China baut Atomkraft rasant aus – und kann bis zu 50 Reaktoren parallel errichten
China baut seine Atomkraft massiv aus und hat Kapazität für bis zu 50 Reaktoren gleichzeitig. 36 neue Anlagen sind bereits im Bau.
Das Kernkraftwerk Zhangzhou in Fujian gilt als größte Basis für Hualong One – einen in China entwickelten Atomreaktor der neueren Generation. © Wikimedia
Wer günstigen und verlässlichen Strom hat, hat im globalen Wettbewerb einen handfesten Vorteil. Deshalb lohnt sich der Blick nach China: Während andere Länder bei der Atomkraft planen, streiten oder verschieben, entstehen dort Dutzende Reaktoren parallel. Das kann Folgen für Energiepreise, Industrie und die internationale Klimapolitik haben.
Wie weit China beim Ausbau bereits ist, zeigen aktuelle Branchendaten. Der neue Lagebericht („Blue Book“) der China Nuclear Energy Association, über den unter anderem die South China Morning Post und die Global Times berichten, beziffert die installierte Atomkraftleistung des Landes auf rund 125 Millionen Kilowatt. Das „Blue Book“ ist ein umfassender Entwicklungs- und Branchenbericht. China liegt damit weltweit vorn.
Atomkraft wächst in China schneller als irgendwo sonst
Aktuell betreibt China rund 60 kommerzielle Reaktoren. 36 weitere Anlagen befinden sich im Bau. Damit liegt das Land beim Neubau weltweit mit großem Abstand vorn. Nach Angaben des Branchenberichts verfügt China inzwischen sogar über die technischen und industriellen Kapazitäten, bis zu 50 Kernkraftwerksblöcke gleichzeitig zu bauen. 16 zusätzliche Blöcke sind bereits genehmigt, der Bau hat aber noch nicht begonnen.
Wörtlich heißt es im Bericht, Chinas technologische Fähigkeiten hätten sich vom Nachbau und der Übernahme ausländischer Technik zum „Gleichziehen“ entwickelt. In einigen Bereichen liege das Land inzwischen sogar „vorn“.
Parallele Baustellen verkürzen Bauzeiten deutlich
Statt einzelne Projekte nacheinander umzusetzen, laufen viele Vorhaben gleichzeitig. Das beschleunigt Abläufe und reduziert Verzögerungen.
- Planung, Bau und Tests greifen stärker ineinander
- Teams arbeiten parallel an verschiedenen Standorten
- Erfahrungen aus laufenden Projekten fließen direkt in neue Anlagen ein
Das sorgt dafür, dass neue Reaktoren schneller ans Netz gehen. Andere Länder setzen oft auf einzelne Großprojekte. Diese dauern meist deutlich länger.
Energiebedarf steigt – Atomkraft soll Versorgung sichern
China benötigt enorme Mengen Strom. Industrie, Städte und digitale Infrastruktur wachsen weiter. Zudem will das Land seine Energieversorgung breiter aufstellen und die CO₂-Emissionen senken. Atomkraft liefert konstant Strom und ergänzt damit erneuerbare Quellen.
Die Strategie hat mehrere Ziele:
- weniger CO₂-Ausstoß
- stabilere Stromversorgung
- geringere Abhängigkeit von Energieimporten
Wenn Lieferketten ins Wanken geraten oder Energiepreise schwanken, kann sich diese Strategie besonders auszahlen. Nach aktuellen Planungen liegt die installierte Leistung bereits bei rund 125 Gigawatt. Bis 2040 könnten daraus laut Bericht rund 200 Gigawatt werden. Damit würde China seine Rolle als einer der größten Atomstromproduzenten der Welt weiter ausbauen.
Technologischer Fortschritt verändert den Wettbewerb
China hat in der Atomtechnik in kurzer Zeit stark aufgeholt und gehört in einigen Bereichen inzwischen zur Spitze. Das Land baut nicht mehr nur nach, sondern entwickelt eigene Technologien. Das betrifft Bauweise, Sicherheitssysteme und die Organisation großer Projekte.
Die wichtigsten Großbauteile für Atomkraftwerke produziert China inzwischen komplett selbst. Chinesische Hersteller können pro Jahr mehr als zehn vollständige Komponentensätze fertigen. 2025 wurden davon 148 ausgeliefert – fast doppelt so viele wie 2023.
Hualong One macht Chinas Atomtechnik zum Exportmodell
Besonders hervorgehoben wird im „Blue Book“ der Reaktortyp Hualong One. Nach Angaben des Berichts sind inzwischen mehr als 40 Blöcke dieses chinesischen Modells im In- und Ausland in Betrieb oder im Bau. Das gilt als Hinweis darauf, dass China nicht nur schneller baut, sondern auch eigene Technik in großem Maßstab kommerzialisiert.
China gehört zudem inzwischen zu den wenigen Ländern mit einem weitgehend vollständigen Kernenergie-Industriesystem – von der Brennstoffverarbeitung bis zur Versorgung verschiedener Reaktortypen.
Die Entwicklung bleibt nicht auf China beschränkt. Energiepreise, Investitionen und Industriepolitik hängen eng mit der Stromversorgung zusammen. Wenn ein Land seine Kapazitäten in diesem Tempo ausbaut, wirkt sich das auch auf Märkte außerhalb der eigenen Grenzen aus.
Kurz zusammengefasst:
- China baut seine Atomkraft in einem Tempo aus, das derzeit kein anderes Land erreicht: Rund 60 Reaktoren laufen bereits, 36 sind im Bau, 16 weitere genehmigt, und laut Branchenbericht kann das Land sogar bis zu 50 Kernkraftwerksblöcke gleichzeitig umsetzen.
- Der Ausbau folgt dem industriellen Prinzip: viele Projekte parallel, immer mehr eigene Technik, vollständige Produktion zentraler Hauptkomponenten im Inland und mit Hualong One inzwischen auch ein chinesisches Reaktormodell, das in großem Maßstab im In- und Ausland eingesetzt wird.
- Für den Rest der Welt ist das wichtig, weil günstiger und verlässlicher Strom über Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Klimastrategien mitentscheidet – und China mit seinem schnellen Ausbau genau auf diesen Vorteil zielt.
Übrigens: China nutzt Kernkraft längst nicht mehr nur für Strom, sondern ersetzt damit Kohle in Fabriken. Ein Großprojekt liefert konkrete Zahlen zur CO₂-Einsparung. Mehr dazu in unserem Artikel.
