Forscher entdecken neue „Happy-Face-Spinne“ im Himalaya – sie trägt ein Lächeln auf dem Rücken

Im Himalaya haben Forscher eine neue „Happy-Face-Spinne“ entdeckt. Ihre Muster ähneln einer Hawaii-Art, doch die DNA erzählt eine andere Geschichte.

Happy-Face-Spinnen

Ein ausgewachsenes Männchen (links) und ein Weibchen (rechts) zeigen die neu entdeckte Spinnenart Theridion himalayana aus dem Himalaya. © Devi Priyadarshini und Ashirwad Tripathy

Eine Spinne mit rotem Smiley auf dem Rücken galt lange als seltene Naturkuriosität aus Hawaii. Jetzt fanden Forscher ein fast identisches Tier im Himalaya – mehr als 12.000 Kilometer entfernt. Die neue „Happy-Face-Spinne“ lebt versteckt unter Blättern in den Bergwäldern Nordindiens und gibt Wissenschaftlern neue Hinweise darauf, wie Evolution ähnliche Muster an völlig verschiedenen Orten hervorbringen kann.

Die neue Art trägt den Namen Theridion himalayana. Gefunden wurde sie in den Wäldern von Uttarakhand im Norden Indiens auf über 2000 Metern Höhe. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Evolutionary Systematics. Besonders rätselhaft bleibt die Frage, warum zwei weit entfernte Spinnenarten fast dieselben Muster entwickelt haben.

Happy-Face-Spinne zeigt erstaunlich viele Muster

Schon der erste Blick auf die Tiere wirkt ungewöhnlich. Manche Spinnen tragen einen roten Ring auf dem Rücken. Andere zeigen schwarze Punkte oder langgezogene Streifen. Einige Muster erinnern auffällig an ein lächelndes Gesicht.

Die Forscher dokumentierten insgesamt 32 verschiedene Farbvarianten. Untersucht wurden 61 Tiere aus drei Regionen im Himalaya: Makku, Tala und Mandal. Darunter befanden sich 24 Männchen und 37 Weibchen. Besonders auffällig waren die Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern:

  • Rund 88 Prozent der Männchen besaßen eher unauffällige Tarnfarben
  • Mehr als 75 Prozent der Weibchen zeigten das typische rote Smiley-Muster
  • Insgesamt fanden die Forscher fünf große Mustergruppen

Die Wissenschaftler vermuten dahinter unterschiedliche Überlebensstrategien. Männchen bewegen sich häufiger durch den Wald. Tarnfarben könnten sie besser vor Vögeln schützen. Weibchen bleiben meist länger an einem Ort und bewachen später vermutlich ihre Eier.

DNA verrät unabhängige Entwicklung

Äußerlich ähnelt die neue Art der berühmten Happy-Face-Spinne aus Hawaii stark. Genetisch sieht das jedoch anders aus. Die DNA wich um rund 8,5 Prozent von den hawaiianischen Tieren ab. Damit gilt die Himalaya-Spinne als eigenständige Art. Die Ähnlichkeit entstand offenbar unabhängig voneinander. Fachleute sprechen von konvergenter Evolution. Dabei entwickeln Tiere an verschiedenen Orten ähnliche Merkmale.

Die berühmte hawaiianische Happy-Face-Spinne galt lange als einzigartige Art des Pazifiks. Nun fanden Forscher im Himalaya eine verblüffend ähnliche Spinne mit vergleichbaren Smiley-Mustern auf dem Rücken.
© Wikimedia Die hawaiianische Happy-Face-Spinne trägt auffällige Muster auf dem Hinterleib, die an ein lächelndes Gesicht erinnern. © NPS Photo/Michael Newman, Hawaii Volcanoes National Park via Wikimedia unter Public Domain

Die Autoren der Studie schreiben: „Die unabhängige Entwicklung des auffälligen Happy-Face-Musters liefert überzeugende Hinweise auf konvergente Evolution.“ Natur bringt ähnliche Lösungen offenbar mehrfach hervor. Bekannt ist das etwa von Flügeln bei Vögeln und Fledermäusen. Nun könnte ein ähnlicher Effekt auch hinter den lächelnden Spinnenmustern stecken.

Die Tiere leben versteckt unter Blättern

Die Spinnen hängen fast ausschließlich auf der Unterseite großer Blätter. Dort bauen sie feine Netze dicht an der Blattfläche. Häufig fanden die Forscher die Tiere auf Pflanzen wie Daphniphyllum himalense, Zimtbäumen und Ingwergewächsen der Gattung Hedychium.

