Deshalb hatte dieser Dinosaurier eine riesige Nase – Forscher lüften 66-Millionen-Jahre-Geheimnis

Mithilfe moderner CT-Scans haben Forscher das Rätsel um die riesige Nase von Triceratops gelöst: Sie diente vermutlich als natürliches Kühlsystem im Schädel.

Ein junger Mann mit Brille steht vor dem Schädel eines Triceratops in einem Museum.

Seishiro Tada (links) neben einem Triceratops-Schädel: Gut sichtbar ist die enorme Nasenhöhle im vorderen Bereich. © 2026 Tada, CC-BY-ND

Viele Menschen kennen Triceratops aus dem Museum oder aus Büchern. Der gewaltige Schädel mit Hörnern und breitem Nackenschild beeindruckt sofort. Doch ein Detail gab Forschern lange Rätsel auf: Warum war die Nase dieses Dinosauriers so groß? Diese Frage beantwortet nun eine neue Studie.

Ein internationales Forschungsteam um den Paläontologen Seishiro Tada hat die Nasenregion von Triceratops erstmals genau untersucht. Beteiligt waren auch Wissenschaftler der University of Tokyo. Mithilfe hochauflösender CT-Scans analysierten die Forscher einen gut erhaltenen Knochen aus dem vorderen Oberkiefer.

CT-Scans zeigen verborgene Strukturen im Knochen

Die Forscher arbeiteten mit extrem feinen Schichten von nur 0,1 Millimetern. So konnten sie ins Innere des Fossils blicken, ohne es zu beschädigen. Dabei entdeckten sie ein verzweigtes System aus Kanälen und Hohlräumen.

Einige dieser Öffnungen sind mehrere Zentimeter groß. Zwei wichtige Öffnungen im Gaumenbereich messen drei und zwei Zentimeter. Sie liegen sieben Zentimeter auseinander. Solche Größen sprechen für kräftige Nerven und Blutgefäße.

Nasenhöhle des Triceratops: Illustration der von Forschern rekonstruierten Anordnung der inneren Strukturen. ©2026 K. Sakane, CC-BY-ND
Nasenhöhle des Triceratops: Illustration der von Forschern rekonstruierten Anordnung der inneren Strukturen. © 2026 K. Sakane, CC-BY-ND

Die Nerven verliefen anders als erwartet

Besonders spannend ist die Verteilung der Nerven. In der Studie heißt es, dass Triceratops ein „einzigartiges Innervationsmuster unter Reptilien“ besaß. Normalerweise versorgt bei Reptilien ein bestimmter Nerv die Schnauzenspitze. Beim Triceratops übernahm jedoch ein anderer Nervenast diese Aufgabe.

Das bedeutet: Die Nase dieses Dinosauriers wurde anders gesteuert als bei heutigen Echsen oder Krokodilen. Diese Veränderung hängt vermutlich mit der enormen Größe der Nasenöffnung zusammen.

Die Nase war mehr als ein Riechorgan

Die riesige Nasenhöhle diente offenbar nicht nur dem Riechen. Die CT-Bilder zeigen deutliche Spuren starker Durchblutung. Große Blutgefäße zogen durch den Knochen. Blut transportiert Wärme. Eine gut durchblutete Nase kann daher helfen, die Temperatur zu regulieren.

Zusätzlich fanden die Forscher Hinweise auf feine Strukturen im Inneren der Nase. Diese sogenannten Turbinate vergrößern die Oberfläche in der Nasenhöhle. Der Studie zufolge haben sie „wahrscheinlich der Temperaturregelung im Kopf gedient“, so Tada.

Eine Art natürliche Klimaanlage

Der Schädel von Triceratops war sehr groß und massiv. Ein solcher Kopf speichert viel Wärme. Gleichzeitig lag darin ein empfindliches Gehirn. Eine gute Kühlung war daher wichtig.

Die Forscher vermuten, dass die Nase wie eine natürliche Klimaanlage funktionierte: „Wir gehen davon aus, dass diese Struktur half, die Temperatur im Kopfbereich zu regulieren“, sagt Tada. Das Blut kühlte sich beim Durchströmen der Nasenhöhle ab. Danach floss es weiter in Richtung Gehirn. So blieb die Temperatur im Kopf stabil.

Neben Nerven und Blutgefäßen untersuchten die Forscher auch andere Strukturen. Sie rekonstruierten eine Nasendrüse und einen möglichen Tränengang. Die Nasendrüse lag vermutlich in einer kleinen Vertiefung im Nasenknochen.

Für ihre Arbeit nutzte das Team Vergleiche mit heutigen Tieren wie Vögeln und Reptilien. So konnten sie ableiten, wie die Weichteile einst aussahen. Diese Methode gilt in der Paläontologie als bewährt.

Was diese Entdeckung bedeutet

Die Studie zeigt also: Die riesige Nase von Triceratops war kein bloßes Schmuckmerkmal. Sie hatte offenbar eine wichtige Aufgabe im Körper.

Seishiro Tada erklärt: „Zum ersten Mal konnten wir rekonstruieren, wie die Weichteile in der Nasenregion dieser Dinosaurier aufgebaut waren.“ Damit erklären die Forscher ein 66 Millionen Jahre altes Detail der Dinosaurier-Anatomie – und zeigen, dass selbst bekannte Urzeitriesen noch Überraschungen bereithalten.

Kurz zusammengefasst:

  • Moderne CT-Scans zeigen erstmals detailliert das Innenleben der Triceratops-Nase und belegen ein ungewöhnliches Nerven- und Gefäßsystem.
  • Die riesige Nasenhöhle diente wahrscheinlich nicht nur dem Riechen, sondern half durch starke Durchblutung und spezielle Strukturen, die Temperatur im Kopf zu regulieren.
  • Triceratops besaß damit vermutlich eine Art natürliche Klimaanlage im Schädel – ein Hinweis darauf, wie komplex und funktional spezialisiert Dinosaurier tatsächlich waren.

Übrigens: Während neue CT-Analysen zeigen, wie komplex der Schädel von Triceratops war, enthüllen andere Fossilien eine harte Wahrheit – viele Räuber fraßen vor allem Baby-Dinosaurier statt erwachsene Riesen. Warum der Nachwuchs die Nahrungskette bestimmte, lesen Sie in unserem Artikel.

Bild: © 2026 Tada, CC-BY-ND

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