Klimawandel verstärkt tägliche Temperatursprünge – Fische und Reptilien sind weniger anpassungsfähig als gedacht
Der Klimawandel verstärkt Temperaturschwankungen im Tagesverlauf: Viele Tiere, vor allem Fische und Reptilien, können ihre Körperfunktionen kaum anpassen.
Kaltblütige Tiere wie diese Süßwasserschildkröte reagieren direkt auf ihre Umgebungstemperatur und geraten durch stärkere Temperaturschwankungen infolge des Klimawandels zunehmend unter Druck. © Murdoch University
Durch den Klimawandel geraten Tiere zunehmend unter Druck, weil Temperaturen nicht nur steigen, sondern auch häufiger stark schwanken. Besonders betroffen sind kaltblütige Arten. Sie stehen oft am Anfang von Nahrungsketten und prägen ganze Lebensräume. Wenn ihre Körper empfindlich auf schnelle Temperaturänderungen reagieren, kann das Bestände und Artenvielfalt beeinflussen. Auch Fischerei und Landwirtschaft hängen davon ab.
Kaltblütige Tiere können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren, sie passt sich direkt an ihre Umgebung an. Schon kleine Schwankungen wirken sich daher auf Stoffwechsel, Bewegung und Herzleistung aus. Werden die Unterschiede größer, steigt die Belastung deutlich.
Daten widersprechen bisheriger Annahme
Eine große Analyse im Fachjournal Philosophical Transactions of the Royal Society B fasst 26 Studien mit 168 Datensätzen zusammen. Die Daten stammen aus verschiedenen Tiergruppen und Lebensräumen. Beteiligt war auch die Murdoch University. Die Forschenden formulieren es deutlich: „Entgegen den Erwartungen fanden wir keine konsistenten Hinweise darauf, dass sich die Empfindlichkeit der Körperfunktionen gegenüber Temperatur verändert.“
Das Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Annahme. Bisher ging man davon aus, dass Tiere ihre Physiologie anpassen, um stabil zu bleiben. Doch dieser Effekt lässt sich nicht belegen. Ein weiterer Befund überrascht. Tiere unter konstanten Temperaturen und solche unter schwankenden Bedingungen reagieren fast gleich. Der Unterschied liegt bei nur 0,03 Punkten. Für den Alltag der Tiere ist das kaum relevant.
Fische und Reptilien reagieren besonders empfindlich
Nicht alle Tiergruppen reagieren gleich. Besonders auffällig sind Reptilien. Ihre Körper zeigen die höchste Empfindlichkeit gegenüber Temperaturveränderungen. Auch Fische reagieren stärker als viele andere Arten. Das erhöht das Risiko in natürlichen Lebensräumen. Gewässer erwärmen sich nicht gleichmäßig. Flache Bereiche heizen sich schnell auf. Nachts kühlen sie wieder ab. Diese Wechsel belasten den Organismus.
„Diese fehlende Anpassung könnte die Anfälligkeit gegenüber unvorhersehbaren Temperaturschwankungen erhöhen“, warnt Dr. Essie Rodgers von der Murdoch University. Solche Schwankungen nehmen jedoch zu. Hitzewellen, Kälteeinbrüche oder starke Tag-Nacht-Unterschiede treten häufiger auf.
Tiere weichen aus – statt sich innerlich anzupassen
Wenn der Körper nicht flexibel reagiert, helfen oft nur Anpassungen im Verhalten. Viele Arten versuchen, Temperaturschwankungen aktiv zu umgehen. Sie nutzen kleine Unterschiede im Lebensraum. Typische Strategien sind:
- Schatten oder Sonne gezielt aufsuchen
- Aktivitätszeiten verschieben
- kühlere oder feuchtere Mikrohabitate nutzen
Diese Strategien helfen kurzfristig. Sie ersetzen jedoch keine stabile Anpassung im Körper. Studienleiter Dr. Daniel Gomez Isaza erklärt: „Statt ihre Physiologie anzupassen, werden Tiere stärker auf Verhalten oder kurzfristige Stressreaktionen angewiesen sein.“
Anpassung braucht Zeit – doch die fehlt vielen Arten
Langfristig bleibt vor allem genetische Anpassung. Arten können sich über Generationen verändern. Dieser Prozess verläuft jedoch langsam. Der Klimawandel verändert Bedingungen deutlich schneller. Rodgers erklärt:
Die Widerstandsfähigkeit könnte langfristig von genetischer Anpassung abhängen, nicht von kurzfristiger Flexibilität.
Für viele Arten entsteht daraus ein Risiko. Entscheidend ist nicht nur die Erwärmung. Es sind die schnellen Wechsel im Tagesverlauf, die den Unterschied machen. Hier offenbaren viele Arten eine Schwäche, die lange unterschätzt wurde.
Kurz zusammengefasst:
- Kaltblütige Tiere passen ihre Körperfunktionen kaum an tägliche Temperaturschwankungen an, obwohl das lange angenommen wurde.
- Der Klimawandel verstärkt diese Schwankungen – viele Tiere, vor allem Fische und Reptilien, reagieren darauf besonders empfindlich.
- Statt innerer Anpassung bleiben oft nur Verhaltensänderungen wie Ausweichen, doch langfristig überfordert das viele Arten.
Übrigens: Während Temperatursprünge viele Tiere unter Druck setzen, zeigt ein Blick in die Antarktis, wie stark auch Ozeanprozesse das Klima kippen können. Warum das Meereis seit 2015 plötzlich einbricht und welche Rolle Wärme aus der Tiefe spielt, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Murdoch University
