Impfstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zeigt Wirkung: Bei 20 Hochrisikopatienten tritt kein Krebs auf

Impfstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zeigt im ersten Menschentest Hoffnung: Bei 20 Risikopersonen trat kein Krebs auf.

Der experimentelle KRAS-Impfstoff soll das Immunsystem von Hochrisikopatienten frühzeitig gegen Veränderungen wappnen, aus denen Bauchspeicheldrüsenkrebs entstehen kann.

Der experimentelle KRAS-Impfstoff soll das Immunsystem von Hochrisikopatienten frühzeitig gegen Veränderungen wappnen, aus denen Bauchspeicheldrüsenkrebs entstehen kann. Illustration mit Hilfe von KI generiert

Ein neuer Impfstoff macht Hoffnung im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. In einer ersten Studie an Menschen testeten Ärzte der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore das Mittel mKRAS-VAX bei 20 Personen mit hohem Risiko. Sie bekamen über 13 Wochen vier Spritzen. Bei 18 von ihnen sprang das Immunsystem messbar an.

Wichtig: Die Teilnehmer hatten noch keinen Krebs. Sie trugen aber ein erblich erhöhtes Risiko und hatten auffällige Befunde an der Bauchspeicheldrüse, meist Zysten. Die Phase-1-Studie erschien im Fachjournal Cancer Discovery. Sie sollte vor allem klären, ob der Impfstoff verträglich ist und ob er die körpereigene Abwehr auf gefährliche Zellveränderungen vorbereitet.

Impfstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs soll gefährliche Zellen früh erkennbar machen

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Krebsarten, die Ärzte oft erst spät entdecken. Dann bleibt häufig wenig Zeit. Die hier untersuchte Form heißt duktales Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse. Sie ist die häufigste und eine besonders aggressive Form. Vorstufen können über Jahre entstehen, etwa als kleine Zysten im Organ.

mKRAS-VAX zielt auf einen frühen Auslöser vieler dieser Tumoren: bei Veränderungen im KRAS-Gen. Solche Mutationen treiben viele Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs an. Der Impfstoff enthält Bausteine, die das Immunsystem auf sechs häufige KRAS-Veränderungen aufmerksam machen sollen. Erkennt die Abwehr solche Zellen später wieder, könnte sie schneller reagieren.

Bei 18 von 20 Personen springt die Abwehr an

Die 20 Teilnehmer waren nicht zufällig ausgewählt. Alle hatten ein erblich erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dazu kam ein auffälliger Befund in der Bildgebung, meist in Form einer Zyste an der Bauchspeicheldrüse. Zwischen April 2022 und Februar 2026 erhielten sie über 13 Wochen vier Dosen des Impfstoffs.

Die Studie sollte vor allem zwei Fragen beantworten: Ist mKRAS-VAX verträglich? Und erkennt das Immunsystem die KRAS-Veränderungen? Bei 18 von 20 Personen, also 90 Prozent, entstand eine deutliche Immunantwort. Die Abwehrzellen reagierten deutlich stärker auf das veränderte KRAS-Gen als vor der Impfung. Bei einigen Teilnehmern ließen sich diese spezialisierten Abwehrzellen noch bis zu zwei Jahre später im Blut nachweisen.

Nach durchschnittlich 16,5 Monaten Beobachtung hatte keiner der 20 Probanden Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt. Auch eine gefährliche Vorstufe, die eine Operation nötig gemacht hätte, trat nicht auf. Das ist ein ermutigendes Signal. Ein Beweis dafür, dass der Impfstoff Krebs verhindert, ist das jedoch noch nicht, denn dafür war die Studie zu klein und zu kurz.

Kontrollbilder zeigen Veränderungen bei kleinen Zysten

Kontrollbilder lieferten bei einigen Patienten weitere Hinweise. Bei fünf von 20 Personen verschwanden kleine Zysten vollständig, drei weitere zeigten eine Verkleinerung. Die übrigen Zysten blieben stabil. Noch bleibt offen, ob der Impfstoff diese Veränderungen beeinflusst hat, doch die Beobachtung liefert einen Ansatz für genauere Untersuchungen.

Elizabeth Jaffee vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center formuliert die Bedeutung vorsichtig. „Das ist erst der Anfang, aber die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Immunsystem aktiviert wird“, sagt sie. Außerdem sagt sie: „Wir haben noch mehr Arbeit vor uns, aber das ist ein guter Start in Richtung Vorbeugung, woran vorher niemand gedacht hatte.“

Nur milde Nebenwirkungen in der ersten Studie

Die Nebenwirkungen blieben leicht bis mäßig. Am häufigsten meldeten die Teilnehmer Beschwerden an der Einstichstelle, Müdigkeit, Schüttelfrost oder grippeähnliche Symptome. Sie verschwanden ohne Behandlung. Für einen Impfstoff, der vorbeugend bei gesunden Risikopersonen eingesetzt werden könnte, ist diese Verträglichkeit besonders wichtig.

Der Impfstoff war zuvor schon bei zwölf operierten Krebspatienten getestet worden. Ihnen war ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernt worden. Bei 11 von 12 reagierte das Immunsystem deutlich auf die KRAS-Veränderungen. Nach knapp drei Jahren waren 4 von 12 ohne Rückfall, 8 erkrankten erneut. Diese Ergebnisse erschienen 2026 in Nature Communications.

Aus diesen Erfahrungen entstand der nächste Schritt: die Impfung vor einer Krebsdiagnose. Onkologin Neeha Zaidi erklärt: „Wir dachten: Wenn wir bei Krebspatienten eine Immunantwort sehen, sollte der Impfstoff bei Menschen mit höherem Risiko noch besser wirken, etwa wegen Familiengeschichte, Genveränderung oder einer Zyste an der Bauchspeicheldrüse.“

Menschen mit Vorbelastung könnten zuerst profitieren

Michael Goggins, Pathologe und Co-Seniorautor, sieht in den neuen Daten einen Machbarkeitsnachweis. Der Impfstoff kann bei Menschen mit erblichem Risiko länger anhaltende Immunreaktionen auslösen. Jaffee ergänzt: „Die Möglichkeit, Risikopersonen früh zu impfen, um zu versuchen, die Entstehung von Krebs in der Zukunft zu verhindern, ist eine wichtige Chance.“

Der nächste Test läuft bereits. Dabei geht es um Menschen mit Hochrisiko-Zysten. Ihr Bauchspeicheldrüsengewebe wird operativ entfernt und anschließend genauer untersucht. So lässt sich prüfen, ob die durch die Impfung aktivierten Abwehrzellen direkt im Vorläufergewebe ankommen. Allerdings können erst größere Studien mit längerer Laufzeit zeigen, ob daraus tatsächlich Vorbeugung wird.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein neuer Impfstoff soll das Immunsystem früh auf typische KRAS-Veränderungen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs vorbereiten.
  • In der ersten Studie mit 20 Risikopersonen reagierte bei 18 die Abwehr deutlich; nach 16,5 Monaten trat kein Krebsfall auf.
  • Die Daten machen Hoffnung, bleiben aber ein Anfang: Ob der Impfstoff Krebs wirklich verhindern kann, müssen größere Studien zeigen.

Übrigens: Auch bei Darmkrebs verändern neue Studiendaten den Blick auf jüngere Menschen – besonders auffällig ist der Anstieg bei den 20- bis 39-Jährigen. Die Erkrankung bleibt vor dem 50. Geburtstag selten, doch bestimmte Warnzeichen sollte man ernst nehmen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: Illustration mit Hilfe von KI generiert

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