Wie der Klimawandel sich auf Lebensmittelpreise auswirkt: Wasserknappheit könnte Weizen weltweit verteuern

Dürren in wichtigen Weizenanbauregionen können die Lebensmittelpreise deutlich erhöhen. Besonders stark reagiert der Weizenpreis.

Ein Mähdrescher arbeitet auf einem trockenen Feld. Wenn Dürren mehrere große Weizenregionen gleichzeitig treffen, können die Folgen den Weltmarkt erreichen und Lebensmittelpreise stark steigen lassen.

Wenn Dürren mehrere große Weizenregionen gleichzeitig treffen, können die Folgen den Weltmarkt erreichen und Lebensmittelpreise stark steigen lassen. © Pexels

Weizen aus Russland, der Ukraine oder Nordamerika wird über internationale Handelsketten rund um den Globus verkauft. Schwere Wasserknappheit in großen Anbaugebieten kann deshalb auch den Weizenpreis auf dem Weltmarkt beeinflussen, obwohl die betroffenen Regionen Tausende Kilometer entfernt liegen. Besonders heikel wird es, wenn mehrere wichtige Anbauregionen gleichzeitig oder kurz hintereinander unter Wassermangel leiden. Dann können mehrere große Lieferanten zur selben Zeit unter Druck geraten.

Ein internationales Forschungsteam um Miroslav Trnka vom tschechischen Forschungszentrum CzechGlobe hat diesen Zusammenhang untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal Earth’s Future veröffentlicht. Die Wissenschaftler kombinierten für ihre Studie Klimadaten mit weltweiten Anbauflächen und Rohstoffpreisen. Besonders eng war der Zusammenhang bei Weizen. Ein Modell, das ausschließlich schwere Wasserknappheit berücksichtigt, erklärte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen des globalen Weizenpreises zwischen 2000 und 2021.

Wenn Wasserknappheit mehrere Weizenregionen gleichzeitig trifft, steigt der Preisdruck

Für den globalen Getreideanbau zählt nicht jede trockene Woche. Die Wissenschaftler entwickelten dafür einen eigenen Indikator namens „Severe Water Scarcity“, kurz SWS. Er erfasst besonders ausgeprägte Wasserdefizite während der empfindlichen Wachstumsphase einer Nutzpflanze. Beim Weizen sind dies vor allem die vier Monate vor der üblichen Ernte. In dieser Zeit entstehen wichtige Ertragskomponenten, und fehlendes Wasser kann die Pflanzen besonders stark treffen.

Schwere Wasserknappheit kann mehrere Anbauregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen und den Weizenmarkt über mehrere Jahre belasten. So litten 2010 Russland und Indien unter Trockenheit, 2012 folgten die USA. Je größer die betroffenen Anbauflächen ausfielen, desto höher lagen tendenziell die Weizenpreise.

Warum Weizen besonders empfindlich auf Dürre reagiert

Auffällig ist der Unterschied zwischen den drei untersuchten Getreidearten. Bei Mais konnten die Wasserknappheitsmodelle bis zu 40 Prozent der globalen Preisschwankungen erklären. Bei Reis fanden die Wissenschaftler keinen vergleichbaren Zusammenhang. Beim Weizen erklärten einzelne Modellvarianten dagegen bereits 61 bis 68 Prozent der Preisbewegungen. Das kombinierte Modell erreichte schließlich die 74 Prozent.

Eine Ursache liegt in den Anbaubedingungen. Weizen wächst häufig in Regionen, in denen ohnehin wenig Wasser verfügbar ist. Zudem werden nur etwa 15 Prozent seiner globalen Anbaufläche bewässert. Bei Reis liegt der Anteil bei rund 33 Prozent. Reis wächst außerdem häufiger dort, wo während der empfindlichen Wachstumsphase mehr Niederschlag fällt. Bewässerung und saisonale Wetterschwankungen können Trockenperioden deshalb teilweise abfedern.

