Erfolg im All: Chinas Chang’e-6 landet mit Mondproben auf der Erde
Die chinesische Mondsonde „Chang’e-6“ ist erfolgreich auf der Erde gelandet und hat zum ersten Mal Proben von der Rückseite des Mondes mitgebracht.

Der Staatssender CGTN übertrug die Landung von Chang'e-6 live. © Screenshot CGTN
Die chinesische Mondsonde „Chang’e-6“ ist sicher auf der Erde gelandet. Sie brachte Gesteinsproben von der Rückseite des Mondes mit. Die Mission gilt als großer Erfolg und schrieb bereits vor der Landung Raumfahrtgeschichte. Es war das erste Mal, dass China Proben von der erdabgewandten Seite des Mondes entnahm.
China hofft, durch die Analyse der Proben neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Mondrückseite zu gewinnen. Diese Seite des Mondes ist von der Erde aus nicht sichtbar, da uns der Mond durch seine gebundene Rotation immer dieselbe Seite zeigt.
Erfolgreiche Mission
Die sechs Apollo-Missionen der 1960er- und 1970er-Jahre brachten nur Proben von der Vorderseite des Mondes zurück. Raumfahrtexperte Paolo Ferri erklärt: „Der größte Unterschied zwischen den beiden Mondseiten ist, dass auf der Vorderseite des Mondes mehr vulkanische Lava auf der Oberfläche ist.“ Diese habe die alte Oberfläche abgedeckt, sodass die Proben von der Rückseite älter und geologisch spannender seien. Vermutlich habe die Schwerkraft der Erde mehr vulkanische Aktivität auf der Vorderseite ausgelöst.
An Bord der „Chang’e-6“-Sonde befand sich auch ein Instrument der Europäischen Weltraumagentur (ESA). Dieses Instrument wies erstmals negative Ionen auf dem Mond nach. Ferri betonte die Bedeutung dieses Fundes: „Die geladenen Teilchen des Sonnenwinds treffen direkt auf die Mondoberfläche, interagieren mit ihr und produzieren positive und negative Ionen.“ Diese Ionen seien entscheidend für das Verständnis der Mondoberfläche.
Zusammenarbeit mit der ESA
Die weitere Zusammenarbeit der ESA mit China bei zukünftigen Missionen ist jedoch ungewiss. Die ESA äußerte sich laut Tagesschau zurückhaltend: „Derzeit gibt es noch keine Entscheidungen über die Fortsetzung der Zusammenarbeit bei ‚Chang’e-7‘ und -8.“
Ein Grund dafür könnte die geplante bemannte Mondmission sowohl von China als auch den USA sein. Die ESA spielt eine bedeutende Rolle im „Artemis“-Mondprogramm der USA: Ein wichtiges Modul des „Orion“-Raumschiffs, das in Bremen bei Airbus gebaut wird, kommt aus Europa.
Das Artemis-Programm der NASA plant, erneut Menschen auf den Mond zu bringen. Zusammen mit internationalen Partnern soll ein dauerhaftes Basislager auf dem Mond errichtet werden. Laut dem dlr wurde die unbemannte „Orion“-Kapsel der NASA-Mondmission „Artemis I“ bereits 2022 erfolgreich getestet. Artemis II wird eine vierköpfige Besatzung an Bord haben und den Mond umrunden. Mit Artemis III sollen schließlich erneut Menschen auf dem Mond landen.
Wettbewerb im All
Ehemaliger Astronaut Ulrich Walter vermutet, dass die USA einer weiteren Zusammenarbeit der ESA mit China skeptisch gegenüberstehen könnten. Chinas Mondprogramm besteht aus vier Phasen. Die „Chang’e-6“-Mission war das Ende der dritten Phase, die nächsten beiden Missionen sind Vorbereitungen für eine bemannte Mondlandung der Chinesen. Damit stehen die USA und China im Wettbewerb um bemannte Mondmissionen.
Die USA haben die „Artemis Accords“ ins Leben gerufen, die rechtliche Details bei der Erkundung des Mondes regeln. Deutschland hat diese Verträge im September letzten Jahres (2023) unterzeichnet. Die Slowakei folgte kürzlich als 42. Land. China hingegen arbeitet mit Ländern wie Brasilien, Aserbaidschan, Pakistan und Saudi-Arabien zusammen.
Technologische Entwicklung
Auch Russland kooperiert mit China, doch Raumfahrtexperte Ferri meint, China habe Russland längst überholt. „Heute gibt es zwei Großmächte im Weltraum, und das sind nicht mehr Russland oder damals die Sowjetunion und die USA, sondern die USA und China.“ Walter ergänzt: „Die chinesische Technologie baut auf russischer Technologie der 1970er-Jahre auf, ist aber inzwischen weit fortgeschritten.“ China habe die russische Technologie so weiterentwickelt, dass sie heutzutage nichts mehr mit der russischen Technologie zu tun habe.
Nach derzeitigen Planungen wollen die USA vor den Chinesen Astronauten auf den Mond bringen. Die „Artemis III“-Mission ist für September 2026 geplant, die chinesische Mission frühestens für 2029. Für die USA sei der Mond ein Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars. Sie wollen auf dem Mond lernen, wie man im Weltraum lebt und arbeitet.
Übrigens: Hier gehts zur Live-Übertragung der Landung von Chang’e-6.
Was du dir merken solltest:
- Die chinesische Mondsonde „Chang’e-6“ ist erfolgreich auf der Erde gelandet und hat erstmals Proben von der Rückseite des Mondes zur Erde gebracht – ein bedeutender Meilenstein in der Raumfahrt.
- Die Analyse der Proben soll neue Erkenntnisse über die geologische Beschaffenheit der Mondrückseite liefern. Die ersten Apollo-Missionen hatten nur Proben von der Vorderseite des Mondes entnommen.
- Die zukünftige Zusammenarbeit der ESA mit China bei Mondmissionen ist unsicher, da die ESA auch eine wichtige Rolle im US-amerikanischen „Artemis“-Mondprogramm spielt und ein Wettbewerb zwischen den USA und China um bemannte Mondmissionen besteht.
Bild: © Screenshot von CGTN via YouTube