Homeoffice und Büro: Deutschland gestaltet Arbeit neu

Das BMAS hat Empfehlungen zur Arbeit aus dem Homeoffice herausgegeben, um die Work-Life-Balance und flexible Arbeitsmodelle zu fördern.

Homeoffice Arbeit

Als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage in bestimmten Berufsfeldern bieten immer mehr Unternehmen die Arbeit aus dem Homeoffice an. © Vecteezy

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat eine umfassende Empfehlung für gesunde Arbeit aus dem Homeoffice veröffentlicht und reagiert damit auf einen Arbeitsmarkt, an dem sich ein großer Wandel vollzieht: Seit 2023 bieten 77 Prozent der Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten.

Die Empfehlungen des BMAS sind aus einer breiten Diskussion mit über 100 Experten entstanden. Sie zielen darauf ab, einen ausgewogenen Mix aus Präsenz- und Fernarbeit zu fördern und umfassen sieben wichtige Punkte, über die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer Gedanken machen sollten:

  1. Begriffsklärung und Zieldefinition: Zu Beginn sollten alle Beteiligten ein einheitliches Verständnis der Ziele und Rahmenbedingungen von mobiler Bildschirmarbeit schaffen. Beispiele sind die Verbesserung der Work-Life-Balance und Reduzierung des Pendelns. Dabei ist die doppelte Freiwilligkeit und mögliche Standorte der Arbeit zu klären.
  2. Festlegung geeigneter Tätigkeiten: Es wird bestimmt, welche Bildschirmtätigkeiten mobil ausgeführt werden können. Es gilt Datenschutz, technische Anforderungen und notwendige Anwesenheit zu berücksichtigen. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertretung ist ebenfalls erforderlich.
  3. Zeitliche Rahmenbedingungen: Die Aufteilung der Arbeitszeit für mobile Arbeit und die Anwesenheitspflichten im Betrieb müssen festgelegt werden. Zu regeln ist auch die Erreichbarkeit und Planbarkeit bei Desk Sharing, unter Einbindung der Mitarbeitervertretung.
  4. Kostenregelungen: Die Kosten für erforderliche Arbeitsmittel und Arbeitsschutzmaßnahmen soll der Arbeitgeber tragen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Beschäftigte eigene Geräte einbringen können.
  5. Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmen: Es erfolgt eine Beurteilung der Risiken bei hybrider Arbeit und die Festlegung von Schutzmaßnahmen, wobei die Einbindung der Beschäftigten und die Nutzung von Checklisten empfohlen wird.
  6. Information und Unterweisung der Beschäftigten: Die Mitarbeiter müssen über ihre Mitwirkungspflichten und besonderen Arbeitsbedingungen bei mobiler Arbeit informiert und geschult werden, um ihre Aufgaben eigenverantwortlich zu erfüllen.
  7. Kontrolle und Anpassung der Maßnahmen: Die Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen soll regelmäßig überprüft und angepasst werden, insbesondere bei wesentlichen Änderungen der betrieblichen oder individuellen Rahmenbedingungen.

Chancen und Herausforderungen der hybriden Arbeit

Hybrides Arbeiten bietet nicht nur Chancen für eine bessere Work-Life-Balance, sondern unterstützt auch die Integration von Menschen mit Behinderungen und die Rückkehr in den Beruf nach längerer Krankheit. Die Arbeitgeber sind jedoch gefordert, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen, auch wenn keine Telearbeit vereinbart wird. Dies umfasst klar definierte Aufgaben, eine angepasste Führungsweise und regelmäßige Teamtage, um die Zusammenarbeit zu optimieren.

Bürodesign im Wandel

Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability, betont gegenüber dem ZDF die Notwendigkeit, Büroumgebungen an die neue Arbeitsrealität anzupassen. „Desk Sharing“ und flexible Bürogestaltungen sollen verhindern, dass sich Menschen am Arbeitsplatz einsam fühlen.

Nichts ist furchtbarer, als wenn Sie die alte Präsenzwelt haben, also die bisherige Ausstattung und die bisherigen Büros, und nur die Hälfte der Leute ist da. Da kriegt man ja Vereinsamungsgefühle.

Jutta Rump

Stellenmarkt reagiert dynamisch

Der Stellenmarkt hat bereits deutlich auf die neuen Arbeitsformen reagiert, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Die Anzahl der Stellenanzeigen, die Homeoffice-Optionen bieten, hat sich in den letzten fünf Jahren verfünffacht. Dies liegt nicht nur am Fachkräftemangel, sondern auch am Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr zeitlicher und räumlicher Flexibilität.

Darauf müssen die Arbeitgeber reagieren. Und wenn sie es nicht tun, verlieren sie einen Teil ihrer Attraktivität. Das muss man ganz klar so sagen, auch wenn das manche Vorstände nicht hören wollen.

Jutta Rump

Düsseldorf führt bei Homeoffice-Angeboten

Regional betrachtet, bieten vor allem Ballungsräume wie Düsseldorf und Frankfurt am Main verstärkt Homeoffice an. Die Deutsche Bundesbank hat bereits angekündigt, dass ihre Mitarbeiter in Zukunft bis zu 60 Prozent der Arbeit aus dem Homeoffice erledigen könnten. Zudem will man vermehrt auf Einzel- und Doppel- statt auf Großraumbüros setzen.

Was du dir merken solltest:

  • Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat Empfehlungen für eine ausgewogene Mischung aus Büroarbeit und Homeoffice veröffentlicht. Das soll eine bessere Work-Life-Balance und die Integration in den Arbeitsmarkt fördern.
  • Die Empfehlungen umfassen unter anderem die Kostenübernahme für Arbeitsmittel durch den Arbeitgeber, die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen, die Schulung der Beschäftigten über ihre Mitwirkungspflichten und die regelmäßige Überprüfung der Schutzmaßnahmen.
  • Der Arbeitsmarkt und die Büroumgebungen sind im Wandel. Das zeigt sich durch eine steigende Anzahl von Homeoffice-Angeboten und eine dynamische Reaktion der Stellenmärkte auf neue Arbeitsformen.

Übrigens: Während viele Unternehmen in den letzten Jahren mehr Möglichkeiten für Homeoffice geschaffen haben, ordneten andere die Rückkehr ins Büro an. Dies kam – insbesondere bei Angestellten in leitenden Positionen – nicht besonders gut an. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel.

Bild: © Vecteezy

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