Nach einer Depression bleibt der Körper verändert – ein schwächerer Händedruck verrät es
Die Handkraft erholt sich nach einer Depression häufig nicht vollständig. Ein einfacher Griff-Test macht langfristige Folgen sichtbar.
Die Handgriffstärke liefert Hinweise auf die körperliche Leistungsfähigkeit und kann auch bei Depressionen wichtige Veränderungen sichtbar machen. © Pexels
Ein kurzer Händedruck kann Ärzten viel verraten. Denn die gemessene Handkraft gilt als einfacher Hinweis auf die körperliche Verfassung. Neue Daten legen nun nahe, dass sie auch etwas über die Folgen einer Depression aussagen kann. Selbst nach überstandener Erkrankung bleibt die Kraft oft vermindert.
Darauf weist eine Studie hin, die in JAMA Psychiatry erschienen ist. Beteiligt war auch das Universitätsklinikum Würzburg. Untersucht wurden 533 Erwachsene. Darunter waren gesunde Personen, Menschen mit Schizophrenie, Menschen mit akuter Depression und Personen, die eine Depression bereits überstanden hatten.
Handkraft bleibt nach Depression auffällig niedrig
Gesunde Teilnehmende erreichten im Schnitt 30,7 Kilogramm Handkraft. Bei akuter Depression lag der Wert bei 23,7 Kilogramm. Nach überstandener Depression waren es 24,5 Kilogramm. Besonders auffällig ist der direkte Vergleich dieser beiden Gruppen. Die Handkraft war fast gleich niedrig.
Dieser Punkt macht die Untersuchung so brisant. Viele würden erwarten, dass sich der Körper nach dem Ende einer depressiven Phase wieder erholt. Doch das war hier nicht zu sehen. Prof. Sebastian Walther sagt dazu: „Das hat uns sehr überrascht.“ Und weiter: „Wir hatten erwartet, dass Menschen mit einer überstandenen Depression wieder eine normale Handkraft aufweisen.“
Die Forscher maßen die Kraft mit einem elektronischen Gerät. Entscheidend war der Durchschnitt mehrerer Versuche. Analysiert wurde die dominante Hand. So konnten die Werte der verschiedenen Gruppen direkt verglichen werden.
Nach einer Depression bleibt der Körper oft geschwächt
Schon länger war bekannt, dass Menschen mit Depression oder Schizophrenie oft weniger Handkraft haben als Gesunde. Neu ist vor allem, dass dieser Unterschied nach einer Depression bestehen bleibt. Die psychische Krise kann also abklingen, während sich der Körper noch nicht vollständig erholt hat.
Walther bewertet das als beunruhigend. Denn die Handkraft gilt seit Jahren als verlässlicher Marker für Fitness und Gesundheit. Ein niedriger Wert kann auf verminderte Muskelkraft hindeuten. Er kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass Bewegungssteuerung und Motivation beeinträchtigt bleiben.
Das ist wichtig, weil beides für den Alltag zählt. Wer sich weniger bewegt, baut oft schneller körperlich ab. Gleichzeitig kann eine gestörte Bewegungssteuerung bedeuten, dass nicht nur Muskeln betroffen sind, sondern auch die Abstimmung zwischen Gehirn und Körper.
„Weitere Studien müssen nun klären, ob eine niedrige Handkraft trotz überstandener Depression auf ein echtes Defizit in der Fitness oder lediglich auf fehlende motorische Kontrolle zurückzuführen ist“, so der Psychiater.
Geringe Handkraft verändert die Behandlung
Für die Behandlung macht das einen großen Unterschied. Geht es vor allem um fehlende Fitness, könnten gezielte körperliche Programme helfen. Geht es eher um eine veränderte Steuerung von Bewegungen, wären Koordinationstraining oder physiotherapeutische Ansätze womöglich sinnvoller.
Die Forscher verweisen außerdem auf ein ähnliches Muster aus einer früheren Meta-Analyse. Demnach bewegen sich Menschen auch nach einer depressiven Episode oft deutlich weniger als gesunde Vergleichspersonen. Das passt zu dem neuen Befund und stützt den Verdacht, dass eine Depression länger körperlich nachwirkt.
Schizophrenie schnitt besser ab als Depression
Menschen mit Schizophrenie lagen mit ihrer Handkraft zwar ebenfalls unter den gesunden Kontrollen, schnitten aber besser ab als beide Depressionsgruppen. Im Schnitt erreichten sie 29,4 Kilogramm und damit deutlich mehr als Personen mit aktueller oder überstandener Depression.
Auch innerhalb der Schizophrenie-Gruppe fanden die Forscher einen Zusammenhang. Je stärker fehlende Motivation ausgeprägt war, desto geringer war oft die Handkraft. Das spricht dafür, dass hinter dem Wert mehr steckt als reine Muskelmasse. Auch Antrieb und motorische Prozesse scheinen eine Rolle zu spielen.
Die Handkraft lässt sich schnell und ohne großen Aufwand messen. Deshalb könnte sie in Zukunft noch wichtiger werden, wenn es darum geht, körperliche Folgen psychischer Erkrankungen besser zu erkennen. Noch ersetzt dieser Wert keine Diagnose. Aber er kann helfen, Risiken genauer einzuordnen und den Verlauf einer Erkrankung besser zu verstehen.
Kurz zusammengefasst:
- Eine Depression kann den Körper länger beeinflussen als gedacht: Die Handkraft bleibt auch nach der Erkrankung messbar vermindert.
- Gesunde erreichen im Schnitt etwa 30,7 kg, Betroffene mit aktueller oder überstandener Depression nur rund 24 kg.
- Die Handkraft gilt als einfacher Gesundheitsmarker und kann Hinweise auf Fitness, Motorik und mögliche Langzeitfolgen liefern.
Übrigens: Während ein Händedruck zeigen kann, wie stark Depression den Körper verändert, deutet neue Forschung auf eine weitere Spur hin – tief im Darm. Dauerstress schwächt offenbar die Schutzbarriere im Verdauungstrakt und könnte so Entzündungen fördern, die depressive Beschwerden verstärken. Mehr dazu in unserem Artikel.
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