China baute erst den Bahnhof – dann die Stadt drumherum

China hat in Xiong’an einen Mega-Bahnhof mit Solarstrom, Robotern und Schnellzug-Anschluss errichtet. Der Bau umfasst 475.200 Quadratmeter.

Der Bahnhof Xiong’an nutzt sein riesiges Dach als Solarkraftwerk. Die Photovoltaikanlage soll jährlich rund 5,8 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. © N509FZ via Wikimedia Commons unter CC BY-SA 4.0

Der Bahnhof Xiong'an nutzt sein riesiges Dach als Solarkraftwerk. Die Photovoltaikanlage soll jährlich rund 5,8 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. © Wikimedia

In vielen Städten entstehen zuerst Wohnungen, Büros und Geschäfte. Straßen, Bahnhöfe und Verkehrsverbindungen müssen später oft mühsam nachgezogen werden – Stuttgart kann davon ein Lied singen. In Xiong’an südwestlich von Peking geht China den umgekehrten Weg: Dort stand der Bahnhof bereits, bevor die neue Stadt überhaupt Form annahm.

Zum neunten Jahrestag der Xiong’an New Area leben dort nach Angaben der staatsnahen chinesischen Global Times inzwischen rund 1,41 Millionen Menschen. Der Mega-Bahnhof der neuen Stadt umfasst 475.200 Quadratmeter, mehr als 66 Fußballfelder, und verbindet die Region mit Peking und dem Flughafen Daxing.

Ein Bahnhof soll eine ganze Stadt anschieben

Xiong’an ist kein normales Bahnhofsprojekt. Der Verkehrsknoten entstand als erstes großes Infrastrukturvorhaben der neuen Stadtregion. Das sagt viel über die Reihenfolge der Planung aus. Erst entsteht die schnelle Verbindung, dann wachsen Wohnviertel, Arbeitsplätze und Alltagswege darum herum.

Laut der China State Construction Engineering Corporation ist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Xiong’an 92,79 Kilometer lang und umfasst fünf Stationen. Xiong’an bildet dabei den größten Bahnhof der Linie. Von Peking-West dauert die Fahrt nach Xiong’an rund 50 Minuten. Vom Flughafen Pexing-Daxing sind es sogar nur etwa 19 Minuten.

Für Reisende bedeutet das weniger Abhängigkeit vom Straßenverkehr. Für eine neue Stadt ist das ein Startvorteil. Wer dort wohnt oder arbeitet, erreicht die Hauptstadt und den Flughafen schnell.

Das sind die wichtigsten Kennzahlen des Projekts:

  • 475.200 Quadratmeter Gesamtfläche
  • etwa 66 Fußballfelder groß
  • 92,79 Kilometer lange Intercity-Strecke
  • rund 50 Minuten Fahrzeit nach Peking-West
  • rund 19 Minuten Fahrzeit zum Flughafen Peking-Daxing

Beim Mega-Bahnhof in China arbeiten Roboter am Stahl

Der Bau in Xiong’an zeigt auch, wie stark China bei großen Projekten auf digitale Planung setzt. Das Projekt nutzte Building Information Modeling, kurz BIM. Dabei entsteht ein dreidimensionales digitales Modell des Bauwerks. Planer und Ingenieure können Bauteile, Leitungen und Abläufe dadurch früher aufeinander abstimmen.

Auch Schweißroboter kamen zum Einsatz. Sie arbeiteten an Teilen der Stahlkonstruktion und sollten wiederkehrende Verbindungen gleichmäßiger ausführen. Bei einem Bauwerk dieser Größe zählt nicht nur Tempo. Tausende Stahlverbindungen müssen zuverlässig halten und möglichst sauber verarbeitet sein.

Auffällig ist außerdem der großflächige Einsatz von Sichtbeton. Bei dieser Bauweise bleibt die Betonoberfläche später sichtbar. Fehler lassen sich daher kaum kaschieren. Kanten, Flächen und Übergänge müssen bereits beim Gießen sauber gelingen.

Wie das Solardach Strom für den Bahnhof liefert

Das ovale Dach des Bahnhofs dient nicht nur der Architektur. Es trägt auch eine große Photovoltaikanlage. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua bedecken die Solarmodule rund 42.000 Quadratmeter. Das entspricht ungefähr sechs Fußballfeldern.

Die Anlage soll im Schnitt 5,8 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Außerdem wird eine Einsparung von rund 4500 Tonnen Kohlendioxid jährlich erwartet. Dazu kommen knapp 1800 Tonnen Standardkohle, die rechnerisch ersetzt werden sollen. In China nutzt man diese Einheit häufig, um Energieverbräuche vergleichbar zu machen. In diesem Fall entspricht das circa 14.8 Millionen Kilowattstunden (kWh),

Der Solarstrom ging am 25. Dezember 2020 ans Netz, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung. Der Bahnhof startete also nicht erst später mit grüner Technik. Die Stromerzeugung gehörte von Beginn an zum Konzept des Gebäudes.

Auch im Innenraum spielt Energie eine Rolle. Breite Lichtbänder bringen Tageslicht in die Wartehalle. Sie messen rund 15 Meter. Dadurch sinkt tagsüber der Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Schallschutzwände an den Bahnsteigen sollen zudem den Lärm für Reisende verringern.

Warum der Bahnhof in China digital gesteuert wird

Der Bahnhof arbeitet mit Systemen, die den Gebäudebetrieb in Echtzeit unterstützen. Sie erfassen etwa Licht, Energiebedarf und Passagierströme. Betreiber können dadurch schneller reagieren, wenn viele Menschen unterwegs sind oder sich der Strombedarf ändert.

Damit ähnelt Xiong’an eher einem großen technischen Organismus als einem klassischen Bahnhofsgebäude. Für Fahrgäste zählt am Ende aber etwas sehr Einfaches: Wege sollen kürzer sein, Hallen heller wirken und Verbindungen verlässlicher laufen.

Kurz zusammengefasst:

  • Der Bahnhof Xiong’an in China umfasst 475.200 Quadratmeter und verbindet eine neue Stadtregion direkt mit Peking und dem Flughafen Daxing.
  • Beim Bau kamen digitale Planung, Schweißroboter und Sichtbeton zum Einsatz, um Tempo und Qualität bei einem Großprojekt zu verbinden.
  • Das Solardach erzeugt Strom für den Bahnhof und zeigt, wie China Verkehr, Energie und Stadtplanung früh zusammendenkt.

Übrigens: Chinas Bauboom beeindruckt mit riesigen Bahnhöfen und neuen Städten, doch Beton und Stahl belasten die Klimabilanz noch Jahrzehnte nach dem Bau. Warum Renovieren oft wirksamer sein kann als Abriss und Neubau, zeigt eine aktuelle Analyse. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © N509FZ via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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