Schulbarometer: Jeder vierte Schüler in Deutschland ist stark belastet
Die psychische Belastung von Schülern steigt wieder. Jeder Vierte gilt als stark belastet, Schule und Leistungsdruck verschärfen die Lage.
Das Deutsche Schulbarometer zeigt, wie Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte Schule in Deutschland erleben. Die aktuellen Daten machen deutlich, dass viele Schüler stark belastet sind. © Freepik
Schule prägt den Alltag von Kindern und Jugendlichen so stark wie kaum ein anderer Ort. Umso problematischer ist es, wenn genau dort Druck, Überforderung oder Unsicherheit wachsen. Neue Zahlen aus dem Deutschen Schulbarometer zeigen, dass die psychische Belastung von Schülern in Deutschland wieder steigt.
Bereits jeder vierte gilt als deutlich belastet. Das ist mehr als ein Warnsignal für Familien und Lehrkräfte. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass Schule nicht nur Leistung fordert, sondern das Wohlbefinden von Kindern ganz direkt mitbestimmt.
Schule entscheidet oft über die psychische Belastung bei Schülern
Die Ergebnisse stammen aus dem Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, das gemeinsam mit der Universität Leipzig erhoben wurde. Befragt wurden 1507 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil. Die Zahlen zeigen klar: Schule beeinflusst die mentale Verfassung stärker als oft gedacht. Es geht nicht nur um Noten oder Prüfungen. Vor allem diese Faktoren machen den Unterschied:
- Verhalten und Unterstützung der Lehrkräfte
- ein gutes Klassenklima
- echte Mitbestimmung
- ein Unterricht, der weder überfordert noch unterfordert
„Je unterstützender und wertschätzender Lehrkräfte wahrgenommen werden, desto wohler fühlen sich Schülerinnen und Schüler in der Schule“, schreiben die Forschenden. Viele erleben jedoch das Gegenteil. Leistungsdruck gehört für viele zum Alltag. Fast die Hälfte der Befragten lernt auch am Wochenende. Gleichzeitig berichten viele von Überforderung oder Langeweile im Unterricht. Beides tritt oft parallel auf.

Leistungsdruck und Alltag belasten viele Kinder spürbar
Die Belastung hängt eng mit dem Schulalltag zusammen. Viele Kinder fühlen sich zwischen Anforderungen und Erwartungen eingeengt. Besonders deutlich wird das bei einfachen Kennzahlen:
- 47 Prozent lernen auch am Wochenende
- Mehr als die Hälfte empfindet hohen Leistungsdruck
- Rund ein Drittel erlebt regelmäßig Überforderung
Diese Mischung führt dazu, dass Schule für viele nicht als unterstützender Ort wahrgenommen wird. Stattdessen entsteht das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Auch Prüfungsangst spielt eine Rolle. Einige Kinder berichten von körperlichen Reaktionen wie Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit vor Klassenarbeiten. Solche Symptome verstärken den Stress zusätzlich.
Soziale Unterschiede verschärfen die Lage deutlich
Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Herkunft und Wohlbefinden. Kinder aus einkommensschwachen Familien berichten deutlich häufiger von Problemen. Sie fühlen sich öfter belastet und bewerten ihre Lebensqualität schlechter. „Unsere Ergebnisse zeigen eine weiterhin hohe psychosoziale Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“, heißt es in der Auswertung.
Im Alltag von Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen wirken zusätzlich oft weniger Unterstützung, mehr Unsicherheit und finanzielle Belastungen zusammen. Schule kann diese Unterschiede ausgleichen, tut es aber nicht immer.

Mitbestimmung bleibt selten – dabei wirkt sie direkt
Viele Schüler wünschen sich mehr Einfluss auf ihren Schulalltag. Sie möchten bei Themen, Aufgaben oder Prüfungsformen mitreden. In der Praxis passiert das selten. Ein Großteil fühlt sich kaum beteiligt. Dabei ist der Effekt deutlich. Wer mitentscheiden darf, fühlt sich wohler und sicherer.
Zwischen Wunsch und Realität klafft jedoch eine Lücke. Lehrkräfte schätzen die vorhandenen Möglichkeiten oft anders ein als die Schüler selbst.
Mobbing gehört für viele zum Alltag
Neben Leistungsdruck bleibt Mobbing ein zentrales Problem. Rund ein Drittel der Schüler erlebt regelmäßig Ausgrenzung oder Schikane. Ein Teil ist sogar wöchentlich oder täglich betroffen. Typische Formen sind:
- Auslachen oder Beschimpfen
- Ausgrenzen aus Gruppen
- Verbreiten von Gerüchten
Die Folgen sind gravierend. Betroffene berichten deutlich häufiger von psychischen Problemen. Ihr Wohlbefinden sinkt spürbar. Viele ziehen sich zurück oder verlieren die Motivation für Schule. Positiv fällt auf, dass viele Kinder wissen, an wen sie sich wenden können. Präventionsprogramme zeigen erste Wirkung. Dennoch bleibt Mobbing für viele Realität.
Lehrkräfte und Unterricht bleiben der wichtigste Hebel
Die Daten machen deutlich, wo Veränderungen ansetzen können. Schule selbst bietet die größten Chancen, Belastung zu verringern. Dabei geht es weniger um große Reformen, sondern um konkrete Faktoren im Alltag. Dazu gehören:
- klare und faire Anforderungen
- individuelle Förderung
- respektvolle Kommunikation
- ein positives Klassenklima
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, steigt das Wohlbefinden deutlich. Kinder fühlen sich sicherer und können besser lernen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Viele Schulen stehen unter Druck, Lehrkräftemangel und die hohe Arbeitsbelastung erschweren Verbesserungen. Hier ist die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern.
Kurz zusammengefasst:
- Die psychische Belastung von Schülern steigt laut dem Deutschen Schulbarometer wieder, inzwischen ist etwa jedes vierte Kind betroffen. Schule beeinflusst das Wohlbefinden stärker als lange gedacht.
- Leistungsdruck, Überforderung und Mobbing prägen für viele den Alltag. Besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien tragen ein deutlich höheres Risiko.
- Unterstützung durch Lehrkräfte, ein gutes Klassenklima und echte Mitbestimmung verbessern das Wohlbefinden spürbar und gelten als wichtigste Stellschrauben.
Übrigens: Nicht nur Leistungsdruck kann Kindern in der Schule zusetzen. Auch zu wenig Anspruch bremst das Lernen spürbar, weil Langeweile Aufmerksamkeit, Interesse und Verständnis schwächt. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Freepik
