Kakaoanbau im Klimawandel: Studie warnt – jede fünfte Anbaufläche könnte verschwinden

In Kolumbien könnten bis 2050 rund 20 Prozent der Kakaoanbauflächen klimatisch ungeeignet werden – der Anbau wandert zunehmend in höhere Lagen.

Kakaobaum

Kakao wächst nur in einem schmalen Klimabereich rund um den Äquator. Steigende Temperaturen und veränderte Regenmuster könnten viele heutige Anbauflächen künftig ungeeignet machen. © Wikimedia

Weltweit werden jedes Jahr rund 4,4 Millionen Tonnen Kakao geerntet. Der Rohstoff steckt in Schokolade, Getränken und zahlreichen Süßwaren – ein Milliardenmarkt, von dem Millionen Bauern leben. Doch Kakao wächst nur unter sehr speziellen klimatischen Bedingungen. Schon kleine Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag können Erträge spürbar verändern. Eine neue Analyse zeigt, wie der Klimawandel den Kakaoanbau in den nächsten Jahrzehnten verschieben könnte. Am Beispiel Kolumbiens wird sichtbar, wie sich Plantagen in den kommenden Jahrzehnten geografisch verlagern könnten.

Laut der wissenschaftlichen Analyse könnten bis etwa 2050 rund 20 Prozent der heutigen Anbauflächen ihre klimatische Eignung verlieren. Besonders betroffen sind tiefer gelegene Regionen im Norden und Osten des Landes. Gleichzeitig öffnen sich in höheren Lagen neue Flächen für den Anbau.

Klimawandel verschiebt Plantagen für Kakaoanbau

Kolumbien spielt im weltweiten Kakaomarkt eine wichtige Rolle. Das Land produziert etwa 60.000 Tonnen pro Jahr. Damit liegt sein Anteil zwar nur bei rund einem Prozent der globalen Produktion, dennoch gehört Kolumbien zu den zehn größten Produzenten weltweit. Der Kakaoanbau hat dort große wirtschaftliche Bedeutung. Rund 65.000 Familien leben direkt von der Pflanze. Insgesamt hängen mehr als 150.000 Arbeitsplätze an der Branche.

Kolumbien liefert damit ein Beispiel für eine Entwicklung, die viele Kakaoanbauregionen betrifft. Auch in Westafrika oder Südostasien geraten Plantagen durch steigende Temperaturen zunehmend unter Druck.

Eine internationale Studie hat nun untersucht, wie sich steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge auf die Anbauflächen auswirken könnten. Die Modelle zeigen: Besonders anfällig sind tiefe Regionen im Norden und Nordosten Kolumbiens. Dort steigen Temperaturen schneller. Gleichzeitig werden Regenzeiten unregelmäßiger.

Die wichtigsten Folgen laut Studie:

  • 19 bis 20 Prozent der heutigen Anbauflächen könnten bis 2050 ungeeignet werden
  • 97 Prozent dieser Verluste liegen in Regionen unter 400 Metern Höhe
  • Gleichzeitig könnten etwa 3 Prozent neue geeignete Flächen entstehen, meist in höheren Lagen

Hitze trifft vor allem tiefe Regionen

Kakao reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Für die Photosynthese gelten etwa 31 bis 33 Grad Celsius als optimal. Viele Plantagen erreichen jedoch bereits deutlich höhere Werte. Mit dem Klimawandel steigt die Belastung weiter. Die Studie berechnet bis zur Mitte des Jahrhunderts eine durchschnittliche Erwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius. Einige Klimamodelle kommen sogar auf bis zu 3 Grad.

Beim Niederschlag fällt das Bild komplizierter aus. Einige Regionen erhalten künftig mehr Regen. Andere könnten trockener werden. Für Pflanzen bedeutet diese Unsicherheit zusätzlichen Stress. Unregelmäßige Regenperioden können Blüten, Früchte und Erträge beeinträchtigen.

