Europa spart CO₂ in der Bilanz – dafür stößt China mehr für uns aus

China-Importe senken Europas CO₂-Bilanz, doch laut Kopenhagener Daten steigt der Ausstoß global deutlich.

Container bringen Waren aus China nach Europa. Der CO2-Ausstoß aus der Herstellung zählt oft in China – gekauft werden die Produkte aber hier.

Container bringen Waren aus China nach Europa. Der CO₂-Ausstoß aus der Herstellung zählt oft in China – gekauft werden die Produkte aber hier. © Unsplash

Ein Container verlässt einen Hafen in China, beladen mit Waren für Europa. In der europäischen Klimabilanz taucht der Rauch aus den Fabriken oft nicht auf. Dort sinken die Emissionen vieler Unternehmen sogar, wenn billige Importe heimische Produktion verdrängen. Weltweit kann dadurch jedoch mehr CO₂ entstehen.

Dänische Industriefirmen stießen zwischen 1995 und 2017 im Inland weniger CO₂ aus, wenn sie Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagerten. Das geht aus einer Untersuchung der University of Copenhagen hervor, die direkte und indirekte Emissionen, ausgelagerte Produktionsschritte und den Wettbewerbsdruck durch fertige Waren aus China auswertete.

China-Importe drücken CO₂ in Europa sichtbar

Wenn dänische Firmen Vorprodukte im Ausland herstellen lassen, sinken ihre Emissionen im Inland. Im Ausland steigen sie in ähnlichem Umfang. Der weltweite Ausstoß verändert sich dadurch kaum.

Viele Firmen behalten anspruchsvollere und weniger energieintensive Arbeitsschritte im eigenen Land. Einfachere oder energieintensivere Vorprodukte kommen oft von außen. Häufig stammen sie aus europäischen Ländern mit ähnlich effizienter Produktion. Dadurch bleibt der globale Klimaeffekt begrenzt.

Offshoring verlagert Emissionen nur teilweise

„Wenn Unternehmen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern, behalten sie typischerweise die fortschrittlichsten und am wenigsten energieintensiven Prozesse“, sagt Jakob Roland Munch, Professor am Department of Economics. „Dadurch wird ihre eigene Produktion effizienter und weniger CO₂-intensiv.“

Beim Importdruck aus China läuft der Mechanismus anders. Dänische Unternehmen verlieren Umsatz, wenn billigere chinesische Fertigwaren auf den Markt drängen. Mit weniger Produktion sinken ihre Emissionen im Inland. In europäischen Statistiken sieht das sauberer aus. Die zusätzliche Produktion entsteht jedoch in China.

Warum China-Importe und CO₂ global anders wirken

Zwischen 1990 und heute stieg der Anteil chinesischer Fertigwaren an den dänischen Importen von rund einem Prozent auf etwa zehn Prozent. Seit den 1990er-Jahren wuchs China zu einem zentralen Treiber des Welthandels. Für dänische Firmen bedeutete das mehr Konkurrenz bei vielen Produkten.

Offshoring verschiebt Emissionen häufig ohne großen globalen Zusatzschaden. Importkonkurrenz aus China erhöht dagegen den weltweiten Ausstoß deutlich. Die verdrängte Produktion findet in einem Land statt, in dem typische importierte Fertigwaren deutlich CO₂-intensiver hergestellt werden.

Chinas Produktion stößt deutlich mehr aus

„Wir sehen einen klaren Trend: Unternehmen, die unter Druck durch chinesische Importkonkurrenz stehen, verzeichnen niedrigere Umsätze und damit auch niedrigere CO₂-Emissionen“, sagt Munch. „Gleichzeitig steigen die Emissionen in China jedoch deutlich. Die Emissionsintensität liegt bei typischen importierten Fertigwaren ungefähr siebenmal höher als in Dänemark.“

Ein Land kann seine Produktionswerte verbessern, während der Verbrauch weiter Emissionen an anderer Stelle auslöst. Nationale CO₂-Zahlen erfassen daher nicht automatisch den ganzen Fußabdruck der gekauften Waren.

CO₂-Zölle gewinnen dadurch an Bedeutung

In Europa soll der Carbon Border Adjustment Mechanism CO₂-Kosten für bestimmte importierte Waren ausgleichen. Der Grenzausgleich betrifft energieintensive Produkte wie Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Er richtet sich gegen Abwanderung von Produktion aus Regionen mit strengeren Klimaregeln in Länder mit höheren Emissionen.

Seit Januar 2026 beginnt die Regelphase des europäischen CO₂-Grenzausgleichs. Für betroffene Waren werden schrittweise Zertifikate fällig. Daran knüpft die Kopenhagener Arbeit an: Wenn China-Importe CO₂ in Europa rechnerisch senken, aber weltweit mehr Ausstoß verursachen, entscheidet die Ausgestaltung solcher Regeln über den Klimaeffekt.

Warum CO₂-Zölle die ganze Lieferkette treffen müssen

Munch verweist auf die Lücke zwischen Produktions- und Verbrauchsbilanz. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass sich der konsumbezogene CO₂-Fußabdruck erheblich vom produktionsbezogenen CO₂-Fußabdruck unterscheiden kann“, sagt er. Ein CO₂-Zoll könne helfen, fairere Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, wenn die EU mit Emissionshandel arbeitet und Länder wie Dänemark zusätzlich CO₂-Abgaben erheben.

Der Effekt hängt jedoch stark von den Details ab. Eine ZEW-Analyse zu Klimazöllen warnt vor zu schwachen Modellen. Werden nur Teile der Lieferkette erfasst oder Vorprodukte wie Roheisen zu gering belastet, kann emissionsintensive Produktion aus der europäischen Statistik verschwinden. Der Ausstoß entsteht dann weiter im Ausland.

Besonders bei Stahl zeigt sich dieses Risiko. Sauberer produzierte Ware kann in regulierte Märkte wie Europa gehen, während CO₂-intensivere Produkte in andere Länder verkauft werden. Europas Bilanz wirkt dadurch besser. Weltweit sinken die Emissionen aber deutlich weniger.

Europas saubere Bilanz hat eine Grenze

Für die untersuchten dänischen Firmen sind weniger Emissionen im Inland nicht automatisch ein Klimagewinn. Entscheidend bleibt, wo die verdrängte Produktion landet und wie viel CO₂ dort pro Ware entsteht.

Bei europäischen Zulieferern fällt der Unterschied oft gering aus. Bei chinesischen Fertigwaren kann er erheblich sein.

Kurz zusammengefasst:

  • China-Importe können Europas CO₂-Bilanz sauberer aussehen lassen, weil heimische Firmen bei stärkerem Importdruck weniger produzieren und dadurch weniger ausstoßen.
  • Global sinken die Emissionen dadurch nicht automatisch: Laut University of Copenhagen entsteht die verdrängte Produktion in China oft deutlich CO₂-intensiver.
  • CO₂-Zölle können diese Lücke nur schließen, wenn sie ganze Lieferketten erfassen und verhindern, dass emissionsreiche Vorprodukte aus der europäischen Bilanz verschwinden.

Übrigens: Die EU will CO₂ nicht nur verteuern, sondern entfernte Emissionen auch handelbar machen. Wie Firmen damit Geld verdienen könnten und welche Risiken bleiben, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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