USA starten neuartige Testanlage für Mini-Atomreaktoren
In Idaho startet eine neue Testanlage, in der Mikroreaktoren unter realen Bedingungen geprüft und für Zulassungen vorbereitet werden.
In der DOME-Anlage am Idaho National Laboratory testen Unternehmen neue Mikroreaktoren unter realen Bedingungen und sammeln Daten für Zulassung und Betrieb. © Idaho National Laboratory
In den USA geht eine neue Anlage in Betrieb, auf die Entwickler neuer Kerntechnik seit Jahren warten: Dort lassen sich Mikroreaktoren erstmals nicht mehr nur am Computer oder im Labor vorbereiten, sondern unter realen Bedingungen testen. Bisher fehlte ein Ort für Versuche, an dem sich Leistung und Sicherheit nachweisen lassen. Viele Projekte blieben deshalb in frühen Phasen stecken.
Die neue Anlage steht im Bundesstaat Idaho und trägt den Namen DOME. Hinter dem Projekt steht das Idaho National Laboratory (INL) sowie das National Reactor Innovation Center.
Neue Testanlage verkürzt Entwicklungszeiten deutlich
Für die Genehmigung neuer Reaktoren brauchen Behörden belastbare Messwerte. Fehlen solche Daten, ziehen sich Verfahren oft über Jahre. Entwickler können ihre Reaktoren im DOME nun im praktischen Einsatz auf Leistung, Sicherheit und Verhalten im laufenden Betrieb testen.
Die gewonnenen Daten gehen dann direkt in die Prüfverfahren ein. Dadurch verschiebt sich der Ablauf in der Branche. Tests können früher durchgeführt werden. Es wird schneller sichtbar, welche Konzepte tragen – und welche nicht.
Aus dem US-Energieministeriums kommt große Unterstützung für das Projekt. „Die DOME-Testanlage wird ein Grundpfeiler der Strategie sein, die Führungsrolle der USA bei fortschrittlichen Kerntechnologien wiederherzustellen“, sagt der Energiebeamte Rian Bahran.
Mikroreaktoren liefern Strom flexibel und planbar
Im Vergleich zu großen Kraftwerken sind Mikroreaktoren deutlich kleiner. Sie erzeugen bis zu 20 Megawatt thermische Leistung. Das reicht für kleinere Städte, Industrieanlagen oder abgelegene Regionen.
Die Technik bringt mehrere Vorteile:
- Schneller Aufbau als klassische Kraftwerke
- Einsatz auch fernab großer Stromnetze
- Konstante Energieproduktion unabhängig vom Wetter
Damit kommen die Reaktoren für viele Einsatzorte infrage – vor allem dort, wo Strom verlässlich verfügbar sein muss.
Politische Vorgaben beschleunigen das Projekt
Der Bau der Anlage lief schneller als ursprünglich geplant. Laut INL wurde die Fertigstellung um fast ein Jahr vorgezogen. Politische Entscheidungen aus dem Jahr 2025 gaben dafür den Rahmen.
„Wir beschleunigen die nächste Generation von Nuklearinnovatoren von der Idee bis zur Demonstration in einem Tempo, das die Branche seit Jahrzehnten nicht gesehen hat“, sagt INL-Direktor John Wagner.
Die Anlage soll dazu beitragen, Strom zuverlässiger bereitzustellen und neue Reaktoren schneller ans Netz zu bringen.

Erster Testkandidat steht schon in den Startlöchern
Firmen bewerben sich um Testzeiten. Kriterien sind unter anderem der Entwicklungsstand und die geplanten Genehmigungen. Wer ausgewählt wird, finanziert die Tests selbst.
Ein erstes Projekt steht bereits fest. Das Unternehmen Radiant plant einen einjährigen Testlauf. Dabei kommt erstmals Kernbrennstoff in der Anlage zum Einsatz. Ziel ist:
- Betrieb unter realen Bedingungen
- Erhebung von Leistungsdaten
- Anpassung der Technik während des Tests
So entsteht ein direkter Übergang von der Entwicklung zur praktischen Nutzung.
Ehemalige Reaktoranlage wird neu genutzt
Die Anlage nutzt eine bestehende Kuppel, in der früher ein experimenteller Reaktor stand. Heute dient sie als Testumgebung für neue Technik. Der Umbau spart Zeit und Kosten, da vorhandene Infrastruktur weiter genutzt und gezielt angepasst wird.
„Wir haben diese Anlage gebaut, damit Unternehmen ihre innovativen Konzepte schnell in praktische Demonstrationen überführen können“, erklärt Brad Tomer vom National Reactor Innovation Center.
Kurz zusammengefasst:
- In den USA startet mit DOME eine neue Testanlage, in der Mikroreaktoren erstmals unter realen Bedingungen geprüft werden.
- Entwickler erhalten dort wichtige Betriebsdaten zu Leistung und Sicherheit, die für Zulassung und Weiterentwicklung entscheidend sind.
- Die Anlage verkürzt Entwicklungszeiten deutlich und zeigt schneller, welche Reaktorkonzepte in der Praxis funktionieren.
Übrigens: Während in Idaho neue Mikroreaktoren getestet werden, setzt der US-Konzern Meta bereits auf Atomkraft für seine KI – Bill Gates’ Firma TerraPower plant mehrere Reaktoren für den steigenden Strombedarf des Tech-Giganten. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Idaho National Laboratory