Hauptanbaugebiete von Reis, Mais und Weizen mit Hervorhebung der 10 wichtigsten Exportländer. Die Ringdiagramme zeigen die Anteile der drei wichtigsten Kulturpflanzen an der globalen Ackerfläche, der Kalorienversorgung und am Handel mit Agrarerzeugnissen. © Trnka et al., Earth's Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0
© Trnka et al., Earth's Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0 Hauptanbaugebiete von Reis, Mais und Weizen mit Hervorhebung der 10 wichtigsten Exportländer. Die Ringdiagramme zeigen die Anteile der drei wichtigsten Kulturpflanzen an der globalen Ackerfläche, der Kalorienversorgung und am Handel mit Agrarerzeugnissen. © Trnka et al., Earth’s Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0

Wasserknappheit breitet sich bereits in Weizenanbauregionen aus

Zwischen 1911 und 2020 waren durchschnittlich rund fünf Prozent der weltweiten Weizenanbaufläche von schwerer Wasserknappheit betroffen. In den Jahren 2000, 2010, 2012 und 2020 überschritt der Anteil jeweils 15 Prozent. Gleichzeitig nahm die betroffene Fläche langfristig zu. Für den Zeitraum von 1911 bis 2000 errechneten die Autoren einen Zuwachs von etwa 0,5 Prozentpunkten pro Jahrzehnt. Zwischen 2011 und 2021 beschleunigte sich diese Entwicklung.

Für die Zukunft wertete das Team Klimasimulationen aus 31 Modellen der aktuellen CMIP6-Generation sowie zusätzlich 27 älteren CMIP5-Modellen aus. CMIP steht für Coupled Model Intercomparison Project. Dabei rechnen Forschungsgruppen weltweit mit unterschiedlichen Klimamodellen dieselben oder vergleichbare Zukunftsszenarien durch. So lässt sich prüfen, wie robust bestimmte Klimatrends über viele Modelle hinweg sind.

CMIP5 ist die ältere Modellgeneration. Sie wurde vor allem für den fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC genutzt. CMIP6 ist die neuere Generation mit weiterentwickelten Modellen und aktualisierten Emissions- und Entwicklungspfaden.

Mit steigenden Temperaturen nimmt im Modell auch die großräumige Wasserknappheit in Weizenanbauregionen zu. Für die Jahre 2001 bis 2020 ergibt die Modellberechnung im Mittel einen Weizenpreis von 193 US-Dollar je Tonne. Für 2031 bis 2050 liegen die Schätzungen je nach Klimapfad bereits bei 294 bis 327 US-Dollar.

Ab drei Grad Erwärmung steigt der modellierte Weizenpreis stark an

Besonders hoch fallen die Werte bei stärkerer globaler Erwärmung aus. Bei zwei Grad über dem Mittel der Jahre 1951 bis 1980 errechnet das Modell rund 273 US-Dollar je Tonne. Bei drei Grad steigt der Mittelwert auf etwa 364 US-Dollar. Das entspräche ungefähr dem Dreifachen des inflationsbereinigten Weltmarktpreises von 2010.

Diese Zahlen sind allerdings keine Preisprognose für den Supermarkt. Denn Weltmarktpreise hängen auch von Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbeständen, Wechselkursen, Handelspolitik und geopolitischen Konflikten ab. Hinzu kommen Erwartungen von Händlern und Reaktionen großer Exportländer. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Marktpreise auch durch Spekulation und Unsicherheit steigen können, selbst wenn Ernteverluste geringer ausfallen.

Für ärmere Länder wiegen solche Ausschläge besonders schwer. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben häufig mehr als die Hälfte ihres Geldes für Lebensmittel aus. Steigen die Lebensmittelpreise, bleibt in diesen Haushalten weniger Spielraum für andere Ausgaben. Frühere Untersuchungen, auf die sich die Autoren beziehen, verbinden bereits einen Anstieg der Getreidepreise um ein Prozent mit einem Rückgang des Lebensmittelkonsums um durchschnittlich rund 0,61 Prozent.

Kurz zusammengefasst:

  • Großräumige Wasserknappheit in wichtigen Weizenanbauregionen kann den Weltmarktpreis stark beeinflussen: Für 2000 bis 2021 erklärte das Modell 74 Prozent der jährlichen Preisschwankungen.
  • Weizen reagiert empfindlicher als Mais oder Reis, weil er häufig in ohnehin trockenen Regionen wächst und ein kleinerer Teil der Anbaufläche bewässert wird.
  • Mit fortschreitender Erwärmung könnte sich schwere Wasserknappheit ausweiten und Weizen weltweit verteuern: Bei drei Grad Erwärmung errechnet das Modell rund 364 US-Dollar je Tonne.

Übrigens: Weil zunehmende Wasserknappheit den Weizenanbau beeinträchtigt suchen Forscher bereits nach Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen. Ein Gen aus Sukkulenten könnte künftig helfen, Mais und Weizen trockenheitsfester zu machen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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