China testet Baustoff vom Mond für spätere Mondstationen

China testet Fasern aus Mondboden an seiner Raumstation. Das Material könnte später beim Bau einer Mondbasis helfen.

China testet Fasern aus Mondboden an seiner Raumstation. Das Material könnte später beim Bau einer Mondbasis helfen.

Aus Mondstaub hergestellte Fasern sollen zeigen, ob sich Baumaterial direkt auf dem Mond gewinnen lässt. © Unsplash

China hat experimentelle Fasern aus echtem Mondboden zur eigenen Raumstation geschickt. Forscher testen dort, ob das Material eines Tages beim Bau künftiger Mondstationen helfen könnte.

Die Proben flogen mit dem Frachtraumschiff Tianzhou-10 ins All. Auf der Außenplattform der chinesischen Raumstation werden sie nun über längere Zeit Bedingungen ausgesetzt, die Baumaterial auf dem Mond aushalten müsste: Hochvakuum, kosmische Strahlung und extreme Temperaturschwankungen.

Hinter dem Projekt steht ein Team der Donghua University in Shanghai. Geleitet wird es von der Materialforscherin Zhu Meifang. Auch die Wissenschaftlerin Cheng Yanhua arbeitet daran. Neuen Schwung bekamen die Versuche, nachdem die chinesische Mission Chang’e-5 im Jahr 2020 Mondboden zur Erde gebracht hatte. Seitdem prüfen die Forscher, ob sich daraus technische Materialien herstellen lassen.

Mondprobe liefert Material für eine künftige Mondbasis

Die Wissenschaftler arbeiteten mit einer winzigen Menge echten Mondmaterials. Aus nur 0,5 Gramm Mondboden stellten sie eine durchgehende Faser von rund drei Metern Länge her.

Die wichtigsten Daten:

  • 0,5 Gramm echter Mondboden aus der Chang’e-5-Mission
  • rund 3 Meter lange Faser
  • Durchmesser von gut 10 Mikrometern
  • ungefähr so dünn wie ein menschliches Haar

Mondproben stehen weltweit nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung. Jeder Versuch muss deshalb möglichst viele Erkenntnisse liefern.

Der Mondboden eignet sich für solche Arbeiten, weil seine Zusammensetzung basaltischem Gestein ähnelt. Basaltfasern kommen bereits heute in technischen Produkten und Verbundwerkstoffen zum Einsatz.

Mondstaub schmilzt zu feinen Fäden

Die Forscher erhitzen Mondboden, bis er schmilzt. Anschließend ziehen sie aus den flüssigen Tropfen dünne Fäden. Die chinesische Pressemitteilung vergleicht den Vorgang mit geschmolzenem Zucker, der zu feinen Fäden ausgezogen wird.

Cheng Yanhua beschreibt die Anfänge des Projekts so: „Andere haben das noch nicht gemacht, also machen wir es. Selbst wenn wir nur einen Millimeter herausziehen, ist das ein Erfolg.“ Inzwischen gelingt dem Team deutlich mehr. Die erzeugten Fasern erreichen mehrere Meter Länge.

Mondumgebung stellt Forscher vor besondere Probleme

Das Schmelzen allein löst das Problem noch nicht. Spätere Anlagen müssten direkt auf dem Mond arbeiten. Dort herrschen Hochvakuum und deutlich geringere Schwerkraft als auf der Erde. Viele gewohnte Verfahren lassen sich unter solchen Bedingungen nicht einfach übertragen.

Cheng Yanhua vergleicht die Herausforderung sinngemäß mit dem Versuch, Zuckerfiguren in einem Vakuum herzustellen. Deshalb entwickelte das Team eine eigene Spinnanlage, die Mondbedingungen nachbildet. Dort konnten die Forscher Mondboden schmelzen und zu Fasern verarbeiten.

