Wenn Antibiotika nicht mehr wirken: Forscher schicken Viren auf die Jagd nach Superkeimen

Antibiotika scheitern immer häufiger an Superkeimen. Jetzt setzen Forscher gezielt Viren als Waffe gegen tödliche Bakterien ein.

Bakteriophagen jagen Superkeime

PhARIS kann hilfreiche Bakteriophagen identifizieren. © Dr. Johannes Richers und Dr. Christoph Kuehne (Jo Richers Studio), im Auftrag der Universität Tübingen/CMFI

Antibiotika wirken nicht mehr gegen alle Bakterien – das ist ein wachsendes Problem. Besonders multiresistente Keime wie der gefährliche Krankenhauskeim Staphylococcus aureus können schwere Infektionen verursachen, gegen die herkömmliche Medikamente machtlos sind. Forscher der Universität Tübingen haben nun ein Werkzeug entwickelt, das gezielt Viren findet, die solche Bakterien angreifen und zerstören können. Diese Viren, sogenannte Bakteriophagen oder kurz Phagen, gelten als vielversprechende Alternative zu Antibiotika.

Warum Phagen gegen Bakterien helfen können

Bakteriophagen sind natürliche Feinde von Bakterien. Sie infizieren die Zellen, vermehren sich darin und bringen die Bakterien schließlich zum Platzen. Dabei sind sie hochspezifisch: Jede Phage greift nur bestimmte Bakterien an. Das macht sie zu einer präzisen Waffe gegen Infektionen, während Antibiotika oft auch nützliche Bakterien im Körper abtöten.

Ein Problem gibt es allerdings: Die richtige Kombination aus Phage und Bakterium zu finden, ist aufwendig. Nicht jeder Phage wirkt gegen jeden Erreger. Hier setzt das neue Werkzeug der Universität Tübingen an.

Neues System erleichtert die Auswahl passender Phagen

Das Phage Aureus RBP Identification System (PhARIS) analysiert das Erbgut von Phagen und erkennt anhand spezieller Proteine, ob ein bestimmter Phage Staphylococcus aureus angreifen kann. Das spart Zeit und erleichtert die Entwicklung neuer Therapien. „Mit PhARIS können wir gezielt die passenden Phagen für eine Infektion identifizieren“, erklärt Janes Krusche, Erstautor der Studie.

Gerade bei Krankenhausinfektionen, die durch Implantate oder Wunden entstehen, könnte das System die Behandlungsmöglichkeiten verbessern. Die Universität Tübingen arbeitet bereits daran, PhARIS weiterzuentwickeln, damit es auch für andere Bakterien genutzt werden kann.

Phagentherapie als Alternative zu Antibiotika?

Professorin Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, betont die Bedeutung dieser Forschung:

PhARIS könnte die Auswahl der richtigen Phagen beschleunigen und so eine gezielte Behandlung ermöglichen.

Professorin Karla Pollmann

Das Ziel der Forscher ist es, Phagen in Laboren als Standardwerkzeug für Infektionen zu etablieren.

Da Antibiotika-Resistenzen immer häufiger werden, könnten Phagen in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung bakterieller Infektionen spielen. Die Universität Tübingen liefert mit ihrer Forschung einen wichtigen Beitrag dazu.

Kurz zusammengefasst:

  • Forscher der Universität Tübingen haben ein Werkzeug entwickelt, das gezielt Viren (Bakteriophagen) identifiziert, die gefährliche Bakterien wie Staphylococcus aureus zerstören können.
  • Das System PhARIS analysiert das Erbgut von Phagen und hilft, passende Viren für eine Infektion zu finden, wodurch neue Behandlungsmöglichkeiten schneller entwickelt werden können.
  • Da Antibiotika-Resistenzen zunehmen, könnte die Phagentherapie eine entscheidende Alternative zur Bekämpfung bakterieller Infektionen werden.

Bild: © Dr. Johannes Richers und Dr. Christoph Kuehne (Jo Richers Studio), im Auftrag der Universität Tübingen/CMFI

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