Eileiter statt Eierstöcke entfernen: Lässt sich so Eierstockkrebs vorbeugen?

Warum statt der Eierstöcke das Entfernen der Eileiter das Risiko senken könnte und für welche Frauen der Eingriff infrage kommt.

Auch im höheren Alter bleibt Eierstockkrebs ein wichtiges Thema: Viele Tumoren entstehen vermutlich in den Eileitern – deren Entfernung könnte das Erkrankungsrisiko deutlich senken. © Pexels

Auch im höheren Alter bleibt Eierstockkrebs ein wichtiges Thema: Viele Tumoren entstehen vermutlich in den Eileitern – deren Entfernung könnte das Erkrankungsrisiko deutlich senken. © Pexels

Eierstockkrebs beginnt oft gar nicht im Eierstock selbst. Auffällige Zellveränderungen entstehen nicht selten zuerst in den Eileitern. Daraus ergibt sich eine neue Möglichkeit, Eierstockkrebs vorzubeugen: Bei einer ohnehin geplanten Operation könnten Ärzte die Eileiter entfernen und die Eierstöcke im Körper belassen. Eine vorzeitige Menopause bleibt den Patientinnen erspart und die Hormonproduktion wird erhalten. Unerwünschte körperliche Folgen wie Gewichtszunahme oder höhere Risiken für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz lassen sich so vermeiden. Darauf verweist die Medizinerin Jenny Doust, Professorin an der Universität von Queensland.

Eierstockkrebs hat grundsätzlich keine gute Überlebensrate, weil Symptome oft unspezifisch bleiben, ein wirksames Screening fehlt und die Krankheit daher oft zu spät entdeckt wird. In Australien lebt nur etwa jede zweite betroffene Frau fünf Jahre nach der Diagnose noch. Für Frauen ohne erbliches Hochrisiko liegt das Erkrankungsrisiko dort bei rund einem Prozent.

Kann eine Komplettoperation das Krebsrisiko senken?

Besonders hoch ist das Risiko einer Eierstockkrebserkrankung bei bestimmten Genveränderungen. Trägerinnen einer krankheitsrelevanten BRCA1-Variante haben laut den von Doust zusammengefassten Daten ein Lebenszeitrisiko von 44 Prozent. Bei BRCA2 liegt es bei 17 Prozent. Weniger als ein Prozent der Frauen trägt solche Hochrisikovarianten. Ihnen wird bislang meist empfohlen, nach abgeschlossener Familienplanung eine Adnexektomie durchzuführen, also sowohl Eileiter als auch Eierstöcke entfernen zu lassen.

Diese Operation senkt zwar das Krebsrisiko, hat aber erhebliche Folgen. Ohne Eierstöcke sinken die Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron im Körper abrupt ab. Hitzewallungen, Schlafprobleme, sexuelle Beschwerden und Stimmungsschwankungen können als typische Wechseljahresbeschwerden folgen. Zudem ist eine Schwangerschaft danach nicht mehr möglich. Deshalb richtet sich die Empfehlung meist an Frauen frühestens ab etwa 35 Jahren, abhängig vom persönlichen genetischen Risiko.

Eierstockkrebs ist nicht selten ein Eileiterkrebs

Der Ursprung dieser neuen Sichtweise reicht bis 1999 zurück. Der niederländische Forscher Jurgen Piek untersuchte damals Operationspräparate von Frauen mit BRCA1-Veränderung. Erwartet hatte er frühe Krebszeichen in den Eierstöcken. Stattdessen fand er verdächtige Vorstufen überwiegend in den Eileitern. Spätere Untersuchungen bestätigten dieses Muster auch bei BRCA2-Trägerinnen und Frauen ohne bekanntes genetisches Hochrisiko.

