2000 Jahre alt und immer noch erkennbar: Forscher finden römisches Brot in der Schweiz

In der Schweiz legen Archäologen römische Spuren frei. Ein steinähnlicher Fund in Windisch erweist sich als 2000 Jahre altes römisches Brot.

Sorgfältig im Erdblock geborgen: Restauratorinnen sichern das verkohlte römische Brot für weitere Analysen. © Kanton Aargau

Sorgfältig im Erdblock geborgen: Restauratorinnen sichern das verkohlte römische Brot für weitere Analysen. © Kanton Aargau

Brot hält sich normalerweise nur wenige Tage. In Windisch im Kanton Aargau, dem früheren Vindonissa, hat ein verkohltes römisches Brot jedoch fast 2000 Jahre überstanden – und ist noch immer als kleines Fladenbrot erkennbar.

Archäologen machten den seltenen Fund dort, wo einst eines der wichtigsten römischen Militärlager der Schweiz lag. Das Stück erzählt von der Ernährung der Soldaten und vom Alltag hinter der Lagermauer: von Feuerstellen, Werkstätten und einem frühen Truppenlager, dessen Größe nun besser bestimmbar wird.

Die Entdeckung gelang bei einer Rettungsgrabung im Bereich des antiken Vindonissa. Das Areal liegt unmittelbar vor der ehemaligen Südwestfront des römischen Legionslagers. Fachleute der Kantonsarchäologie Aargau untersuchen dort seit August 2025 ein rund 4000 Quadratmeter großes Gelände, bevor eine Wohnüberbauung entsteht.

Archäologen legen frühes Lager frei

Unter der Oberfläche kamen Strukturen zum Vorschein, die älter sind als das bekannte Legionslager aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Besonders auffällig sind zwei parallel verlaufende Gräben. In ihnen standen einst regelmäßig gesetzte Holzpfosten.

Diese Spuren markieren eine sogenannte Holz-Erde-Mauer. Ergänzt wird sie durch einen Spitzgraben, der als Verteidigung diente. Solche Anlagen gehörten zur Standardausstattung römischer Militärlager. Der neue Fund erweitert das Bild deutlich.

Erstmals lässt sich die Größe des frühen Truppenlagers genauer bestimmen. Die Nord-Süd-Ausdehnung lag bei etwa 400 Metern. Damit wird klar, dass der Standort schon früh eine wichtige militärische Rolle spielte.

Überreste der frühen Lagerbefestigung: Die Holz-Erde-Mauer mit den regelmäßigen Pfostenabdrücken markiert das erste Truppenlager. © Kanton Aargau
Überreste der frühen Lagerbefestigung: Die Holz-Erde-Mauer mit den regelmäßigen Pfostenabdrücken markiert das erste Truppenlager. © Kanton Aargau

Noch offen bleibt die Frage nach dem genauen Zeitpunkt des Ausbaus. Möglich ist eine Entwicklung unter Kaiser Augustus. Ebenso kommt eine Phase nach dessen Tod im Jahr 14 nach Christus in Betracht, unter seinem Nachfolger Tiberius.

Gebäude und Feuerstellen zeigen den Alltag

Im Inneren des älteren Lagers fanden Archäologen gut erhaltene Strukturen. Ein Gebäude mit zwei gleich aufgebauten Raumgruppen sticht hervor. Kleine Räume liegen neben größeren Bereichen mit Feuerstellen. Diese Anordnung deutet auf eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten hin. Soldaten nutzten die Räume nicht nur zum Schlafen, sondern auch für alltägliche Aufgaben. Die Funde machen deutlich, wie organisiert das Leben im Lager war.

Weitere Spuren belegen handwerkliche Tätigkeiten. Werkzeuge aus Metall, Schmiedeabfälle und Produktionsreste zeigen, dass vor Ort gearbeitet wurde.

Neben Handwerksspuren fanden Archäologen auch militärische Gegenstände. Dazu gehören Lanzen- und Geschossspitzen. Sie bestätigen die Funktion des Standorts als militärischer Stützpunkt.

Ein großer Ofen aus Lehm liefert zusätzliche Hinweise. Er liegt direkt innerhalb der früheren Befestigung. Solche Öfen dienten wahrscheinlich der Verarbeitung von Materialien oder der Versorgung der Truppe.

Römisches Brot aus Vindonissa liefert seltene Einblicke

Das Brot misst etwa zehn Zentimeter im Durchmesser und ist rund drei Zentimeter dick. In seiner Form erinnert es an ein kleines Fladenbrot. Ein Archäobotaniker der Universität Basel sagt: „Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um ein verkohltes römisches Brot.“

Ein seltener Blick in den römischen Alltag: Das verkohlte Brot blieb fast 2000 Jahre erhalten. © Kanton Aargau
Ein seltener Blick in den römischen Alltag: Das verkohlte Brot blieb fast 2000 Jahre erhalten. © Kanton Aargau

Solche Funde gelingen nur selten. Brot zerfällt schnell. Erhalten bleibt es über Jahrhunderte meist nur, wenn es verkohlt. Bekannte Beispiele stammen aus Pompeji, wo der Ausbruch des Vesuvs ganze Bäckereien konservierte.

Nun soll ein Speziallabor in Wien klären, woraus das Brot bestand und wie es hergestellt wurde.

Kurz zusammengefasst:

  • In Vindonissa fanden Archäologen ein verkohltes römisches Brot, das fast 2000 Jahre überstanden hat und wohl erstmals einen solchen Fund in der Schweiz belegt.
  • Die Rettungsgrabung zeigt auch Spuren eines frühen römischen Truppenlagers mit Holz-Erde-Mauer, Spitzgraben, Gebäuden, Feuerstellen und Werkstätten.
  • Der Fund macht römischen Alltag greifbar: Er liefert Hinweise auf Ernährung, Versorgung und Arbeit im Militärlager.

Übrigens: Auch Pompeji liefert neue Einblicke in römische Technik – dort fanden Forscher eine Baustelle, deren Beton kleine Risse selbst schließen konnte. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Kanton Aargau

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