Grönland erlebt Waldbrände bereits im Juni – Forscher sind alarmiert
Grönland erlebt ungewöhnlich frühe Waldbrände. Forscher verweisen auf trockene Tundra, wenig Regen und steigende Feuergefahr in der Arktis.
Im August 2019 brannte es in der Qeqqata-Kommune auf Grönland. Neue Feuer im Juni zeigen nun, wie früh solche Brände inzwischen möglich sind. © Wikimedia
In Grönland brannte es Mitte Juni gleich zweimal innerhalb weniger Tage. Erst loderten Feuer nahe Sisimiut, der zweitgrößten Stadt der Insel. Kurz darauf meldete die Gemeinde Kujalleq im Süden einen weiteren Brand. Für eine Region, die viele vor allem mit Eis, Gletschern und Kälte verbinden, sind solche Bilder ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter ist der Zeitpunkt: Die Brände kamen schon früh im Sommer.
Laut Guardian brannten am 14. und 15. Juni Flächen nahe Sisimiut. Am 17. Juni folgte ein weiterer Brand in Kujalleq. Zwar bedeckt Eis den größten Teil Grönlands. Doch entlang der Küsten liegen eisfreie Gebiete mit Tundra, Vegetation und teils torfigen Böden. Wenn diese Landschaften warm und trocken genug werden, können sie brennen.
Warum Waldbrände in der Arktis plötzlich so früh kommen
„Vegetationsbrände in hohen nördlichen Breiten sind eher im Juli und August üblich“, sagt Mark Parrington vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service dem Guardian. Sonja Diaz von der Universität Helsinki arbeitete nach einem großen Feuer 2019 in Grönland im Gelände. Sie nennt die frühe Entwicklung zwar nicht unmöglich. Trotzdem wirke es „ziemlich wild“, die Insel so früh im Jahr brennen zu sehen.
In Sisimiut ging der örtliche Einsatzleiter laut Guardian von fahrlässigem Umgang mit Feuer aus. Die Wetterbedingungen verschärften die Lage: Im Winter sei wenig Schnee gefallen, danach sei auch der Regen ausgeblieben. Die Böden seien entsprechend trocken gewesen. In Kujalleq stand der Auslöser zunächst noch nicht fest.
Laut Guardian waren die Wetterbedingungen in der Region in diesem Jahr jedoch ungewöhnlich trocken. Seit Mai habe es keinen nennenswerten Regen gegeben. Dadurch sei die Vegetation sehr trocken und leicht entzündlich gewesen.
Trockene Tundra brennt besonders leicht
Feuer braucht einen Auslöser. Doch ob daraus ein größerer Brand wird, hängt stark von Boden, Pflanzen, Wind und Luftfeuchte ab. Nasskalte Tundra brennt schlecht. Ausgetrocknete Tundra kann sich dagegen entzünden und Feuer weitergeben.
Die Universität Hamburg verweist auf eine größere Entwicklung in der Arktis. Lukas Fiedler vom Earth and Society Research Hub untersuchte mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie die extremen Feuerjahre 2019, 2020 und 2021. Die Studie erschien im Fachjournal Environmental Research Letters. Nördlich des 60. Breitengrads brannte in diesen drei Jahren mehr Fläche als im gesamten Jahrzehnt von 1990 bis 2000.

Uni Hamburg beziffert das Risiko drastisch
Beim sogenannten Feuerwetter fällt der menschliche Einfluss besonders ins Gewicht. Gemeint sind Bedingungen, unter denen Brände leichter entstehen und sich schneller ausbreiten können. Dazu gehören Temperatur, Luftfeuchte, Wind und Niederschlag. Fiedlers Team verglich Klimasimulationen mit menschlichem Einfluss und eine Modellwelt ohne diesen Einfluss.
