Waldbrandrauch vor dem WM-Finale in New York – so gefährlich wird die Luft für Fans und Spieler

Waldbrandrauch belastet New York vor dem WM-Finale. Feinstaub kann Fans und Spieler reizen, für Sonntag wird Entlastung erwartet.

Spaniens Nationalspieler trainieren trotz des dichten Waldbrandrauchs im Norden New Jerseys im Freien – nur wenige Tage vor dem WM-Finale.

Spaniens Nationalspieler trainieren trotz des dichten Waldbrandrauchs im Norden New Jerseys im Freien – nur wenige Tage vor dem WM-Finale. © NASA Earth Observatory/Lauren Dauphin

Die Sonne war am Donnerstag über dem Trainingsplatz kaum zu erkennen. Ein grauer Schleier hing über dem Norden New Jerseys, während Spaniens Nationalspieler ihre Vorbereitung auf das WM-Finale fortsetzten. Nur wenige Kilometer entfernt soll am Sonntag das größte Spiel des Weltfußballs stattfinden.

Der Waldbrandrauch über New York und New Jersey trifft die Region kurz vor dem WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien. Mehr als 80.000 Menschen werden im offenen Stadion in East Rutherford erwartet. Weitere 50.000 Fans sollen das Spiel bei einer öffentlichen Übertragung im Central Park verfolgen. Das berichten AP und Reuters.

Waldbrandrauch erreicht das WM-Finale in New York

Am Donnerstag galt die Luft rund um das Stadion zeitweise als ungesund für empfindliche Gruppen. In anderen Teilen der Region erreichten die Messwerte noch schlechtere Stufen. Ursache sind vor allem Waldbrände im Norden Kanadas. Auch im US-Bundesstaat Minnesota brennen große Waldflächen.

Eine stabile Hochdrucklage hielt den Rauch nahe am Boden. Dadurch sammelten sich feine Partikel in der Atemluft. Sie trübten den Himmel, verdeckten teilweise die Skyline von Manhattan und sorgten für einen beißenden Geruch. Behörden empfahlen den Menschen, möglichst drinnen zu bleiben oder im Freien eine gut sitzende Schutzmaske zu tragen.

Spanien trainiert trotz belasteter Luft

Die spanische Mannschaft absolvierte am Donnerstag dennoch eine Einheit in East Hanover. Der Ort liegt im Norden von New Jersey und damit in der vom Rauch betroffenen Region. Medien durften lediglich die ersten 15 Minuten des geplanten einstündigen Trainings beobachten. Wie intensiv die Spieler danach arbeiteten, blieb offen.

Ärzte äußerten deutliche Bedenken. Spitzensportler atmen während einer Trainingseinheit ein Vielfaches der Luftmenge ein, die ein ruhender Mensch benötigt. Damit gelangt auch mehr Feinstaub tief in ihre Atemwege. „Diese Spitzensportler bewegen bei jedem Training und in jedem Spiel sehr viel Luft durch ihre Lungen“, sagte die Notfallmedizinerin Courtney Howard der AP. Bei gefährlichen Werten sollten sie nicht im Freien trainieren.

Rauch belastet Lunge und Kreislauf

Waldbrandrauch besteht aus einem Gemisch aus Gasen und winzigen Partikeln. Besonders problematisch ist PM2,5. Diese Teilchen haben einen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern. Sie können tief in die Lunge eindringen und Entzündungen auslösen. Ein Teil kann sogar in den Blutkreislauf gelangen.

Bei körperlicher Belastung steigt die aufgenommene Menge. Mögliche unmittelbare Folgen sind gereizte Augen, Husten, ein kratziger Hals und Atemnot. Auch Kopfschmerzen oder eine geringere Leistungsfähigkeit sind möglich. Menschen mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren oft empfindlicher. Doch bei hoher Belastung können auch junge und gesunde Sportler Beschwerden entwickeln.

Hitze verschärft das Risiko für Spieler

Neben dem Rauch bereitet Medizinern die Hitze Sorgen. Das Finale beginnt am Sonntag um 15 Uhr Ortszeit. Im offenen Stadion können hohe Temperaturen den Körper zusätzlich belasten. Fußballer laufen während eines Spiels viele Kilometer und absolvieren immer wieder Sprints. Herz und Kreislauf arbeiten dabei nahe an ihrer Belastungsgrenze.

