Neue Studie zu Palmöl: Drei Pflanzen gefährden drei Viertel der Arten
Palmöl trägt mit Soja und Kokos stark zum Artensterben bei. Laut ETH Zürich verursachen diese Pflanzen drei Viertel der Schäden.
Palmöl, Kokos und Soja stecken in vielen Alltagsprodukten. Ihr Anbau belastet laut Studie vor allem tropische Regionen mit hoher Artenvielfalt. © Enthält modifizierte Copernicus-Sentinel-Daten aus 2019, von ESA aufbereitet, unter CC BY-SA 3.0 IGO
Nutella, Kekse, Shampoo, Fertiggerichte: Palmöl ist überall und es kommt nicht aus dem Supermarkt. Es stammt von Plantagen in den Tropen, wo neue Anbauflächen oft Wald und andere Lebensräume verdrängen. Über globale Lieferketten gelangt der Rohstoff in Lebensmittel, Kosmetik und industrielle Produkte. Für Ölpalmen, Soja und Kokos werden dort große Flächen gebraucht. Und gerade dort leben besonders viele Tier- und Pflanzenarten.
Eine neue Auswertung der ETH Zürich beziffert den Schaden: Ölpalme, Soja und Kokos sind zusammen für rund drei Viertel der Artenschäden verantwortlich, die durch Ölpflanzen entstehen. Die Nachfrage kommt oft aus Europa, China oder den USA. Die Folgen bleiben aber vor allem in tropischen Regionen.
Palmöl ist nur ein Teil der Rechnung
Bis 2020 verursachte der Anbau von Ölpflanzen der Studie zufolge einen möglichen langfristigen Verlust von 1,5 Prozent der weltweiten Artenvielfalt. Gemeint sind Pflanzen und landlebende Wirbeltiere. Der Befund bezieht sich nicht allein auf Palmöl. Insgesamt wurden 19 Ölpflanzen berücksichtigt.
„Drei davon verursachen einen besonders großen Teil der Auswirkungen: Ölpalme, Soja und Kokos“, sagt Shuntian Wang, Doktorand bei Stephan Pfister. Palmöl steckt in Lebensmitteln und Kosmetik. Soja landet häufig im Tierfutter. Kokos wächst ebenfalls in Regionen mit hoher Artenvielfalt.
Die Tropen trifft es besonders hart
Die Tropen tragen einen übergroßen Teil der Folgen. Dort liegt knapp die Hälfte der weltweit geernteten Flächen für Ölpflanzen. Trotzdem fallen dort fast vier Fünftel der berechneten Biodiversitätsfolgen an. In tropischen Regionen leben sehr viele Arten auf engem Raum.
Wenn dort Wald, Feuchtgebiete oder andere Lebensräume zu Plantagen und Feldern werden, verschwindet mehr als Grünfläche. Tiere und Pflanzen verlieren Räume, die sich nicht einfach ersetzen lassen. Viele Arten kommen nur in bestimmten Gebieten vor. Auch bestehende Landwirtschaft belastet die Natur weiter. „Selbst wenn keine neue Entwaldung stattfindet, bleibt der Einfluss der aktuellen Landwirtschaft bestehen“, sagt Pfister.
Lieferketten verlagern die Schäden
Mehr als die Hälfte der berechneten Artenschäden entsteht in Anbauländern, obwohl die Nachfrage aus anderen Weltregionen kommt. Die Europäische Union, China und die USA gehören laut ETH Zürich zu den wichtigen Konsumräumen. Zusammen stehen sie für mehr als 80 Prozent dieser ausgelagerten Effekte.
Die Wege unterscheiden sich je nach Rohstoff. Die EU importiert viel Palmöl. Chinas Einfluss hängt stark mit Soja zusammen, das als Tierfutter gebraucht wird. Am Ende verbindet ein Einkauf, ein Futtermittel oder ein Industrieprodukt Märkte in reichen Regionen mit Flächen in tropischen Ländern. Die Nachfrage sitzt oft weit entfernt. Die Folgen bleiben in den Anbauregionen.
Mehr Konsum pro Kopf, weniger Arten
Seit 1995 haben die berechneten Biodiversitätsfolgen durch Ölpflanzen um rund vier Fünftel zugenommen. Das liegt nicht nur daran, dass die Weltbevölkerung gewachsen ist. Besonders wichtig ist der steigende Verbrauch pro Kopf. Menschen nutzen heute mehr Produkte, in denen solche Pflanzenöle direkt oder indirekt stecken.
„Der Pro-Kopf-Verbrauch ist der wichtigste Treiber für den Verlust an Biodiversität. Dabei entsteht dieser zu einem großen Teil nicht an dem Ort, wo konsumiert wird“, sagt Wang. Damit verschiebt sich der Blick weg von einzelnen Plantagen. Es geht auch um Ernährung, Kosmetik, Tierfutter, Handel und industrielle Rohstoffe.
Weniger Abholzung allein reicht nicht
Pfister vergleicht den Verlust der Artenvielfalt mit der Erderwärmung. „Biodiversitätsverlust ist ein ebenso großes Problem wie der Klimawandel“, sagt der ETH-Professor. Der Unterschied: Arten verschwinden oft leise. Es gibt keinen täglichen Messwert wie bei Temperaturen. Trotzdem verändert jeder verlorene Lebensraum ein Ökosystem.
Gegensteuern ließe sich an mehreren Stellen. Dazu gehören weniger Abholzung, bessere Anbaumethoden, geschützte Ökosysteme und mehr Investitionen in Produktionsländer. Doch die Märkte bleiben beweglich. Sinkt die Nachfrage nach einem Rohstoff, kann sie sich auf andere Pflanzen oder andere Regionen verlagern. Deshalb zählt am Ende nicht nur, welches Öl in einem Produkt steckt. Entscheidend ist, wo es wächst, wie viel Fläche es braucht und welche Lebensräume dafür verschwinden.
Kurz zusammengefasst:
- Palmöl, Soja und Kokos stehen laut ETH Zürich für rund drei Viertel der Artenschäden, die durch den Anbau von Ölpflanzen entstehen.
- Besonders betroffen sind tropische Regionen, weil dort viele Arten auf engem Raum leben und neue Plantagen oder Felder oft Wald und andere Lebensräume verdrängen.
- Mehr als die Hälfte der Schäden hängt mit Nachfrage aus anderen Weltregionen zusammen; seit 1995 nahm der Verlust vor allem durch höheren Pro-Kopf-Verbrauch stark zu.
Übrigens: Während Palmöl, Kokos und Soja die Artenvielfalt stark belasten, arbeiten Forscher bereits an einem Ersatz aus CO₂. Er könnte Cremes und Shampoos künftig palmölfrei machen. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Enthält modifizierte Copernicus-Sentinel-Daten aus 2019, von ESA aufbereitet, unter CC BY-SA 3.0 IGO
