9,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt: Pluto-Sonde New Horizons erwacht nach 321 Tagen aus dem Winterschlaf

Die NASA-Sonde New Horizons ist nach 321 Tagen wieder aktiv. In 9,5 Milliarden Kilometern Entfernung sammelt sie Daten im Kuipergürtel.

Unerwartet viel Staub weit draußen im Sonnensystem: Die Messungen von New Horizons nähren den Verdacht, dass der Kuipergürtel größer sein könnte als bisher angenommen. © Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute via Wikimedia Commons unter Public domain

Unerwartet viel Staub weit draußen im Sonnensystem: Die Messungen von New Horizons nähren den Verdacht, dass der Kuipergürtel größer sein könnte als bisher angenommen. © Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute via Wikimedia unter Public domain

Mehr als 20 Jahre nach ihrem Start liefert die NASA-Sonde New Horizons noch immer Daten aus einer Region, die zu den am wenigsten erforschten Gebieten unseres Sonnensystems gehört. Nun ist sie nach 321 Tagen im energiesparenden Ruhemodus wieder vollständig aktiv. Rund 9,5 Milliarden Kilometer trennen die Sonde inzwischen von der Erde. Ihre Messungen könnten neue Hinweise darauf liefern, wie weit sich der Kuipergürtel tatsächlich erstreckt und was jenseits seiner bisher bekannten Grenzen liegt.

Nach Angaben der NASA wurde New Horizons am 23. Juni 2026 planmäßig aktiv. Die entsprechenden Befehle hatte das Missionsteam bereits im Juli 2025 im Bordcomputer hinterlegt. Bis die Bestätigung auf der Erde eintraf, vergingen 8 Stunden und 52 Minuten. So lange brauchte das Funksignal bis zu einer Bodenstation des Deep Space Network nahe Madrid. Von dort gelangte es zum Kontrollzentrum des Johns Hopkins Applied Physics Laboratory im US-Bundesstaat Maryland.

New Horizons meldet sich nach 321 Tagen wieder zurück

Die lange Ruhephase begann am 7. August 2025. Solche Winterschlaf-Phasen gehören seit Jahren zum Betrieb der Sonde. Sie sparen Ressourcen und verringern den Aufwand während langer Flugstrecken, auf denen keine größeren Manöver anstehen. Ganz abgeschaltet war New Horizons allerdings nicht. Mehrere wissenschaftliche Instrumente arbeiteten weiter und speicherten ihre Messwerte an Bord.

Dazu gehören Sensoren für den Sonnenwind und energiereiche Teilchen sowie der Venetia Burney Student Dust Counter, der Staubteilchen im All registriert. Einmal pro Woche schickte die Sonde außerdem ein kurzes Statussignal zur Erde. „Jeder Statusbericht während dieser Ruhephase war ‚grün‘, das heißt, an Bord von New Horizons war Woche für Woche alles in Ordnung“, sagt Missionsmanagerin Alice Bowman laut NASA.

New Horizons sammelte selbst im Schlaf weiter Messdaten

Nach dem Aufwachen überträgt die Sonde zunächst Informationen über ihren technischen Zustand. Anschließend folgen die wissenschaftlichen Daten, die sich während der 321 Tage angesammelt haben. In den kommenden Wochen stehen außerdem Kontrollen der Instrumente an. Das Ultraviolett-Spektrometer Alice soll die Verteilung von Wasserstoffgas in der äußeren Heliosphäre untersuchen.

Auch die übrigen Instrumente setzen ihre Messungen fort. Dabei geht es unter anderem um:

  • Sonnenwind und elektrisch geladene Teilchen in großer Entfernung zur Sonne
  • galaktische kosmische Strahlung, die aus dem interstellaren Raum eindringt
  • Staubteilchen weit außerhalb der Planetenbahnen
  • Eigenschaften kleiner Himmelskörper im Kuipergürtel

Vor allem die Staubmessungen sorgen für offene Fragen. New Horizons ist inzwischen weit über die Region hinausgeflogen, in der die meisten bekannten Objekte des Kuipergürtels liegen. Trotzdem registriert die Sonde weiterhin überraschend viel Staub. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf Pontus Brandt, Projektwissenschaftler der New-Horizons-Mission am Johns Hopkins Applied Physics Laboratory.

Unerwarteter Staub könnte den Kuipergürtel größer machen

„Der Kuipergürtel könnte einfach viel ausgedehnter sein, als wir bisher gedacht haben“, sagt Brandt gegenüber CNN. Der ferne Bereich hinter der Neptunbahn enthält zahlreiche kleine, eisige und felsige Körper. Sie gelten als Überreste aus der frühen Entstehungszeit des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren.

Zu diesen Objekten gehört auch Pluto. New Horizons flog im Juli 2015 als erste Raumsonde dicht an dem Zwergplaneten und seinen Monden vorbei. Die Aufnahmen zeigten eine überraschend abwechslungsreiche Oberfläche mit Bergen, Ebenen und großen Eisflächen. Vier Jahre später erreichte die Sonde Arrokoth, ein kleines Objekt im Kuipergürtel, dessen Form an einen Schneemann erinnert.

Solche Körper können Hinweise darauf liefern, wie sich aus Staub und kleinen Brocken größere Himmelskörper entwickelten. New Horizons untersucht deshalb unter anderem ihre Formen, Drehbewegungen und räumliche Ausrichtung. Nach Brandts Einschätzung könnten miteinander verbundene Doppelobjekte wie Arrokoth häufiger sein als lange angenommen.

New Horizons blickt weit über Pluto hinaus

„Ich habe das Gefühl, dass wir gerade erst an der Oberfläche dessen gekratzt haben, wie das gesamte Sonnensystem wirklich aussieht“, so Brandt. Nach seiner Einschätzung könnten dort draußen noch Hunderte bislang unerforschte Zwergplaneten und Tausende kleinere Objekte existieren.

Auch die Heliosphäre gehört zum Forschungsgebiet der Mission. Diese riesige Blase entsteht durch den Sonnenwind und umgibt das Sonnensystem. Sie hält einen großen Teil der energiereichen kosmischen Strahlung fern, die aus anderen Bereichen der Milchstraße kommt. New Horizons kann diese Umgebung aus einer Entfernung vermessen, die nur wenige Raumsonden erreicht haben.

Die derzeitige Verlängerung der Mission läuft bis 2029. Bleibt die Sonde technisch funktionsfähig und liefern ihre Instrumente weiterhin wissenschaftlich nutzbare Daten, könnte New Horizons auch danach weiterarbeiten. Ihre Flugbahn führt sie immer weiter vom Sonnensystem hinaus. Langfristig könnte sie wie die Voyager-Sonden die Heliosphäre verlassen und in den interstellaren Raum eintreten.

Kurz zusammengefasst:

  • New Horizons ist nach 321 Tagen im Winterschlaf wieder aktiv und sendet aus rund 9,5 Milliarden Kilometern Entfernung neue Messdaten zur Erde.
  • Die Sonde registriert weiterhin überraschend viel Staub, obwohl sie die bekannte Region des Kuipergürtels bereits weitgehend hinter sich gelassen hat.
  • Die NASA-Mission untersucht außerdem Sonnenwind, kosmische Strahlung und ferne Himmelskörper und könnte bei guter Technik auch nach 2029 weiterarbeiten.

Übrigens: Während New Horizons den fernen Rand unseres Sonnensystems erkundet, ist mit Europa Clipper eine weitere NASA-Sonde unterwegs, die unter der Eiskruste des Jupitermonds Europa nach möglichen Bedingungen für Leben sucht. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute via Wikimedia unter Public domain

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