Viele Tumoren, die früher als Eierstockkrebs galten, werden deshalb heute als Eileiterkrebs eingeordnet. Damit änderte sich auch die Idee der Vorbeugung. Wenn der Tumor häufig im Eileiter startet, könnte dessen Entfernung Schutz bieten, ohne die Eierstöcke anzutasten. Doust formuliert die Datenlage vorsichtig: „Die bisherigen Ergebnisse sehen vielversprechend aus.“

Entfernung der Eileiter könnte Eierstockkrebs deutlich seltener machen

Hinweise auf positive Ergebnisse liefert unter anderem eine große schwedische Auswertung mit mehr als fünf Millionen Frauen. Erfasst wurden gynäkologische Operationen aus den Jahren 1973 bis 1996; die Nachbeobachtung lief bis 2009. Frauen, denen beide Eileiter entfernt worden waren, hatten demnach ein etwa 60 Prozent geringeres Risiko für Eierstockkrebs als Frauen ohne diesen Eingriff.

Eine internationale Übersichtsarbeit von 2023 kam sogar auf eine mögliche Risikoreduktion von 80 Prozent. Diese Zahl beruht allerdings teilweise auf Modellrechnungen. Betrachtet man nur klinische Daten, liegt die Schätzung bei rund 50 Prozent. Doust warnt deshalb davor, sich in zu großer Sicherheit zu wiegen: „Wir haben noch nicht genügend Daten, um die tatsächliche Zahl zu kennen.“

Bei geplanten Operationen lässt sich der Eingriff leicht ergänzen

Die sogenannte opportunistische Salpingektomie erfolgt während eines anderen Eingriffs. Denkbar ist sie etwa bei einer Gebärmutterentfernung, einer Gallenblasenoperation oder einer bariatrischen Operation, einem operativen Eingriff am Magen oder Darm bei Adipositas. Nach den bisher verfügbaren Daten steigt das Komplikationsrisiko dadurch offenbar nicht. Meist verlängert sich die Operationszeit um etwa fünf bis 15 Minuten.

Auch als dauerhafte Verhütung kommt die Entfernung der Eileiter infrage. Sie kann an die Stelle einer klassischen Sterilisation treten, bei der die Eileiter nur durchtrennt oder verschlossen werden. Mehrere internationale Fachorganisationen empfehlen inzwischen, Frauen bei bestimmten ohnehin geplanten Bauch- oder Beckenoperationen über diese Möglichkeit zu informieren.

Für Hochrisikofrauen gilt weiterhin die Empfehlung einer Adnexektomie

Für Trägerinnen der genetischen BRCA1- oder BRCA2-Hochrisikoveränderungen ändert sich die Empfehlung vorerst nicht. Bei ihnen gilt weiterhin die Entfernung von Eileitern und Eierstöcken als etablierte vorbeugende Maßnahme. Ob es ebenso sicher wäre, zunächst nur die Eileiter und die Eierstöcke erst später zu entfernen, ist noch offen.

Für Frauen ohne erhöhtes genetisches Risiko kann die Eileiterentfernung vor allem dann relevant werden, wenn ohnehin eine Gebärmutteroperation ansteht oder nach Abschluss der Familienplanung eine dauerhafte Verhütung gewünscht ist. Langfristige Daten fehlen jedoch bislang. Deshalb bleibt offen, wie groß der tatsächliche Schutz vor Eierstockkrebs durch eine Entfernung der Eileiter über viele Jahrzehnte ist.

Kurz zusammengefasst:

  • Viele Fälle von Eierstockkrebs entstehen vermutlich in den Eileitern, weshalb deren Entfernung das Erkrankungsrisiko senken könnte, ohne die hormonbildenden Eierstöcke zu entfernen und die Frauen so in die sofortige Menopause zu schicken.
  • Klinische Daten sprechen derzeit für eine Risikoreduktion von etwa 50 bis 60 Prozent nach Entfernung beider Eileiter; höhere Angaben von rund 80 Prozent beruhen teilweise auf Modellrechnungen.
  • Für Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Veränderungen bleibt die Entfernung von Eileitern und Eierstöcken die empfohlene Vorsorgemaßnahme; für Frauen ohne Hochrisiko kommt eine Eileiterentfernung vor allem bei ohnehin geplanten Operationen infrage.

Übrigens: Während die Entfernung der Eileiter das Risiko für manche Formen von Eierstockkrebs senken könnte, suchen Forscher auch nach besseren Therapien für besonders aggressive Tumore. Bei einer seltenen, oft chemoresistenten Form des Eierstockkrebs haben sie nun neue Angriffspunkte entdeckt – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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