Für 2020 und 2021 lag der menschliche Beitrag beim extremen Feuerwetter nahezu bei hundert Prozent. „Ein Ereignis wie 2021 wird durch den menschengemachten Klimawandel 235-mal wahrscheinlicher“, sagt Fiedler laut Universität Hamburg. Danach fügt er hinzu: „Die Eindeutigkeit dieser Zahlen hat mich selbst überrascht.“
Hitze und trockene Luft erhöhen die Gefahr
Fehlender Regen allein erklärt die Entwicklung nicht. Die Hamburger Forscher nennen vor allem höhere Temperaturen und trockenere Luft als entscheidende Faktoren. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Dadurch trocknen Pflanzen, Moose und Böden schneller aus. Aus Landschaften, die lange als zu kalt und zu feucht galten, wird häufiger brennbares Gelände.
Bei der Frage, wie groß ein Brand am Ende wird, ist die Lage komplizierter. Entscheidend ist nicht nur das Wetter. Es zählt auch, wo ein Feuer entsteht, welche Pflanzen dort wachsen, wie trocken der Boden ist und wie schnell Einsatzkräfte reagieren. Der Klimawandel legt also nicht jedes Feuer direkt fest. Er schafft aber häufiger Bedingungen, unter denen sich ein kleiner Brand ausbreiten kann.
Warum Torfböden in Grönland so gefährlich brennen
An Grönlands Küsten brennen keine dichten Wälder wie in Kanada oder Sibirien. Dort liegen eisfreie Flächen mit Tundra, niedriger Vegetation und teils torfigen Böden. Wenn diese Böden austrocknen, kann Feuer tief in die Landschaft greifen.
Gerade Torf verschärft das Problem. In arktischen Böden lagert Kohlenstoff, der dort lange gebunden war. Sonja Diaz’ Forschung deutet laut Guardian darauf hin, dass bei solchen Bränden pro Quadratmeter deutlich mehr Kohlenstoff freiwerden kann als bisher für andere Tundrabrände berichtet. Ein Teil dieses Kohlenstoffs lag demnach Hunderte bis Tausende Jahre im Boden.
Wenn die Arktis brennt, entweicht uralter Kohlenstoff
Die Arktis galt lange als gewaltiger Kohlenstoffspeicher. Pflanzen, Böden und Permafrost banden über lange Zeit mehr CO₂, als sie abgaben. Jüngste Rekordbrände in Sibirien und Kanada setzten laut Universität Hamburg aber bereits mehr als eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff frei. Das entspricht ungefähr den Jahresemissionen eines großen Industriestaats.
Lucas Diaz, Umweltingenieur an der Vrije Universiteit Amsterdam, beschreibt den Wandel im Guardian so: „Das allgemeine Bild, das Menschen von Grönland haben, ist das Land aus Eis – und das stimmt, der größte Teil Grönlands ist von Eis bedeckt. Aber es gibt eisfreie Regionen mit Tundra. Sie können entzündet werden und brennen.“ Nicht jedes Jahr bringt mehr Feuer. Doch die Bedingungen für eine feueranfällige Landschaft nehmen zu.
Kurz zusammengefasst:
- In Grönland brannte es Mitte Juni innerhalb weniger Tage zweimal – ungewöhnlich früh, weil Vegetationsbrände in hohen nördlichen Breiten meist erst im Juli oder August auftreten.
- Die Brände entstanden in eisfreien Küstenregionen mit Tundra, niedriger Vegetation und teils torfigen Böden, die nach wenig Schnee und kaum Regen besonders trocken waren.
- Laut Universität Hamburg macht der menschengemachte Klimawandel extremes Feuerwetter in der Arktis deutlich wahrscheinlicher, weil Hitze und trockene Luft Pflanzen, Moose und Böden schneller austrocknen lassen.
Übrigens: Während Brände in Grönlands Tundra alten Kohlenstoff freisetzen können, lagern in arktischen Flussdeltas noch viel größere Vorräte im gefrorenen Boden. Wenn der Permafrost dort taut, könnten Mikroben jahrtausendealte Pflanzenreste zersetzen und zusätzliches CO₂ sowie Methan freisetzen – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Contains modified Copernicus Sentinel data 2019, Pierre Markuse via Wikimedia unter CC BY 2.0
