger persönlicher Austausch nötig ist, können andere Bedingungen gelten.

Kurz zusammengefasst:

  • Beschäftigte waren im Homeoffice produktiver, weil ihr Energielevel im Tagesverlauf gleichmäßiger blieb und sie seltener durch spontane Unterbrechungen ausgebremst wurden.
  • Im Büro schwankte das Energieniveau stärker, etwa durch Gespräche, Geräusche, Aufgabenwechsel oder andere ungeplante Reize.
  • Die Ergebnisse stammen von 219 hybrid arbeitenden Beschäftigten eines Unternehmens und sind deshalb ein wichtiger Hinweis, aber kein Beweis, der für alle Branchen und Tätigkeiten Gültigkeit besitzt.

Übrigens: Homeoffice kann die Produktivität steigern – doch zu viel Abwesenheit vom Arbeitsplatz kann den Vorteil wieder zunichtemachen, weil Austausch und Abstimmung zwischen den Kollegen leiden. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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