Klimawandel spielte bei Unwettern in Spanien große Rolle – Regen bis zu 36 Prozent stärker

Bei den jüngsten Unwettern in Spanien spielte der Klimawandel eine große Rolle – der Extremregen fiel bis zu 36 Prozent intensiver aus.

Roter Regenschirm in Straßenszene

Starkregen trifft Südwesteuropa immer häufiger mit voller Wucht – im heutigen, bereits erwärmten Klima fallen Extremniederschläge deutlich intensiver aus als noch vor wenigen Jahrzehnten. © Unsplash

Die schweren Regenfälle dieses Winters in Spanien, Portugal und Marokko waren kein zufälliger Ausreißer. Nach Berechnungen der Initiative World Weather Attribution fallen die intensivsten Niederschlagstage in Südwesteuropa unter den heutigen Klimabedingungen deutlich heftiger aus als in einem Klima ohne menschengemachte Erwärmung. Bei derzeit rund 1,3 Grad globalem Temperaturanstieg sind die stärksten Regenereignisse regional um bis zu 36 Prozent intensiver geworden – mit Überschwemmungen, Milliardenhilfen und rund 50 Todesopfern.

Extremer Starkregen trifft längst nicht mehr nur ferne Weltregionen. Die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema Unwetter in Spanien und der fortschreitende Klimawandel betreffen europäische Urlaubsgebiete, wichtige Wirtschaftsstandorte und dicht besiedelte Küstenräume. Wenn Flüsse über die Ufer treten, stehen nicht nur Häuser unter Wasser. Lieferketten reißen, Hotels schließen, Versicherungen zahlen Milliarden.

Studie beziffert Einfluss des Klimawandels konkret

Die internationale Forschungsinitiative World Weather Attribution untersuchte die stärksten Tagesniederschläge im Winterhalbjahr von Oktober bis März. Im Mittelpunkt standen zwei Regionen: Nordportugal und Nordwestspanien sowie Südportugal, Südwestspanien und Nordmarokko.

Das Ergebnis fällt deutlich aus. Seit 1950 nahm die Intensität der extremsten Regentage in der südlichen Region um rund 36 Prozent zu. In der nördlichen Region lag der Anstieg bei etwa 29 Prozent. Die Analyse verknüpft Beobachtungsdaten mit Klimamodellen und bewertet, wie sich menschlich verursachte Erwärmung auf solche Ereignisse auswirkt.

Friederike Otto vom Imperial College London ordnet die Entwicklung klar ein. „Das ist exakt, wie der Klimawandel sich zeigt: Wetterlagen, die früher handhabbar waren, verwandeln sich in gefährliche Katastrophen.“

Milliardenhilfen nach massiven Schäden

Die Zahlen aus den betroffenen Ländern unterstreichen die Dimension der Entwicklung:

  • Spanien: Mehr als 12.400 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Rund 115.000 waren in 19 Gemeinden der Sierra de Cádiz betroffen. Die Zentralregierung sagte über 7 Milliarden Euro Hilfen zu, Andalusien weitere 1,78 Milliarden Euro.
  • Portugal: Sechs Todesopfer während Sturm „Kristin“. Windgeschwindigkeiten bis 202 km/h. Rund eine Million Menschen zeitweise ohne Strom. Wiederaufbaupaket von 3,5 Milliarden Euro.
  • Marokko: 43 Todesopfer, etwa 300.000 Vertriebene und rund 110.000 beschädigte oder überflutete Häuser. Ein Hilfsprogramm in Höhe von 280 Millionen Euro läuft an.

Insgesamt kamen rund 50 Menschen ums Leben. Hunderttausende mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen.

Besonders gravierend wirkte der Regen. Neun benannte Stürme zogen seit Mitte Januar über das westliche Mittelmeer. Während starke Winde Schäden anrichteten, verursachten die begleitenden Starkniederschläge großflächige Überschwemmungen. Gesättigte Böden verstärkten den Effekt zusätzlich.

Lokal ein Jahrhundertregen

Auf regionaler Ebene entspricht ein solches Ereignis im Süden statistisch etwa einem 40-Jahres-Ereignis. Im Norden liegt die Wiederkehrzeit bei rund fünf Jahren. Lokal jedoch erreichten die Regenmengen Werte, die seltener als einmal in 100 Jahren auftreten.

In Grazalema in Andalusien fiel innerhalb weniger Tage mehr Niederschlag als normalerweise in einem gesamten Jahr. Solche Spitzenwerte entstehen, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Steigt die Temperatur, erhöht sich die Menge an Wasserdampf in der Atmosphäre. Das verstärkt die Intensität von Starkregen.

Die Analyse berücksichtigt zudem großräumige Wetterlagen. Eine typische Druckverteilung über dem Nordatlantik begünstigte Anfang Februar 2026 kräftige Niederschläge in Nord- und Nordwesteuropa. Die Forscher fanden jedoch keinen klaren Trend bei dieser Zirkulationsform. Entscheidend war vor allem die hohe Feuchte in der Atmosphäre.

Modelle zeigen Trend – mit Unsicherheiten

Klimamodelle bestätigen im Norden einen Intensitätsanstieg von etwa 11 Prozent. Für die südliche Region fallen die Modellresultate weniger eindeutig aus. Die Autoren sprechen selbst von „hoher Unsicherheit“, besonders im Süden. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass die stärksten Regenereignisse intensiver werden.

Gleichzeitig zeigen die Ereignisse, wie wichtig Frühwarnsysteme sind. In allen drei Ländern warnten Behörden rechtzeitig. Evakuierungen verliefen geordnet. Das begrenzte die Opferzahl trotz massiver Schäden.

Die Studie empfiehlt, Risikoanalysen regelmäßig zu aktualisieren und Bebauung in Überschwemmungsgebieten stärker zu berücksichtigen. Küstenorte mit dichter Bebauung und touristischer Infrastruktur erwiesen sich als besonders anfällig. In Nordmarokko verschärften soziale Faktoren die Lage zusätzlich.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Analyse der Initiative World Weather Attribution zeigt: Im heutigen, um rund 1,3 Grad erwärmten Klima sind die stärksten Regenereignisse in Südwesteuropa regional um bis zu 36 Prozent intensiver als ohne menschengemachte Erwärmung.
  • Seit 1950 nahm die Intensität extremer Tagesniederschläge im Süden der untersuchten Region um etwa 36 Prozent und im Norden um rund 29 Prozent zu; lokal entsprachen die Regenmengen teils Ereignissen, die seltener als einmal in 100 Jahren auftreten.
  • Die Folgen der jüngsten Unwetter in Spanien, Portugal und Marokko waren gravierend: rund 50 Todesopfer, Hunderttausende Betroffene und staatliche Hilfspakete in Milliardenhöhe.

Übrigens: Der Klimawandel verstärkt nicht nur Unwetter – er verschiebt auch den grünen Schwerpunkt der Erde messbar nach Norden, seit 1983 teils um bis zu 14 Kilometer pro Jahr. Satellitendaten belegen die langfristige Drift der globalen Vegetation – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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