Gerade die Ingwerpflanzen machten die Forscher stutzig. Auch die hawaiianische Happy-Face-Spinne lebt häufig auf solchen Pflanzen. Das Überraschende daran: Diese Gewächse stammen ursprünglich aus Asien und wurden erst später nach Hawaii gebracht.

Andere Tiere tragen ähnliche Farben

Rund um die Spinnen fanden die Wissenschaftler weitere Tiere mit ähnlichen Farbkombinationen. Dazu gehörten Frösche, Blattläuse, Wanzen und andere Spinnenarten. Viele zeigten ebenfalls Rot-, Gelb-, Schwarz- oder Grüntöne. Die Forscher vermuten deshalb Tarn- oder Nachahmungseffekte. Manche Tiere könnten gefährlicher wirken, als sie tatsächlich sind. Andere verschmelzen besser mit ihrer Umgebung.

„Diese Muster helfen ihnen definitiv beim Überleben in der Wildnis“, sagt Mitautorin Devi Priyadarshini vom Regional Museum of Natural History über die Happy-Face-Spinnen. Warum die Tiere genau solche Zeichnungen entwickelten, sei aber weiter ungeklärt.

Auch das Verhalten der Spinnen fiel auf. Die Tiere bewegen sich langsam und bleiben meist ruhig sitzen. Anders als viele andere Spinnen lassen sie sich bei Gefahr nicht einfach fallen.

Entdeckung gelang eher zufällig

Eigentlich suchte das Forschungsteam gar nicht nach Spinnen. Die Wissenschaftler untersuchten ursprünglich Ameisen in den Bergwäldern des Himalaya. Priyadarshini erinnerte sich später an den Moment der Entdeckung: „Ich erstarrte vor Schock.“ Ihr Kollege Ashirwad Tripathy habe ihr Fotos von Spinnen aus Hochlagen geschickt. Als sie das Tier auf der Unterseite eines Daphniphyllum-Blattes gesehen habe, habe sie die Ähnlichkeit sofort erkannt. „Ich kannte die hawaiianische Spinne bereits aus meinem Masterstudium“, erklärte Priyadarshini. „Mir war sofort klar, dass wir hier etwas Besonderes gefunden hatten.“

Die neue Art bleibt winzig. Weibchen erreichen knapp drei Millimeter Körpergröße. Männchen bleiben noch kleiner. Trotzdem könnte die Spinne für die Evolutionsforschung wichtig werden. Die Autoren sehen in ihr ein geeignetes Modell, um Farbvariationen und genetische Unterschiede besser zu verstehen.

Lebensraum steht bereits unter Druck

Die bekannte Population lebt nahe einer Straße Richtung Kedarnath-Wildschutzgebiet. Tourismus und Bauarbeiten verändern dort zunehmend die Wälder. Die Forscher warnen deshalb vor möglichen Folgen für die empfindlichen Lebensräume. Die Tiere fanden sie vor allem tief im Wald auf gesunden Blättern. Erwachsene Spinnen tauchten meist im Oktober auf. Dann beginnt vermutlich ihre Fortpflanzungszeit. Eier entdeckte das Team bislang nicht.

Noch blieben viele Fragen offen. Warum tragen vor allem Weibchen das auffällige Muster? Weshalb leben die Tiere bevorzugt auf bestimmten Pflanzen? Und warum zeigen so viele andere Waldbewohner ähnliche Farben? Die Wissenschaftler suchen weiter nach Antworten.

Kurz zusammengefasst:

  • Die neu entdeckte „Happy-Face-Spinne“ aus dem Himalaya sieht der berühmten Hawaii-Spinne erstaunlich ähnlich, entwickelte sich laut DNA-Analyse aber unabhängig davon.
  • Die Forscher dokumentierten 32 verschiedene Farbvarianten und fanden starke Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen, was auf unterschiedliche Überlebensstrategien hindeuten könnte.
  • Die winzige Spinne lebt versteckt unter Blättern in Bergwäldern Nordindiens und könnte helfen, besser zu verstehen, wie Evolution ähnliche Muster an völlig verschiedenen Orten hervorbringt.

Übrigens: Nicht nur im Himalaya entdecken Forscher rätselhafte neue Spinnenarten – auch in den Höhlen von Laos leben winzige Tiere mit erstaunlichen Anpassungen wie fehlenden Augen oder Brutpflege mit den Fangzähnen. Einige Arten kommen nur in einzelnen Höhlen vor. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Devi Priyadarshini und Ashirwad Tripathy

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