Wunderwaffe gegen Stadthitze: Pflanzen an der Hauswand kühlen innen und außen
Pflanzen an der Hauswand können Innenräume spürbar kühlen. Außen hilft der Effekt vor allem direkt an der Fassade.
Grüne Fassade an einem Gebäude: Pflanzen an der Hauswand spenden Schatten, verdunsten Wasser und können Räume dahinter bei Hitze spürbar entlasten. © Pexels
Eine Hauswand kann sich im Sommer anfühlen wie ein Speicherofen. Von oben brennt die Sonne, von unten strahlt der Asphalt zurück, und an den Wänden bleibt die Wärme hängen. Beton, Stein und Putz heizen sich über Stunden auf, geben die Hitze wieder ab und machen Räume dahinter noch stickiger. Auch vor dem Gebäude staut sich die warme Luft. Dort können grüne Fassaden gegen Hitze helfen: Pflanzen an der Wand spenden Schatten, verdunsten Wasser und nehmen der Oberfläche einen Teil ihrer Wärmelast.
Wie groß dieser Effekt sein kann, hat ein internationales Forschungsteam um Jihui Yuan von der Osaka Metropolitan University (OMU) berechnet. Die Forscher untersuchten ein Universitätsgebäude in Shahrood im Iran, einer Stadt mit extrem heißen Sommern. Das Szenario war hart gewählt: warmes Klima, Hitzewellen und kein Strom für aktive Kühlung. Es ging also um die Frage, welche baulichen Maßnahmen Räume auch dann erträglicher machen, wenn Klimaanlagen ausfallen.
Die Südfassade kühlt besonders stark
Am besten schnitt eine begrünte Südfassade ab. In den Berechnungen sank die Hitzebelastung im Innenraum um bis zu 1,7 Grad Celsius. Bei der Innenlufttemperatur nennen die Forscher ebenfalls eine durchschnittliche Abkühlung um 1,7 Grad. An besonders heißen Sommertagen erreichte der Effekt in der Spitze sogar bis zu 2,3 Grad.
Das klingt zunächst nicht spektakulär. Bei extremer Hitze zählt aber jedes Grad. Eine Pflanzenwand verhindert, dass die Sonne direkt auf die Fassade knallt. Die Wand heizt sich dadurch weniger stark auf. Innen kommt weniger Wärme an, Räume bleiben länger erträglich.
Außen hilft die grüne Wand vor allem direkt am Gebäude
Auch draußen brachte die begrünte Wand Entlastung. Der Effekt blieb aber auf das direkte Umfeld der Fassade begrenzt. Gleich neben der begrünten Südfassade sank die gefühlte Hitzebelastung um etwa 1,2 Grad. Die Forscher nutzten dafür einen Wert, der nicht nur die Lufttemperatur einbezieht, sondern auch Sonne, Wind und Feuchtigkeit.
Die Aussage über eine Kühlung „innen und außen“ stimmt deshalb, braucht aber eine Einordnung: Innen fällt der Effekt deutlicher aus. Außen kühlt eine Pflanzenwand vor allem dort, wo Menschen direkt am Gebäude vorbeigehen, warten oder Schatten suchen. Ganze Straßenzüge werden dadurch nicht automatisch kühler.
Gründächer lösen ein anderes Hitzeproblem
Spannend ist auch der Vergleich mit Gründächern. Sie halfen im Gebäude, am Boden vor dem Haus aber kaum. Das Dach liegt zu weit über dem Gehweg. Während einer Hitzewelle mischt sich die Luft oft nur schwach. Die kühlere Luft über dem Dach kommt dann unten kaum an.
Für Innenräume können Gründächer trotzdem nützlich sein. In der Studie dämpften sie die Hitze und hielten Temperaturen gleichmäßiger. Besonders in schattigen, nordseitigen Räumen schnitt das Gründach teils besser ab als eine grüne Nordfassade. Für Städte heißt das: Dachbegrünung und Fassadenbegrünung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Der Albedo-Effekt hilft drinnen – und stört draußen
Noch komplizierter wird es durch den Albedo-Effekt. Helle Fassaden werfen viel Sonnenlicht zurück. Für Räume dahinter kann das helfen, weil sich die Außenwand weniger stark aufheizt und weniger Hitze ins Gebäude gelangt. Vor dem Haus kann derselbe Effekt jedoch unangenehm werden: Eine helle Wand schickt mehr Strahlung zurück in den Straßenraum. Wer daran vorbeiläuft oder davor wartet, bekommt diese Wärme zusätzlich ab. In der Studie verschlechterten sehr helle Fassaden deshalb das Hitzeempfinden im Außenbereich.
Überraschend stark schnitten draußen dagegen Fassaden mit niedrigerem Rückstrahlwert ab. Sie senkten die gefühlte Hitzebelastung im Außenraum um bis zu 1,5 Grad. Innen waren sie aber die schlechtere Lösung, weil die Wand mehr Wärme aufnimmt. Für Städte entsteht daraus ein Konflikt: Eine Maßnahme kann dem Raum hinter der Wand helfen, aber dem Gehweg davor schaden – oder umgekehrt.
Grüne Fassaden gegen Hitze brauchen die richtige Seite
Die Ergebnisse machen klar: Einfach mehr Grün reicht nicht. Entscheidend ist, wo die Pflanzen wachsen. Eine grüne Südfassade brachte in diesem Fall den besten Ausgleich. Sie kühlte Innenräume spürbar und verbesserte zusätzlich das direkte Umfeld vor dem Gebäude.
„Diese Arbeit könnte als erster Leitfaden für widerstandsfähige Gebäude dienen, die auch unter extremen Bedingungen akzeptable thermische Verhältnisse aufrechterhalten können“, sagt Yuan. Die Ergebnisse könnten zudem helfen, Strategien gegen städtische Hitzeinseln besser mit der Gebäudeplanung zu verbinden.
Kurz zusammengefasst:
- Pflanzen an der Hauswand können Innenräume bei extremer Hitze spürbar kühlen – am stärksten wirkte in der Studie eine begrünte Südfassade.
- Außen hilft die grüne Wand vor allem direkt am Gebäude: Sie verbessert dort das Mikroklima, kühlt aber nicht automatisch ganze Straßenzüge.
- Gründächer, helle Fassaden und dunklere Oberflächen wirken je nach Ort unterschiedlich – deshalb müssen Städte Hitze innen und außen gemeinsam planen.
Übrigens: Nicht nur Fassaden und Asphalt speichern Hitze – auch Autos geben bei jeder Fahrt Wärme ab und können Städte bis in Wohnungen hinein zusätzlich aufheizen. Wie stark der Verkehr die Temperaturen steigen lässt und warum Elektroautos dabei deutlich weniger Wärme freisetzen, mehr dazu in unserem Artikel.
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