11.000 Schritte am Tag: Wer im Alter viel zu Fuß geht, hat bis zu 36 Prozent niedrigere Gesundheitskosten
Wer wenig geht, hat im Alter oft hohe Behandlungskosten. Eine Studie zeigt, wie eng Schrittzahl und Gesundheitskosten zusammenhängen.
Wandern hält im Alter in Bewegung: Senioren mit vielen täglichen Schritten haben laut einer japanischen Studie deutlich niedrigere vorhergesagte Gesundheitskosten. © Pexels
Zwischen 2.500 und 11.000 Schritten am Tag liegen Tausende Meter Bewegung – und offenbar ein erheblicher Unterschied bei den Gesundheitskosten. Eine japanische Untersuchung ergab, dass Menschen mit rund 11.000 täglichen Schritten etwa 36 Prozent niedrigere vorhergesagte Behandlungskosten hatten als Personen mit nur 2.500 Schritten. Besonders groß waren die Unterschiede bei Menschen ab 65 Jahren. Ab etwa 11.000 Schritten flachte die Kostenkurve jedoch ab. Noch mehr Bewegung ging kaum mit weiteren Kostensenkungen einher.
Für die Untersuchung verknüpfte Haruka Kato von der Osaka Metropolitan University (OMU) die Schrittzahlen von 20.950 Erwachsenen mit ihren Krankenversicherungsdaten. Die Teilnehmer waren mindestens 40 Jahre alt. Ihre Bewegungsdaten stammten aus einer Gesundheits-App, die Behandlungskosten aus den Abrechnungen der jeweils folgenden sechs Monate. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal SSM – Population Health.
Bei 11.000 Schritten am Tag erreichen die Gesundheitskosten einen Tiefpunkt
Für die folgenden sechs Monate errechnete das Modell je nach täglicher Schrittzahl unterschiedliche Behandlungskosten:
- 2.500 Schritte täglich: umgerechnet rund 151 Euro.
- 11.000 Schritte täglich: umgerechnet rund 96 Euro.
- Unterschied: etwa 55 Euro beziehungsweise 36 Prozent.
Die Beträge sind statistische Schätzwerte, keine nachgewiesenen Einsparungen. Ein fester Grenzwert lässt sich aus den Daten ebenfalls nicht ableiten. Zwischen 10.000 und 12.000 Schritten lagen die vorhergesagten Ausgaben auf einem ähnlich niedrigen Niveau.
Im Alter liegen die Gesundheitskosten deutlich höher
Erstaunlich ähnlich war die Schrittzahl, bei der die vorhergesagten Gesundheitskosten ihren Tiefpunkt erreichten. Bei Senioren lag sie bei 10.612 Schritten täglich, bei den 40- bis 64-Jährigen bei 11.317. Finanziell trennten die beiden Altersgruppen dagegen Welten: Für ältere Menschen errechnete das Modell rund 271 Euro Behandlungskosten innerhalb von sechs Monaten, für jüngere Erwachsene lediglich 8,50 Euro.
Die Beträge sind keine tatsächlichen Durchschnittskosten. Sie beschreiben statistische Modellwerte für typische Teilnehmer der jeweiligen Altersgruppe. Auch die Vorhersagekraft unterschied sich: Bei Senioren konnte das gesamte Modell rund 42 Prozent der Unterschiede bei den Gesundheitsausgaben statistisch erklären, bei jüngeren Erwachsenen etwa 23 Prozent.
Smartphone und Krankenkasse liefern detaillierte Bewegungsdaten
Die Schrittzahlen stammten aus „A-Smile“, der offiziellen Gesundheits-App der japanischen Präfektur Osaka. Smartphones und Fitnessuhren zeichneten die täglichen Bewegungen automatisch auf. Insgesamt flossen 338.706 monatliche Datensätze in die Auswertung ein.
Die Krankenversicherungsdaten umfassten Krankenhausaufenthalte, ambulante Behandlungen, Zahnarztbesuche und Medikamente. Zusätzlich berücksichtigte Kato unter anderem Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Vorsorgeuntersuchungen und frühere Gesundheitsausgaben.
Senioren gingen überraschend mehr als jüngere Teilnehmer
Auch beim alltäglichen Bewegungsverhalten gab es eine Überraschung. Die über 65-Jährigen kamen auf durchschnittlich 5.363 Schritte täglich. Die 40- bis 64-Jährigen erreichten lediglich 5.092 Schritte. Die älteren Teilnehmer waren damit im Schnitt etwas aktiver.
Allerdings gehörten nur 20.950 von ursprünglich 138.344 registrierten App-Nutzern zur endgültigen Untersuchungsgruppe. Viele nutzten die Anwendung nicht lange genug oder hatten keine passenden Versicherungsdaten. Gerade unter den Senioren dürften deshalb vergleichsweise gesunde und technikaffine Menschen überrepräsentiert sein.
Erkrankungen können Bewegung und Gesundheitskosten beeinflussen
Ob mehr Schritte tatsächlich zu niedrigeren Gesundheitskosten führen, bleibt ungeklärt. Chronische Erkrankungen können die Beweglichkeit einschränken und gleichzeitig teure Behandlungen erforderlich machen. Auch Einkommen, Ernährung und Rauchen könnten die Unterschiede beeinflussen. Diese Faktoren ließen sich nicht vollständig berücksichtigen.
Hinzu kommen Ungenauigkeiten bei der Bewegungserfassung. Smartphones registrieren nicht jeden Schritt, wenn sie zu Hause liegen bleiben. Radfahren, Schwimmen oder Krafttraining gehen ebenfalls kaum in die Schrittzählung ein.
Frühere Behandlungskosten erklärten zudem einen wesentlich größeren Teil der späteren Gesundheitsausgaben als die tägliche Schrittzahl. Kato sieht dennoch Anwendungsmöglichkeiten für die Stadtplanung. Künftig könnten die Daten helfen, den möglichen Nutzen besserer Gehwege und fußgängerfreundlicher Wohngebiete zu untersuchen. Ob solche Maßnahmen langfristig Behandlungskosten senken, müssen weitere Untersuchungen klären.
Kurz zusammengefasst:
- Mehr Schritte, niedrigere Gesundheitskosten: Bei rund 11.000 Schritten täglich lagen die vorhergesagten Behandlungskosten etwa 36 Prozent niedriger als bei 2.500 Schritten.
- Besonders im Alter ist der Unterschied groß: Bei Menschen ab 65 Jahren war der Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheitskosten deutlich ausgeprägter als bei jüngeren Erwachsenen.
- 11.000 Schritte sind kein fester Grenzwert: Oberhalb dieser Schrittzahl sanken die vorhergesagten Kosten kaum noch; ob mehr Bewegung tatsächlich Geld spart, konnte die Studie nicht nachweisen.
Übrigens: Nicht nur die Zahl der Schritte zählt, sondern auch das Tempo. Eine weitere Untersuchung fand ein besonders niedriges Sterberisiko bei 7.500 bis 10.000 Schritten täglich und zügigem Gehen. Mehr dazu in unserem Artikel über Schrittzahl und Gehtempo.
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