Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben – doch Millionen Beschäftigte bleiben außen vor

Homeoffice bleibt trotz Krise fest im Arbeitsmarkt verankert: 20 Prozent der Jobs bieten es an. Doch vor allem IT-Berufe und Akademiker profitieren.

Frau im Homeoffice

Während IT-Berufe Homeoffice fast schon als Standard anbieten, finden sich frauendominierte Berufe wie Pflege oder Erziehung deutlich seltener im Ranking. © Unsplash

Homeoffice ist für viele Beschäftigte längst kein Extra mehr, sondern ein fester Bestandteil des Alltags. Wer Kinder betreut, Angehörige pflegt oder lange pendelt, spürt schnell, wie viel Zeit und Stress einem flexible Arbeit ersparen. Trotz Wirtschaftskrise bleibt dieses Modell stabil: Rund jede fünfte Stelle bietet weiterhin die Möglichkeit, zumindest teilweise von zu Hause zu arbeiten.

Doch die Vorteile sind ungleich verteilt. Homeoffice findet sich vor allem in gut bezahlten, akademischen und oft männerdominierten Berufen. In Pflege, Erziehung oder Gesundheit bleibt flexible Arbeit deutlich seltener – obwohl gerade dort der Wunsch nach mehr Entlastung besonders groß ist.

Homeoffice bleibt auf hohem Niveau stabil

Die Bertelsmann Stiftung hat dafür rund 79 Millionen Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 20 Prozent aller Stellenangebote enthalten inzwischen ein Homeoffice-Angebot. Das entspricht fast genau dem Niveau des Vorjahres mit 20,6 Prozent.

Vor der Corona-Pandemie sah das noch ganz anders aus. 2019 tauchte diese Möglichkeit nur in 3,7 Prozent der Anzeigen auf. Bis 2022 stieg der Anteil bereits auf 16,8 Prozent. Seit 2024 hält sich die Quote stabil bei rund 20 Prozent.

Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin von der Bertelsmann Stiftung bringt es auf den Punkt: „Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht.“ Sein Fazit lautet:

Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben.

Heute gibt es bei jedem fünften Jobangebot die Option, remote zu arbeiten.
Homeoffice bleibt trotz Krise ein fester Teil des Arbeitsmarkts: Bereits jedes fünfte Stellenangebot in Deutschland bietet die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten. © Bertelsmann Stiftung

Wer Homeoffice bekommt, hängt stark vom Beruf ab

Nicht jeder Beruf lässt sich vom Küchentisch aus erledigen. Trotzdem zeigen die Zahlen einen deutlichen Unterschied zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Je höher die Qualifikation, desto größer ist meist auch die Chance auf mobiles Arbeiten.

Bei Stellen für Expertinnen und Experten mit Masterabschluss oder vergleichbarer Qualifikation liegt die Homeoffice-Quote bei 35 Prozent. Bei Spezialistinnen und Spezialisten wie Meistern, Technikern oder Bachelor-Absolventen sind es noch 30 Prozent. Auf Helferniveau fällt der Wert drastisch auf nur vier Prozent.

Das bedeutet: Gerade Menschen mit niedrigerem Einkommen und weniger beruflicher Flexibilität haben oft keinen Zugang zu diesem Vorteil.

Männerdominierte Berufe liegen klar vorne

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen männer- und frauendominierten Berufen. In Jobs mit einem Männeranteil von mehr als 70 Prozent ist Homeoffice deutlich häufiger Teil des Angebots. In hochqualifizierten Berufen ist der Abstand besonders groß. Während in vielen IT- und Technikjobs flexibles Arbeiten fast selbstverständlich geworden ist, bleibt es in sozialen Berufen oft die Ausnahme.

Das trifft besonders viele Frauen. Denn Pflege, Gesundheit, Erziehung und soziale Arbeit sind weiterhin stark weiblich geprägt. Erst auf Platz 14 erscheint mit der Steuerberatungsfachkraft ein klar frauendominierter Beruf im Ranking.

