45 Jahre Wetterdaten zeigen: Klimawandel verschiebt Hitzewellen – Saison dauert 39 Tage länger
Seit 1979 beginnt die erste Hitzewelle rund zwei Wochen früher, die letzte etwa 24 Tage später – global verlängert sich die Saison.
Hitzewellen beginnen weltweit früher und reichen weiter ins Jahr hinein. Besonders in trockenen Regionen hat sich die heiße Saison stark verschoben. © Pexels
Früher begann die große Hitze später im Jahr und war früher wieder vorbei. Heute sieht das anders aus: Die erste Hitzewelle kommt im globalen Mittel rund zwei Wochen früher, die letzte endet etwa 24 Tage später. Innerhalb von 45 Jahren ist die Hitzewellensaison über Land dadurch um rund 39 Tage länger geworden.
Der Klimawandel verschiebt Hitzewellen damit immer weiter im Jahresverlauf. Forscher um Wenfang Xu vom South China Botanical Garden der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) haben globale Klimadaten von 1979 bis 2023 ausgewertet. Ihre Ergebnisse erschienen im Fachjournal Nature Climate Change. Dabei fanden sie noch eine zweite Veränderung: Die ersten Hitzewellen einer Saison entwickeln sich inzwischen häufiger besonders schnell.
Durch den Klimawandel verlängern sich die Hitzewellen weltweit
Die Verschiebung betrifft weite Teile der globalen Landfläche. Besonders häufig zeigt sich eine Verlängerung der Hitzewellensaison. Die Auswertung ergibt:
- Auf 72 Prozent der Landflächen beginnt die Hitzewellensaison tendenziell früher.
- Auf 79,6 Prozent endet sie tendenziell später.
- Auf 92,1 Prozent gibt es einen Trend zu einer längeren Hitzewellensaison.
Über die 45 untersuchten Jahre summieren sich die Veränderungen erheblich. Pro Jahrzehnt rückte der Beginn im globalen Mittel um 3,29 Tage nach vorne. Das Ende verschob sich gleichzeitig um 5,41 Tage nach hinten. Insgesamt wuchs die Hitzewellensaison damit um durchschnittlich 8,71 Tage pro Jahrzehnt.
Nicht überall ist der Trend stark genug, um Zufall als Erklärung weitgehend auszuschließen. Am deutlichsten ist die Verlängerung der Hitzewellensaison: Auf 34,4 Prozent der weltweiten Landflächen ist sie statistisch klar nachweisbar. Beim früheren Beginn trifft das auf 13,4 Prozent zu, beim späteren Ende auf 20,3 Prozent.
Trockengebiete verschieben die Hitzesaison besonders stark
In trockenen Regionen verändert sich der Jahresverlauf der Hitzewellen stärker als in feuchteren Gebieten. Dort rückt der Beginn weiter nach vorne, während das Ende später liegt. Die Hitzesaison dehnt sich also besonders dort aus, wo extreme Temperaturen ohnehin häufig auftreten.
Auffällig ist auch, wie schnell die erste Hitzewelle des Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Die Forscher unterschieden zwischen langsam, mittel und rasch einsetzenden Ereignissen. Zwischen 2001 und 2023 nahm der Anteil der schnellen Verläufe deutlich zu.
Erste Hitzewelle lässt weniger Zeit zur Vorbereitung
Damit kann extreme Hitze zu Beginn der Saison schneller eskalieren. „Wenn Hitzewellen früher eintreffen und sich schneller entwickeln, könnte die Zeit, die Gesellschaften und Ökosystemen zur Vorbereitung und Anpassung bleibt, noch kürzer werden“, sagt Erstautorin Wenfang Xu laut CAS.
Auch die Landwirtschaft bekommt die längere Hitzesaison zu spüren. Zwischen 2001 und 2023 nahm der Anteil der Anbauflächen zu, die während empfindlicher Entwicklungsphasen von Hitzewellen betroffen waren. Je nach Nutzpflanze stieg der betroffene Flächenanteil gegenüber 1979 bis 2000 um 1,6 bis 13,3 Prozent.
Zudem reicht die Belastung heute häufiger in frühere und spätere Wachstumsphasen hinein. Damit wächst der Zeitraum, in dem extreme Temperaturen Pflanzen in empfindlichen Stadien treffen können.
Für Frühwarnsysteme ist deshalb nicht nur entscheidend, wie heiß eine Hitzewelle wird oder wie lange sie dauert. Auch ihr Beginn, ihr Ende und die Geschwindigkeit des ersten Ereignisses der Saison liefern wichtige Hinweise auf das Risiko.
Kurz zusammengefasst:
- Seit 1979 hat sich die Hitzewellensaison über Land weltweit um rund 39 Tage verlängert: Die erste Hitzewelle kommt früher, die letzte endet später.
- Besonders in Trockengebieten verschieben sich die Zeiträume stark; zudem treten die ersten Hitzewellen seit 2001 häufiger rasch auf.
- Auch die Landwirtschaft ist stärker betroffen, weil Hitzewellen Nutzpflanzen häufiger während empfindlicher Entwicklungsphasen erreichen.
Übrigens: Eine vergleichbare Hitzewelle wäre in Europa vor 50 Jahren tagsüber rund 3,5 Grad kühler gewesen. Wie stark der Klimawandel Sommerhitze verändert, mehr dazu in unserem Artikel.
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