In China wird die Luft sauberer: Mehr Elektroautos könnten 262.000 Todesfälle verhindert haben
Mehr Elektroautos, weniger Feinstaub und Kohlenmonoxid: In China könnte der E-Auto-Boom 262.000 Todesfälle verhindert haben.
Ladestationen und Carsharing-Flotten mit Elektroautos gehören inzwischen zum Stadtbild vieler chinesischer Metropolen. Der schnelle Umstieg auf neue Antriebe geht dort mit messbaren Verbesserungen der Luftqualität einher. © Wikimedia
Luftverschmutzung tötet leise. Weltweit sterben jedes Jahr mehr als vier Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen schmutziger Außenluft. Etwa jeder vierte dieser Todesfälle entfällt auf China. Dort gehört der Straßenverkehr zu den großen Verursachern: Benzin- und Dieselautos stoßen Kohlenmonoxid, Feinstaub, Stickoxide und weitere Schadstoffe aus. Diese Stoffe belasten Herz, Lunge und Blutgefäße.
Nun zeigt sich, wie stark Elektroautos die Luftverschmutzung in vielen Städten Chinas bereits verändert haben könnten. Eine neue Auswertung aus Nature Health liefert konkrete Zahlen: Wo weniger Verbrenner unterwegs sind, sinken einige Schadstoffe deutlich. Andere bleiben dagegen hartnäckig in der Luft.
Elektroautos veränderten die Luft in Chinas Städten
China ist inzwischen der weltweit wichtigste Markt für sogenannte New Energy Vehicles. Dazu zählen reine Elektroautos, Hybridfahrzeuge und Wasserstoffautos. Der Staat hat den Umstieg über Jahre mit Subventionen, Steueranreizen und weiteren Programmen gefördert. Mehr als die Hälfte aller 2025 in China verkauften Autos war elektrisch.
Ein Forschungsteam der Wuhan Universität wertete dafür hochauflösende Satellitendaten aus. Die Forscher verglichen die tatsächliche Luftqualität mit einem Szenario, in dem weiterhin nur klassische Verbrenner unterwegs gewesen wären.
Das Ergebnis fällt besonders bei zwei Schadstoffen deutlich aus. Die Belastung mit PM2,5-Feinstaub sank bis 2023 um 23,8 Prozent. Das entspricht 8,97 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Kohlenmonoxid ging um 30,67 Prozent zurück, also um 0,26 Milligramm pro Kubikmeter.
Feinstaub gilt als besonders gefährlich, weil die winzigen Partikel tief in die Lunge gelangen. Langfristige Belastung erhöht das Risiko für Schlaganfälle, Herzkrankheiten, Lungenkrebs, Atemwegserkrankungen und Infektionen.
Sauberere Luft könnte 262.000 Todesfälle verhindert haben
Nach den Berechnungen könnten rund 262.000 nicht durch Unfälle verursachte Todesfälle ausgeblieben sein. Zusätzlich nennen die Autoren etwa 75.000 verhinderte Todesfälle aller Ursachen, die sie mit dem Rückgang von Kohlenmonoxid verbinden.
„Die Ergebnisse sind sowohl ermutigend als auch ernüchternd“, sagt Qiangqiang Yuan, Mitautor der Studie, laut Nature. Denn die Daten liefern erstmals großflächige Hinweise aus der realen Entwicklung. Frühere Arbeiten hatten solche Effekte vor allem modelliert. Nun liegen Messungen aus vielen Städten vor.
Denn der Rückgang fiel nicht bei allen Schadstoffen gleich stark aus. Stickstoffdioxid nahm nur um 1,81 Mikrogramm pro Kubikmeter ab. Auch bei gröberen Partikeln blieb der Effekt begrenzt. Bei Stickoxiden lag der Rückgang im Vergleich zu einem Szenario ohne Elektroautos bei 7,92 Prozent.
Enrico Ferrero, Atmosphärenphysiker an der Universität Ostpiemont im italienischen Vercelli, verweist in Nature auf die besondere Chemie dieser Schadstoffe: Stickstoffdioxid entsteht auch dann, wenn Stickstoffmonoxid aus Autoabgasen mit Ozon in der Luft reagiert.
Diesel-Lkw bremsen den Effekt der Elektroautos
Deshalb reicht es bei Stickoxiden nicht, nur weniger Benzin- und Dieselautos auf die Straße zu bringen. Ein Grund liegt zudem im Fahrzeugmix. Viele elektrifizierte Fahrzeuge sind kleine Privatwagen. Schwere Nutzfahrzeuge und Diesel-Lkw stoßen weiter große Mengen Stickoxide und Partikel aus.
Der Verkehrsplaner Emmett Hopkins vom US-Thinktank Climate & Community Institute warnt in Nature deshalb vor einer zu einfachen Rechnung. „Wir müssen nur vorsichtig damit sein, alle Elektrofahrzeuge gleich zu behandeln“, sagt er. Große Autos und Lastwagen verursachen auch dann Partikel, wenn sie keinen Auspuff mehr haben. Bremsen, Reifen und Abrieb belasten die Luft weiterhin.
Saubere Luft kommt nicht überall gleich an
In China verteilten sich die Vorteile ungleich. Wirtschaftlich starke Städte verzeichneten größere Verbesserungen. Dort gibt es mehr Elektroautos, mehr Ladepunkte und oft strengere Regeln zur Luftqualität. In einkommensschwächeren Städten blieb der Rückgang der Schadstoffe kleiner.
Yuan nennt diese Ungleichheit „unerwartet und besorgniserregend“. Der Befund ist wichtig, weil saubere Luft nicht nur dort gebraucht wird, wo Menschen sich neue Elektroautos leisten können. Ladeinfrastruktur, Förderung und Luftreinhaltepolitik entscheiden mit darüber, wer vom Wandel profitiert.
Hopkins kritisiert zudem Kaufprämien, die vor allem Neuwagenkäufern helfen. „Die Mehrheit der Menschen kauft kein fabrikneues Fahrzeug direkt vom Band“, sagt er. Solche Programme könnten Menschen sogar zum Autokauf bewegen, die sonst zu Fuß gehen, Rad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen würden.
Kurz zusammengefasst:
- Mehr Elektroautos haben in vielen Städten Chinas vor allem Feinstaub und Kohlenmonoxid deutlich gesenkt.
- Die Forscher bringen die sauberere Luft bis 2023 mit rund 262.000 verhinderten nicht-unfallbedingten Todesfällen in Verbindung.
- Der Effekt bleibt begrenzt, weil Stickoxide langsamer zurückgehen, Diesel-Lkw weiter Schadstoffe ausstoßen und ärmere Städte weniger profitieren.
Übrigens: Auch in der Industrie sucht China nach Wegen, schmutzige Prozesse sauberer zu machen – etwa bei der Kohleverarbeitung, wo ein neuer Chemieansatz den CO₂-Ausstoß drastisch senken soll. Ausgerechnet eine winzige Menge Brommethan verändert dabei die Reaktion. Mehr dazu in unserem Artikel.
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