Eigene Technik entsteht über Jahre hinweg

Die Arbeiten begannen bereits 2016. Zhu Meifang und ihre Kollegen entwickelten ihre Anlagen über mehrere Generationen weiter. Laut Angaben der Donghua University entstanden drei zentrale Systemgenerationen. Zunächst ließen sich nur winzige Materialmengen verarbeiten. Später gelang eine kontinuierliche Herstellung unter Hochvakuum.

Den Wissenschaftlern zufolge basiert die Technik vollständig auf eigener Entwicklung. Im Jahr 2025 erhielt sie dafür einen Spitzenpreis auf der China International Industry Fair.

Transportkosten machen Mondboden interessant

Der mögliche Nutzen liegt vor allem in der Logistik. Baumaterial von der Erde zum Mond zu bringen, ist extrem teuer. Ein Mitglied des Teams formuliert es so: „Die Transportkosten zwischen Erde und Mond sind extrem hoch. Der Bau künftiger Mondforschungsstationen muss auf lokale Ressourcen setzen.“

Mondboden liegt bereits dort, wo er später gebraucht werden könnte. Das würde Transporte von der Erde verringern und den Aufbau einer Mondstation erleichtern.

Fasern könnten Mondbeton verstärken

Die Forscher sehen mehrere mögliche Anwendungen. Die Fasern könnten in flexible Strukturen eingewebt werden. Außerdem könnten sie Mondbeton verstärken. Auf der Erde übernehmen Stahlstäbe diese Aufgabe in Gebäuden, Brücken oder Tunneln. Die Entwickler sprechen deshalb von einer möglichen „Stahlbewehrung“ für spätere Mondstationen.

Noch steht die Technik am Anfang. Die Forscher arbeiten weiter an den Grundlagen. Von einem praktischen Einsatz auf dem Mond ist das Projekt noch entfernt.

Mondbasis braucht Baustoffe, die im freien Weltraum bestehen

Die aktuelle Mission soll zeigen, wie sich die Fasern unter realen Weltraumbedingungen verhalten. Auf der Außenplattform der chinesischen Raumstation wirken Belastungen, die sich auf der Erde nur begrenzt nachstellen lassen.

Die Proben müssen dabei mehreren Faktoren standhalten:

  • Hochvakuum
  • starke kosmische Strahlung
  • extreme Temperaturunterschiede
  • langfristige Belastung im freien Weltraum

Die Forscher wollen wissen, ob die Fasern ihre Eigenschaften behalten oder sich verändern. Diese Daten sind wichtig, bevor Mondboden eines Tages als Baustoff für Raumfahrtprojekte infrage kommt.

Mondstaub könnte mehr werden als eine wissenschaftliche Probe

Im April 2025 zeigte China die Mondboden-Fasern bereits bei einer Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen seines Mondprogramms. Nun folgt die Erprobung unter realen Bedingungen im All.

Noch baut niemand Häuser auf dem Mond. Die aktuellen Versuche klären zunächst, ob sich Mondboden zuverlässig zu technischen Materialien verarbeiten lässt. Gelingt das, könnte aus einer wissenschaftlichen Probe langfristig ein Rohstoff für künftige Mondstationen werden.

Kurz zusammengefasst:

  • China testet Fasern aus Mondboden an seiner Raumstation, weil Baumaterial für eine künftige Mondbasis nicht teuer von der Erde transportiert werden soll.
  • Die Donghua University stellt die Fasern her, indem sie Mondboden stark erhitzt und zu haarfeinen Fäden zieht; eine Probe war rund drei Meter lang und nur gut zehn Mikrometer dünn.
  • Die Tests im All sollen klären, ob die Fasern Hochvakuum, Strahlung und extreme Temperaturwechsel aushalten und später Mondbeton oder flexible Bauteile verstärken können.

Übrigens: Während China erforscht, wie sich Mondboden als Baustoff für eine Mondbasis nutzen lässt, plant ein japanischer Konzern bereits deutlich größer. Ein 11.000 Kilometer langer Solarring um den Mond soll Energie zur Erde schicken. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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