Für den Osterhasen verschwinden immer mehr Regenwälder

WWF-Daten zeigen: Für den Kakaoanbau werden immer mehr Regenwälder gerodet. Das trifft Klima, Artenvielfalt und langfristig auch den Schokoladenpreis.

Gerodete Waldflächen in Kongo

Gerodete Waldflächen in Kongo: Solche Flächen werden häufig für neue Kakao-Plantagen genutzt, wenn ältere Böden an Ertrag verlieren. © Wikimedia

Schokohasen stehen gerade wieder tonnenweise in den Regalen, und Deutschland zählt seit Jahren zu den größten Schokoladenmärkten Europas. Der Kakao dafür kommt fast vollständig aus tropischen Anbauregionen. Dort verschwindet vielerorts Regenwald, weil für neue Plantagen Wald gerodet wird. Eine aktuelle Auswertung des WWF belegt diese Entwicklung mit konkreten Zahlen.

Auffällig ist vor allem das Muster hinter dem Waldverlust. Kakao treibt die Entwaldung nicht punktuell voran, sondern nach einem wirtschaftlichen Prinzip, das sich seit Jahrzehnten wiederholt. Frisch gerodete Flächen bringen zunächst gute Erträge. Lässt die Bodenfruchtbarkeit nach, wandert der Anbau weiter in neue Waldgebiete.

Kakaoanbau verdrängt Wälder immer weiter

Kakao gedeiht besonders gut auf frisch gerodeten Flächen. Der Boden ist dort zunächst fruchtbar, die jungen Pflanzen wachsen schnell und die ersten Erträge fallen oft gut aus. Nach einigen Jahren lässt die Fruchtbarkeit nach, die Ernten sinken deutlich, und viele Plantagen bringen deutlich weniger ein.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Lage vieler Bauern. Viele Kleinbauern können sich aufwendige Maßnahmen zur Bodenverbesserung nicht leisten. Sie bewirtschaften oft nur kleine Flächen von drei bis fünf Hektar und erzielen im Schnitt 600 bis 800 Kilogramm Kakao pro Jahr. Reicht das Einkommen nicht aus, bleibt häufig nur ein Ausweg: neue Flächen roden.

Entwaldung ist ein wiederkehrendes System – Kakao hält es am Laufen

So entsteht ein Muster, das sich seit Langem durch den Kakaosektor zieht: Wald wird gerodet, Kakao wird angebaut, der Boden verliert mit der Zeit an Kraft, dann verlagert sich der Anbau in neue Gebiete. Der WWF beschreibt diesen Ablauf als einen wirtschaftlichen Kreislauf, der sich über Jahrzehnte verfestigt hat.

Einige Zahlen aus der Auswertung machen die Dimension greifbar:

  • Rund 60 Prozent der durch Agrarrohstoffe verursachten Entwaldung in Ländern wie Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun hängen mit Kakao zusammen
  • In Liberia gingen zwischen 2021 und 2024 etwa 2,5 Millionen Hektar Wald verloren, rund 15 Prozent davon durch Kakao
  • In Kamerun wurden 2023 etwa 103.000 Hektar Primärwald zerstört – ein Höchstwert

Diese Entwicklung verschiebt den Anbau immer weiter in bislang unberührte Regionen.

Neue Waldgebiete geraten zunehmend unter Druck

Besonders stark trifft diese Entwicklung inzwischen Länder wie Liberia und Kamerun. Dort gibt es noch größere zusammenhängende Waldflächen, und das macht sie für die Ausweitung des Kakaoanbaus attraktiv. Was zuvor in Elfenbeinküste und Ghana geschah, droht sich nun in neuen Regionen zu wiederholen.

Brisant ist vor allem der Blick auf das Kongobecken. Dort liegt nach dem Amazonas der zweitgrößte Regenwald der Erde. Zugleich gehört die Region zu den artenreichsten Ökosystemen überhaupt. Der WWF warnt, dass gerade diese noch vergleichsweise intakten Waldgebiete unter Druck geraten, wenn sich der Kakaosektor weiter ausdehnt.

Steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge erschweren den Anbau in bisherigen Regionen. Geeignete Flächen werden seltener. Das führt dazu, dass sich der Anbau erneut verlagert.

Zudem verstärkt die Entwaldung selbst den Klimawandel. Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff. Wenn sie verschwinden, gelangen zusätzliche Emissionen in die Atmosphäre. Ein Kreislauf entsteht, der sich gegenseitig antreibt.

Preise treiben die Entwicklung weiter an

Auch die wirtschaftliche Lage spielt eine wichtige Rolle. Der Kakaopreis am Markt unterliegt zuletzt starken Schwankungen. Im Juni 2024 lag er bei rund 11.530 Dollar pro Tonne. Ein Jahr zuvor waren es etwa 3.182 Dollar. Im Frühjahr 2026 sank der Preis wieder stark auf teilweise unter 4.000 Dollar pro Tonne.

Steigende Preise machen den Anbau attraktiver. Gleichzeitig bleibt die Produktion hinter der Nachfrage zurück. Das erhöht den Druck, neue Flächen zu erschließen.

Politisch gibt es inzwischen erste Gegenmaßnahmen. Die EU-Waldschutzverordnung soll sicherstellen, dass importierte Rohstoffe nicht mit Entwaldung verbunden sind. Unternehmen müssen künftig genau nachweisen, wo ihr Kakao angebaut wurde.

Der WWF sieht darin einen wichtigen Schritt. „Beim Blick auf die Schokolade wird deutlich, wie direkt unser Konsum in Deutschland und Europa mit der globalen Waldzerstörung verknüpft ist. Diese Verantwortung müssen wir ernst nehmen“, sagt Johannes Zahnen vom WWF Deutschland.

Streit um Regeln entscheidet über Wirkung

Aktuell wird die Verordnung überarbeitet. Dabei steht zur Diskussion, ob bestimmte Anforderungen gelockert werden sollen. Der WWF warnt vor möglichen Folgen. „Das ist ein politisches Problem, was wir nicht auf die Verbraucher abwälzen können. Wir brauchen klare und verbindliche Regeln“, sagt Zahnen. Besonders kritisch sieht er die Rückverfolgbarkeit der Produkte.

Unterstützung kommt aus den Anbauländern selbst. Mehr als 120 Organisationen aus Ghana und der Elfenbeinküste haben sich für die Verordnung ausgesprochen. Sie vertreten über 700.000 Kleinbauern.

Viele hoffen auf stabile Preise und bessere Bedingungen. Klare Regeln könnten helfen, nachhaltigere Anbaumethoden zu fördern und langfristige Perspektiven zu schaffen.

Kurz zusammengefasst:

  • Für Kakao wird in vielen Tropenregionen Regenwald gerodet, weil frische Waldflächen anfangs besonders gute Erträge liefern.
  • Sinkt später die Bodenfruchtbarkeit, verlagert sich der Anbau oft weiter in neue Waldgebiete – dieser Kreislauf treibt die Entwaldung seit Jahren an.
  • WWF-Daten zeigen: Das bedroht Klima und Artenvielfalt, erhöht den Druck auf Regionen wie Liberia und Kamerun und könnte langfristig auch Kakao knapper und teurer machen.

Übrigens: Der Druck auf die Kakaoregionen wächst nicht nur durch Rodungen – auch der Klimawandel verschiebt den Anbau bereits, und in Kolumbien könnte bis 2050 jede fünfte heutige Fläche ungeeignet werden. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Verhody via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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