Herzinfarkt-Risiko steigt bei Männern schon ab Mitte 30 – Jahre vor Frauen

Bei Männern und Frauen ist das Herzrisiko bis etwa Mitte 30 ähnlich – danach steigt es bei Männern deutlich schneller an.

Das Herzrisiko steigt bei Männern ab etwa 35 deutlich an. Haupttreiber ist die koronare Herzkrankheit – lange ohne Symptome.

Viele Vorsorgeprogramme setzen erst ab 40 an, obwohl sich das Herzrisiko bei Männern bereits Jahre früher verändert. © Freepik

Bis etwa Mitte 30 verläuft das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern und Frauen nahezu gleich. Dann ändert sich das Muster deutlich. Bei Männern ab 35 zieht die Kurve an. Nicht schleichend, sondern spürbar schneller. Der Haupttreiber ist die koronare Herzkrankheit, also Veränderungen an den Herzkranzgefäßen, die später Infarkte begünstigen.

Diese Entwicklung zeigt sich in Langzeitdaten aus einer großen US-Studie zur Herzgesundheit junger Erwachsener, an der unter anderem die Northwestern University beteiligt war. Die Daten machen sichtbar, wie früh sich Risiken auseinanderentwickeln – lange bevor Beschwerden auftreten oder Vorsorgeprogramme greifen.

Koronare Herzkrankheit prägt das Herzrisiko bei Männern ab 35

Die entscheidende Veränderung betrifft vor allem die koronare Herzkrankheit. Dabei verengen sich die Gefäße, die den Herzmuskel versorgen. Diese Prozesse entwickeln sich über Jahre. Sie verursachen lange keine Beschwerden. Schlaganfälle oder Herzschwäche spielen in diesem Alter kaum eine Rolle. Der frühe Anstieg des Risikos konzentriert sich klar auf die Herzkranzgefäße.

Die zugrunde liegenden Daten stammen aus der CARDIA-Studie. Mehr als 5.000 Frauen und Männer wurden über rund 34 Jahre begleitet. Alle waren zu Beginn zwischen 18 und 30 Jahre alt und galten als gesund. Dadurch lässt sich präzise erkennen, wann sich Risiken erstmals auseinanderentwickeln. Männer erreichen ein messbares Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa sieben Jahre früher als Frauen. Bei der koronaren Herzkrankheit beträgt der Vorsprung sogar gut zehn Jahre.

Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel kommen heute bei Frauen ähnlich häufig vor wie bei Männern. Trotzdem bleibt der Abstand bestehen. Die leitende Autorin Alexa Freedman fasst zusammen: „Unterschiede im Herz-Kreislauf-Risiko treten ab dem 35. Lebensjahr auf und bleiben bis ins mittlere Lebensalter bestehen.“

Klassische Risikofaktoren erklären den Unterschied nur zum Teil

Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder ungünstige Cholesterinprofile tragen zum früheren Krankheitsbeginn bei. Sie erklären ihn jedoch nur teilweise. Selbst wenn diese Faktoren berücksichtigt werden, bleibt das höhere Risiko für Männer bestehen. Das deutet auf weitere Einflüsse hin, etwa hormonelle Unterschiede, chronischen Stress oder soziale Muster im Umgang mit Gesundheit.

Jüngere Männer nutzen Vorsorgeangebote deutlich seltener als Frauen. Zwischen 18 und 44 Jahren gehen Frauen mehr als viermal so häufig zu regelmäßigen Kontrollterminen. Für viele Männer fehlt ein vergleichbarer Anlass. Beschwerden bleiben aus, Termine werden aufgeschoben.

Vorsorge setzt oft zu spät an

Viele Präventionsprogramme setzen erst ab 40 Jahren an. Blutdruckmessungen, Cholesterinchecks oder strukturierte Risikoabschätzungen starten oft spät. Die neuen Daten legen nahe, dass damit ein wichtiges Zeitfenster ungenutzt bleibt. Veränderungen an den Gefäßen entstehen lange vor dem ersten Infarkt. Für den Alltag lassen sich daraus konkrete Punkte ableiten:

  • Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck und Blutzucker schon in den Dreißigern können frühe Hinweise liefern.
  • Anhaltender Stress, wenig Bewegung und ungünstige Ernährung wirken über Jahre und nicht erst im Alter.

Moderne Risikorechner erlauben heute Einschätzungen bereits ab 30 Jahren. Sie helfen, Entwicklungen früh zu erkennen. Das ersetzt keinen Arztbesuch, schärft aber den Blick für langfristige Trends.

Frühe Aufmerksamkeit ergänzt bestehende Strategien

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die häufigste Todesursache. Sie betreffen Frauen und Männer gleichermaßen, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Langzeitdaten machen deutlich, dass sich das Herzrisiko bei Männern ab 35 nicht plötzlich, sondern schrittweise erhöht.

Ihre Ergebnisse sprechen nicht gegen Prävention bei Frauen, so die Forschenden. Auch für sie bleibt Herzgesundheit ein zentrales Thema. Der neue Blick auf das Alter um die Mitte 30 ergänzt jedoch bestehende Strategien. Er verschiebt den Fokus nach vorn, dorthin, wo Veränderungen noch beeinflussbar sind.

„Herzerkrankungen entwickeln sich über Jahrzehnte“, warnt Freedman. „Frühe Risikoeinschätzungen können helfen, langfristige Schäden zu vermeiden.“

Kurz zusammengefasst:

  • Das Herzrisiko steigt bei Männern ab etwa 35 Jahren deutlich schneller als bei Frauen, obwohl beide Geschlechter bis dahin ein ähnliches Ausgangsniveau haben.
  • Haupttreiber ist die koronare Herzkrankheit, die sich bei Männern im Schnitt sieben bis zehn Jahre früher entwickelt und lange ohne Symptome bleibt.
  • Klassische Risikofaktoren erklären den frühen Anstieg nur teilweise, weshalb Vorsorge und Risikoeinschätzung bereits in den Dreißigern sinnvoll sind.

Übrigens: Spät schlafen allein schadet dem Herzen nicht, doch Langzeitdaten zeigen, dass sich bei Abendtypen oft Rauchen, Schlafmangel und unregelmäßiges Essen bündeln – mit messbaren Folgen für Blutdruck, Stoffwechsel und Herzrisiko. Besonders Frauen ab der Lebensmitte sind betroffen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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