Anbau wandert in höhere Lagen

Trotz dieser Risiken verschwindet Kakao aus Kolumbien nicht. Die wichtigsten Plantagen liegen entlang der Andenvorberge. Diese Regionen bleiben laut Klimamodellen weiterhin geeignet. Der Grund liegt in ihrer Höhe. Dort herrschen kühlere Bedingungen. Gleichzeitig verschiebt sich die klimatische Grenze für Kakao deutlich nach oben.

Heute liegt die obere Grenze geeigneter Anbauflächen bei etwa 1.578 Metern Höhe. Bis 2050 könnte sie auf 1.941 bis 1.956 Meter steigen. Plantagen könnten sich daher stärker in Bergregionen ausbreiten. „Das bedeutet, dass Kakao in Kolumbien nicht verschwinden wird, sondern sich wahrscheinlich schrittweise geografisch verlagert“, sagt Carlos Eduardo González von der kolumbianischen Agrarforschungseinrichtung AGROSAVIA.

Wilder Kakao könnte zur Rettung werden

Neben den bekannten Plantagensorten existieren in Südamerika zahlreiche wild wachsende Kakaoarten. Tobias Fremout, einer der beteiligten Wissenschaftler, erklärt: „Wilder Kakao hat einen Vorteil, den kultivierte Sorten nicht besitzen: Er hat sich über Tausende Jahre unter extremen Klimabedingungen entwickelt.“ Darin liegt ihr Wert für die Zukunft der Landwirtschaft. Einige Populationen wachsen in besonders heißen oder trockenen Regionen. Andere tolerieren starke Regenfälle oder wachsen überraschend hoch in den Anden.

Die Modelle zeigen sogar eine mögliche Ausbreitung dieser Wildpopulationen. Geeignete Lebensräume könnten um 20 bis 27 Prozent wachsen. Insgesamt ergibt sich ein Nettozuwachs von 12 bis 24 Prozent geeigneter Flächen.

Schattenbäume helfen gegen Hitze

Neben neuen Sorten sehen Fachleute auch in der Landwirtschaft selbst großes Anpassungspotenzial. Eine besonders wichtige Rolle spielen Agroforstsysteme. Dabei wachsen Kakaobäume unter größeren Schattenbäumen. Diese schützen die Pflanzen vor direkter Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig bleibt mehr Feuchtigkeit im Boden. Der Studie zufolge kann in solchen Systemen die Temperatur im Kakaounterwuchs um bis zu 6 bis 7 Grad Celsius sinken.

Weitere Maßnahmen helfen ebenfalls, Hitze und Trockenheit abzufedern:

  • Bewässerung in trockenen Perioden
  • Mulch und organischer Dünger zur Speicherung von Bodenfeuchte
  • Zwischenpflanzen und Bodendecker
  • Biochar zur Verbesserung der Wasserhaltefähigkeit

Diese Kombination aus neuen Sorten und angepassten Anbaumethoden könnte entscheidend werden. Der Kakaoanbau im Klimawandel steht damit vor einer großen Umstellung – doch viele Lösungen liegen bereits auf dem Tisch.

Kurz zusammengefasst:

  • Bis 2050 könnten in Kolumbien rund 20 Prozent der heutigen Kakaoanbauflächen ihre klimatische Eignung verlieren, vor allem in tieferen Regionen unter 400 Metern Höhe.
  • Der Kakaoanbau verlagert sich voraussichtlich in höhere Lagen, besonders entlang der Andenvorberge, wo künftig weiterhin geeignete Bedingungen bestehen.
  • Anpassung bleibt möglich: Schattenbäume, widerstandsfähige Sorten und genetische Eigenschaften von wildem Kakao können helfen, Ernten trotz steigender Temperaturen zu sichern.

Übrigens: Der Klimawandel setzt nicht nur dem Kakao zu – auch Kaffee und Wein geraten weltweit unter Druck. Selbst technische Eingriffe ins Klima könnten die Ernten kaum stabilisieren. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © VpuipV via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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