Trotz Millionen auf dem Konto: Die reichsten Amerikaner sterben früher als die ärmsten Europäer
Selbst Vermögen schützt in den USA nicht vor frühem Tod: Eine Studie zeigt, dass reiche Amerikaner früher sterben als arme Europäer.

Selbst mit Millionen auf dem Konto: In den USA sterben Menschen früher – reiche Amerikaner haben oft schlechtere Chancen als arme Europäer. © Pexels
Es ist ein Ergebnis, das selbst Experten überrascht: Amerikaner sterben früher – selbst dann, wenn sie zu den Reichsten gehören. Eine groß angelegte Studie hat nun belegt, dass Wohlstand allein nicht reicht, um gesund alt zu werden. Besonders bitter: In einigen Fällen haben die wohlhabendsten Amerikaner die gleiche Überlebenschance wie die ärmsten Europäer – etwa in Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden.
Wer also glaubt, Geld könne Leben retten, muss umdenken.
Reiche Amerikaner sterben früher als arme Europäer
Die Daten stammen aus einer Studie der Brown University School of Public Health. Über zehn Jahre hinweg verglichen Forscher die Sterberaten von mehr als 73.000 Menschen zwischen 50 und 85 Jahren – in verschiedenen Vermögensklassen, auf beiden Seiten des Atlantiks.
Das Ergebnis ist eindeutig: Amerikaner starben durchweg früher – egal ob arm oder reich. Und das nicht nur im Vergleich zu Skandinavien oder der Schweiz. Selbst in osteuropäischen Ländern, in denen das Gesundheitssystem oft schlechter ist, lag die Sterblichkeit teils 20 Prozent unter dem US-Niveau.
Europa schützt – auch ohne Reichtum
Besonders drastisch ist der Vergleich mit Westeuropa: Dort lag die Sterberate im Schnitt 30 bis 40 Prozent niedriger. Und das quer durch alle Schichten. In Europa überleben also auch Menschen mit wenig Geld häufiger – während in den USA selbst Wohlhabende früher sterben.
„Wo Sie im Wohlstandsgefüge Ihres Landes stehen, beeinflusst Ihre Lebenserwartung – sowohl innerhalb Ihres Landes als auch im Vergleich zu anderen Ländern“, sagt die Gesundheitsforscherin Sara Machado, die an der Studie mitgearbeitet hat.
Reichtum schützt nicht vor einem schwachen System
Warum ist das so? Die Forscher nennen mehrere Gründe – allen voran die strukturellen Schwächen im amerikanischen Sozialsystem. Anders als in Europa haben viele Menschen dort keinen gesicherten Zugang zu Gesundheitsleistungen, Pflege oder Prävention. Und das wirkt sich auch auf Reiche aus.
„Selbst die reichsten Amerikaner sind nicht vor den systemischen Problemen geschützt, die zu einer geringeren Lebenserwartung führen – wie wirtschaftliche Ungleichheit oder Risikofaktoren wie Stress, Ernährung oder Umweltgefahren“, warnt Studienleiterin Irene Papanicolas.
Lebensstil, Stress, Unsicherheit: eine gefährliche Mischung
Hinzu kommt: Die Lebensweise in den USA erhöht vielerorts das Krankheitsrisiko. Mehr Übergewicht, mehr Fast Food, mehr Stress. Viele Menschen leben unter ständigem Druck, weil Gesundheit, Ausbildung und Absicherung vom Einkommen abhängen. Die Studie zeigt, dass das selbst für die oberen Einkommensschichten gefährlich werden kann.
Besonders problematisch ist, dass arme Amerikaner oft sehr früh sterben – lange bevor sie in Statistiken zu Alter, Vermögen oder Gesundheit überhaupt auftauchen.
Wer früher stirbt, wird statistisch unsichtbar
Dieser sogenannte „Survivor-Effekt“ verzerrt den Blick: Weil viele einkommensschwache Amerikaner gar nicht erst alt werden, erscheint die ältere Bevölkerung in den USA gesünder und reicher, als sie es tatsächlich ist.
„Unserer früheren Arbeit zufolge schrumpft die Vermögensungleichheit in den USA nach dem 65. Lebensjahr scheinbar. Aber das liegt daran, dass die Ärmsten früher und häufiger sterben“, so Papanicolas.
Ursachen gezielt bekämpfen, nicht nur investieren
Für die Studienautoren ist klar: Mehr Geld im Gesundheitssystem reicht nicht aus. Gefragt sind gezielte politische Maßnahmen, die Armut, Bildungsdefizite, Umweltbelastung und ungesunde Lebensweisen in den Blick nehmen – also die Ursachen, nicht nur die Symptome.
„Wenn man andere Länder betrachtet, sieht man bessere Ergebnisse“, sagt Machado. „Das bedeutet: Wir können daraus lernen und es besser machen.“
Kurz zusammengefasst:
- Reiche Amerikaner haben eine geringere Lebenserwartung als arme Europäer – sogar in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden.
- Ursache sind strukturelle Unterschiede: Europa bietet besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung, sozialer Sicherheit und präventiver Betreuung.
- Selbst hoher Wohlstand schützt in den USA nicht vor Gesundheitsrisiken wie Stress, ungesunder Ernährung und fehlender Absicherung im Krankheitsfall.
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