„Es ist heiß, und das kann das Herz extrem belasten“, sagte der Lungenfacharzt Vin Gupta Reuters. Die Verbindung aus schlechter Luft und Hitze sei ein gefährlicher Doppelschlag für den Körper. Gupta fordert mehr als die üblichen zwei Trinkpausen, falls am Sonntag noch belastende Bedingungen herrschen. Zudem müssten die Spieler ihre Körpertemperatur möglichst niedrig halten.

Auch Fans atmen stundenlang Rauch ein

Für die Zuschauer beginnt die Belastung lange vor dem Anpfiff. Viele Fans reisen aus Manhattan oder anderen Teilen der Region an. Sie warten vor dem Stadion, stehen an den Eingängen und halten sich nach dem Spiel erneut längere Zeit im Freien auf. Das Stadion besitzt zwar überdachte Bereiche, ist aber nicht geschlossen.

Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Atemwegs- oder Herzerkrankungen sein. Gleiches gilt für ältere Besucher, Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Gupta rät ihnen bei weiterhin schlechter Luft zu einer N95- oder KN95-Maske. Stark gefährdete Fans sollten sogar erwägen, das Spiel zu Hause zu verfolgen.

Sportveranstaltungen fallen bereits aus

Dass Waldbrandrauch den Sportbetrieb verändern kann, zeigte sich schon am Donnerstag. Ein Spiel der nordamerikanischen Fußballliga MLS in Chicago wurde verschoben. In Philadelphia begann eine Baseballpartie eine Stunde früher. Die Veranstalter wollten damit einer weiteren Verschlechterung der Luft ausweichen.

Auch ein Frauenfußballspiel in New York fand unter schwierigen Bedingungen statt. Mehr als 42.000 Menschen sahen die Begegnung zwischen Gotham FC und Washington Spirit im Citi Field. Wegen Hitze und Rauch unterbrachen die Verantwortlichen das Spiel mehrfach für Trinkpausen. US-Nationalspielerin Trinity Rodman kritisierte die Bedingungen anschließend deutlich. „Wenn wir alle 15 Minuten eine Trinkpause brauchen, sollten wir das Spiel nicht austragen“, sagte sie.

Regen soll die Luft rechtzeitig reinigen

Für das WM-Finale fällt die Vorhersage günstiger aus. Meteorologen rechnen am Samstag mit kräftigem Regen. Am Sonntagmorgen soll zudem eine Kaltfront über die Region ziehen. Beides könnte den verbliebenen Rauch vor dem Anpfiff weitgehend vertreiben.

„Am Samstag wird es viel regnen, das sollte einen großen Teil des Rauchs auflösen“, sagte der Meteorologe Alex DaSilva Reuters. Die Kaltfront am Sonntag könne anschließend auch die restlichen Rauchschichten aus der Region schieben. Für den Spielbeginn werde deshalb mit einem geringeren Risiko gerechnet.

Prognose bleibt bis Sonntag unsicher

Der Rauch kann sich dennoch kurzfristig verlagern. Entscheidend sind die Windrichtung, die Stärke der Brände und die Höhe, in der sich die Partikel befinden. Dreht der Wind erneut, kann die Belastung innerhalb weniger Stunden steigen. Die Behörden beobachten deshalb die Luftqualität in New York und New Jersey weiter.

Eine Absage oder Verlegung des WM-Finales war bis Freitagmorgen nicht angekündigt. AP zufolge soll die Luftqualität bis Sonntag auf die Stufe „mäßig“ zurückgehen. Spanien hat die belastete Luft allerdings bereits während der Vorbereitung erreicht. Argentinien trainierte dagegen noch im Raum Atlanta, weit südlich der Rauchzone.

Kurz zusammengefasst:

  • Waldbrandrauch aus Kanada hat die Luftqualität in New York und New Jersey vor dem WM-Finale deutlich verschlechtert.
  • Feine Rauchpartikel können tief in die Lunge gelangen und belasten bei körperlicher Anstrengung besonders Spieler, aber auch Fans mit Vorerkrankungen.
  • Regen und eine Kaltfront sollen die Luft bis Sonntag verbessern, dennoch bleiben kurzfristige Änderungen durch Wind und neue Rauchschichten möglich.

Übrigens: Wie gefährlich Waldbrandrauch werden kann, zeigte bereits Kanadas Brandsaison 2023 mit Zehntausenden Todesfällen weltweit. Warum selbst Europa betroffen war, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © NASA Earth Observatory/Lauren Dauphin

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