Kleine Klimaschützer mit großer Wirkung: Biber speichern überraschend viel CO₂
Biber verändern Gewässer so stark, dass sie beim Klimaschutz helfen und deutlich mehr CO₂ im Boden binden.
Biber könnten sich als unerwartete Helfer im Klimaschutz erweisen, denn neue Forschung zeigt, dass sie große Mengen CO₂ in Landschaften speichern können. © Pexels
Biber verwandeln Flüsse in CO₂-Speicher. Eine neue Studie unter Leitung der University of Birmingham zeigt, dass ihre Dämme Kohlenstoff im Boden festhalten und so die Freisetzung in die Atmosphäre bremsen können.
Durch aufgestautes Wasser entstehen Feuchtgebiete, in denen Sedimente, Pflanzenreste und Totholz länger erhalten bleiben. So entwickelte sich in einer untersuchten Flusslandschaft in der Schweiz aus einem gewöhnlichen Bachabschnitt innerhalb weniger Jahre ein wirksamer Kohlenstoffspeicher.
Feuchtgebiete durch Biber binden Kohlenstoff
Sobald Biber ein Gewässer besiedeln, verändert sich der Verlauf des Wassers. Es wird angestaut, fließt langsamer und tritt stellenweise über die Ufer. So entstehen Feuchtgebiete, die Kohlenstoff aufnehmen und binden. Mehrere Prozesse greifen dabei ineinander:
- Wasser bleibt länger im System und versickert im Boden.
- Sedimente lagern sich ab und binden Kohlenstoff.
- Pflanzen wachsen dichter und speichern zusätzlich CO₂.
- Totholz sammelt sich und bleibt langfristig erhalten.
Der größte Effekt entsteht im nassen Boden unter den aufgestauten Flächen. Gelöster Kohlenstoff wird aus dem Wasser entfernt und im Untergrund gebunden. Mehr als die Hälfte der gesamten Speicherung geht auf diesen Mechanismus zurück. Dr. Joshua Larsen von der University of Birmingham erklärt: „Biber verändern nicht nur Landschaften, sie verschieben grundlegend, wie CO₂ durch sie fließt.“
Biber erhöhen CO₂-Speicherung deutlich
Die Messwerte zeigen: Das untersuchte Gebiet speichert im Durchschnitt rund 98 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Ohne Biber liegt der Wert bei nur etwa 0,5 Tonnen. Der Unterschied fällt extrem aus. Über einen längeren Zeitraum ergibt sich daraus:
- rund 1.194 Tonnen gespeicherter Kohlenstoff in 13 Jahren
- bis zu zehnmal höhere Speicherung als ohne Biber
- etwa 10,1 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr
Damit erreichen diese Flächen Werte, die sonst nur mit technischen Maßnahmen möglich sind.
Aufgestaute Flächen werden zu stabilen CO₂-Speichern
Durch das aufgestaute Wasser entstehen neue Bodenschichten aus Schlamm, Pflanzenresten und Holz. In diesen Sedimenten sammelt sich Kohlenstoff an und bleibt dort erhalten. Die Daten zeigen die Unterschiede zu normalen Böden:
- bis zu 14-mal mehr anorganischer Kohlenstoff
- bis zu 8-mal mehr organischer Kohlenstoff
- rund 45 Prozent der Speicherung stammen aus Totholz
Diese Kombination sorgt dafür, dass Kohlenstoff über lange Zeiträume gebunden bleibt. Die Feuchtgebiete entwickeln sich zu stabilen Speichern.
Im Sommer entweicht kurzzeitig CO₂
Der Effekt verändert sich im Jahresverlauf. Sinkt im Sommer der Wasserstand, liegen Teile des Bodens frei. Dann entweicht vorübergehend mehr CO₂. Über das ganze Jahr bleibt die Bilanz jedoch positiv. Die Speicherung überwiegt deutlich. Methan, oft ein Problem in Feuchtgebieten, spielt hier kaum eine Rolle. Es macht weniger als 0,1 Prozent der gesamten Kohlenstoffbilanz aus.
Biber können langfristig zum Klimaschutz beitragen
Mit der Zeit verdichten sich die Sedimente weiter. Pflanzenreste zersetzen sich langsamer. Der gespeicherte Kohlenstoff bleibt über Jahrzehnte im Boden. Schon nach gut zehn Jahren entwickelte sich das untersuchte Gebiet zu einem stabilen Kohlenstoffspeicher.
„Innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt hat sich das System zu einer langfristigen Kohlenstoffsenke entwickelt, deutlich stärker als ein unbeeinflusster Flussabschnitt“, resümiert Dr. Lukas Hallberg, ebenfalls von der University of Birmingham.
Hochgerechnet auf geeignete Flächen zeigt sich, welches Potenzial die Nagetieren als Klimaschützer haben: Bibergebiete könnten zwischen 1,2 und 1,8 Prozent der jährlichen Emissionen eines Landes ausgleichen. Und das ohne technische Eingriffe oder zusätzliche Kosten. Dr. Annegret Larsen von der Wageningen University ergänzt: „Biber sind starke Akteure bei der Bindung von Kohlenstoff. Sie verändern Landschaften so, dass Kohlenstoff langfristig gespeichert wird.“
Kurz zusammengefasst:
- Biber verwandeln Flüsse in Feuchtgebiete, in denen Wasser langsamer fließt und Kohlenstoff im Boden gespeichert wird – so entsteht natürlicher Klimaschutz ohne Technik.
- Ein Bibergebiet speichert rund 98 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, während vergleichbare Flüsse ohne Biber kaum Wirkung zeigen – bis zu zehnmal mehr CO₂ bleibt gebunden.
- Sedimente, Pflanzenreste und Totholz halten den Kohlenstoff über Jahrzehnte fest, sodass diese Landschaften langfristig als stabile CO₂-Speicher wirken.
Übrigens: Während Biber beim Klimaschutz helfen, geraten viele andere Tiere durch den Klimawandel unter Druck, weil sie Temperaturschwankungen kaum ausgleichen können. Besonders Fische und Reptilien reagieren empfindlich. Mehr dazu in unserem Artikel.
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