Homeoffice bleibt trotz Krise vor allem in männerdominierten Berufen verbreitet. Erst auf Platz 14 erscheint mit der Steuerberatungsfachkraft ein frauendominierter Beruf im Ranking.
Homeoffice bleibt trotz Krise ungleich verteilt: Vor allem männerdominierte Berufe bieten flexible Arbeit, während frauendominierte Jobs deutlich seltener im Ranking auftauchen. © Bertelsmanns Stiftung

IT-Jobs und Steuerberatung profitieren besonders stark

An der Spitze stehen vor allem Berufe aus der IT. Unter den zehn Jobs mit den meisten Homeoffice-Angeboten finden sich gleich sieben IT-Berufe. Besonders hoch ist die Quote hier:

  • IT-Anwendungsberatung: 68,5 Prozent
  • Steuerberatung: 66,9 Prozent
  • Anlageberatung und Finanzdienstleistung: 64,6 Prozent
  • IT-Netzwerkadministration: 63,8 Prozent
  • Medieninformatik: 62,0 Prozent
  • Softwareentwicklung: über 60 Prozent

Für viele Beschäftigte in diesen Bereichen ist Homeoffice längst keine Zusatzleistung mehr, sondern fast Standard.

Für Familien ist Homeoffice oft mehr als nur Komfort

Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, kennt das Problem. Arbeitswege kosten Zeit, spontane Termine bringen den Tagesplan durcheinander und starre Präsenzpflicht macht vieles komplizierter.

Michaela Hermann, Expertin für Frauenerwerbstätigkeit bei der Bertelsmann Stiftung, sagt deshalb: „Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument für Menschen mit Sorgeverantwortung.“ Besonders für Eltern und Pflegende sei ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen. Für Alleinerziehende gelte das in besonderem Maße.

Sie ergänzt: „Wo mobiles Arbeiten also grundsätzlich möglich ist, sollten Arbeitgeber:innen diese Option klar kommunizieren.“ Doch sie warnt auch: „Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch.“

Wer Homeoffice mit ständiger Erreichbarkeit oder der Verpflichtung zu Überstunden verwechselt, verschenkt laut Hermann das gleichstellungspolitische Potenzial dieser Arbeitsform. Gerade in Pflege, Gesundheit und Erziehung brauche es deshalb zusätzliche Modelle, die mehr Zeitsouveränität ermöglichen.

Stuttgart ist Deutschlands Homeoffice-Hauptstadt

Auch der Wohnort spielt eine große Rolle. In Großstädten gibt es deutlich mehr Stellen mit Homeoffice als auf dem Land. Dort sitzen mehr Unternehmen aus IT, Beratung, Finanzen und Verwaltung. In kreisfreien Großstädten liegt die Quote bei 28,8 Prozent. In städtischen Kreisen sind es 15,8 Prozent. In ländlichen Kreisen mit Verdichtungsansätzen liegt der Wert bei 12,6 Prozent. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen sind es nur 11,7 Prozent.

Spitzenreiter ist Stuttgart mit 38 Prozent. Dahinter folgen Düsseldorf mit 37 Prozent und Frankfurt am Main mit 36 Prozent. Besonders wenig Homeoffice gibt es dagegen in vielen ländlichen Regionen, etwa in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern. Dort fehlen oft genau die Branchen, in denen mobiles Arbeiten leicht möglich ist.

Ein deutliches Gefälle gibt es auch zwischen Stadt und Land.
Homeoffice bleibt trotz Krise vor allem in Großstädten verbreitet, weil sich dort mehr Unternehmen mit flexiblen Arbeitsmodellen angesiedelt haben als auf dem Land. © Bertelsmann Stiftung

Kurz zusammengefasst:

  • Homeoffice bleibt trotz Wirtschaftskrise fest im Arbeitsmarkt verankert: Rund 20 Prozent aller Stellenanzeigen bieten mobiles Arbeiten an, vor Corona waren es nur 3,7 Prozent.
  • Wer Homeoffice nutzen kann, hängt stark von Beruf, Qualifikation und Geschlecht ab: Besonders häufig profitieren Akademiker, IT-Beschäftigte und männerdominierte Berufe, während Pflege, Erziehung und Gesundheit deutlich seltener flexible Arbeit ermöglichen.
  • Für Eltern, Pflegende und Alleinerziehende ist Homeoffice oft mehr als Komfort, weil es Zeit spart und den Alltag erleichtert. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass gerade viele Berufe mit hoher Familienbelastung von dieser Flexibilität noch immer ausgeschlossen bleiben.

Übrigens: Homeoffice entlastet nicht nur den Alltag, sondern kann die Produktivität sogar deutlich steigern – Beschäftigte erledigen einer Studie zufolge im Schnitt rund 20 Prozent mehr als im Büro. Doch ab zu viel Heimarbeit kippt der Effekt, weil Austausch und Zusammenarbeit leiden. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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