Minusgrade belasten das Herz – warum das Infarktrisiko im Winter steigt
Niedrige Temperaturen verengen Gefäße und treiben den Blutdruck hoch. Im Winter steigt dadurch das Risiko für Herzinfarkte.
Bei Minusgraden belastet Schneeschippen das Herz besonders stark. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Herzpatienten stattdessen moderate Bewegung. © Pexels
Sinkende Temperaturen verändern die Belastung für den Körper. Viele stellen im Winter höhere Blutdruckwerte fest oder fühlen sich bei alltäglichen Wegen schneller erschöpft. Kälte beeinflusst dabei zentrale Abläufe im Herz-Kreislauf-System und verändert, wie stark das Herz arbeiten muss. Trifft Kälte auf körperliche Anstrengung, steigt das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich an.
Bei Kälte zieht der Körper die Blutgefäße zusammen, um Wärme zu sparen. Dieser Mechanismus schützt vor dem Auskühlen, hat aber Folgen. Der Blutdruck steigt, das Herz muss kräftiger pumpen, um das Blut durch die engeren Gefäße zu bewegen. Der erhöhte Widerstand belastet den Herzmuskel und andere Organe.
Kälte treibt das Herzinfarkt-Risiko nach oben
Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass dieser Effekt den gesamten Organismus betrifft. Kardiologe Prof. Dr. Axel Schmermund erklärt: „Große Kälte im Minusbereich wirkt sich auf den ganzen Organismus aus und kann bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Gefahr eines Herzinfarkts und plötzlichen Herztods erhöhen.“ Das Risiko steigt nicht schleichend, sondern kann innerhalb kurzer Zeit relevant werden.
Körperliche Arbeit im Winter belastet das Herz stark
Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei körperlicher Arbeit im Freien. Schneeschippen zählt zu den Aktivitäten, die den Kreislauf schnell an seine Grenzen bringen. Messungen zeigen, dass Puls und Blutdruck schon nach wenigen Minuten stark ansteigen. Die Herzfrequenz erreicht Werte, die sonst nur bei intensiver sportlicher Belastung auftreten.
Für Menschen mit einem vorgeschädigten Herzen bedeutet das eine enorme Anstrengung. „Der höhere Widerstand in den Blutgefäßen kann eine hohe Belastung für den Herzmuskel darstellen und auch andere Organe belasten“, so Prof. Schmermund. Kommt zur Kälte eine ungewohnte Bewegung, steigt die Gefahr für akute Ereignisse deutlich.
Studien belegen das erhöhte Risiko
Eine große internationale Beobachtungsstudie liefert klare Zahlen. An extrem kalten Tagen steigt das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, um rund 33 Prozent. Sie zeigt, dass niedrige Temperaturen stärker mit tödlichen Herzereignissen verknüpft sind.
Auch andere Erkrankungen treten im Winter häufiger auf. Ärzte beobachten mehr Schlaganfälle und Lungenembolien, wenn es sehr kalt ist. Der Grund liegt erneut im Kreislauf: Kälte verändert die Fließeigenschaften des Blutes und kann die Gerinnung fördern.
Wer bei Frost besonders aufpassen sollte
Nicht jeder reagiert gleich empfindlich auf Minusgrade. Bestimmte Gruppen tragen jedoch ein erhöhtes Risiko und sollten bei Kälte besonders vorsichtig sein:
- Menschen mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder koronarer Herzkrankheit
- Personen mit Vorhofflimmern oder nach einem Herzinfarkt
- Betroffene mit tiefen Beinvenenthrombosen
Für diese Gruppen kann schon eine kurze Belastung im Freien problematisch werden, vor allem ohne Training oder Vorbereitung.
Blutdruck und Medikamente im Winter richtig abstimmen
Regelmäßiges Messen des Blutdrucks hilft, Veränderungen früh zu erkennen. In manchen Fällen kann eine Anpassung der Medikation nötig sein, immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt.
Auch der Zeitpunkt der Einnahme spielt eine Rolle. Da der Blutdruck bei vielen Menschen morgens ansteigt, empfiehlt sich die Einnahme der Medikamente vor dem Gang nach draußen. Zusätzlich wirkt sich die Wohnungstemperatur auf den Kreislauf aus. Untersuchungen zeigen, dass kalte Innenräume den Blutdruck erhöhen können. Eine ausreichend beheizte Wohnung entlastet daher nicht nur die Muskeln, sondern auch das Herz.
Bewegung ja – aber mit Maß
Regelmäßige Bewegung bleibt wichtig, auch in der kalten Jahreszeit. Entscheidend ist die Intensität. Statt schwerer körperlicher Arbeit im Freien raten Fachleute zu moderaten Aktivitäten wie Spaziergängen oder leichtem Walking. Ein Schal vor Mund und Nase hilft, die eingeatmete Luft zu erwärmen.
Wer intensiver trainieren möchte, kann auf geschützte Räume ausweichen, etwa auf ein Laufband oder ein Fahrradergometer. So bleibt die Belastung kontrollierbar, ohne den Kreislauf zusätzlich durch Frost zu stressen.
Warnzeichen ernst nehmen
Unabhängig vom Trainingszustand sollten Warnsignale nicht ignoriert werden. Brustschmerzen, Atemnot, Druck oder Brennen im Brustkorb gehören zu den klassischen Anzeichen eines Herzinfarkts. Auch kalter Schweiß, Angstgefühle oder unerklärliche Übelkeit können Hinweise sein.
Halten solche Beschwerden an, zählt schnelles Handeln. Der Notruf 112 kann im Ernstfall Leben retten.
Kurz zusammengefasst:
- Kälte belastet den Kreislauf, weil sich die Blutgefäße verengen, der Blutdruck steigt und das Herz stärker arbeiten muss – besonders bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht das das Risiko für einen Herzinfarkt.
- Ungewohnte körperliche Anstrengung bei Minusgraden, etwa Schneeschippen, treibt Puls und Blutdruck rasch nach oben und kann das Herz innerhalb kurzer Zeit an seine Leistungsgrenze bringen.
- Vorsicht und Anpassung im Winter senken das Risiko: Belastungen dosieren, Medikamente korrekt einnehmen, die Wohnung ausreichend heizen und Warnzeichen wie Brustschmerzen oder Atemnot ernst nehmen und früh reagieren.
Übrigens: Nicht nur Kälte belastet das Herz – auch langes Sitzen verändert die Blutgefäße messbar und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, selbst bei jungen und fitten Menschen. Eine neue Studie zeigt, warum ausgerechnet Kakao hier schützen kann – mehr dazu in unserem Artikel.
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