Wenn sich jeder ans Tempolimit hielte, ließen sich täglich 57.000 Tonnen CO₂ sparen – bei nur 54 Sekunden mehr Fahrzeit

Eine US-Studie mit 120 Mio. Fahrten berechnet: Tempolimits könnten täglich 57.000 Tonnen CO₂ und 25 Mio. Liter Benzin sparen.

Auch in Deutschland ließen sich Kraftstoff und CO₂ sparen, wenn Autofahrer bestehende Tempolimits konsequent einhielten – denn mit steigendem Tempo wächst der Energieverbrauch deutlich.

Auch in Deutschland ließen sich Kraftstoff und CO₂ sparen, wenn Autofahrer bestehende Tempolimits konsequent einhielten – denn mit steigendem Tempo wächst der Energieverbrauch deutlich. © Wikimedia

Ein paar Sekunden früher am Ziel, dafür Millionen Liter mehr Benzin: Zu schnelles Fahren kostet in den USA jeden Tag enorme Mengen Energie. Würden sich alle Autofahrer an das Tempolimit halten, könnten die CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs deutlich sinken.

Forscher der University of Minnesota haben mehr als 120 Millionen reale Autofahrten ausgewertet. Ihren Berechnungen zufolge ließen sich täglich rund 57.000 Tonnen CO₂ vermeiden. Die durchschnittliche Fahrzeit würde pro Autofahrer lediglich um 54 Sekunden steigen.

Wie ein Tempolimit CO₂ und Millionen Liter Benzin spart

Das Team untersuchte Fahrten an vier Mittwochen im Jahr 2021. Jeder Termin lag in einer anderen Jahreszeit. Die Daten enthielten Geschwindigkeit, Straßentyp, Tempolimit und Höhenprofil. Berücksichtigt wurden Pkw, SUVs, Lieferwagen und leichte Pick-ups mit Verbrennungsmotor. Elektroautos flossen in Kalifornien zusätzlich in die Auswertung ein.

Bei rund 43 Prozent der Fahrten mit Verbrennungsmotor überschritten die Fahrer mindestens einmal die erlaubte Geschwindigkeit. Im Mittel lag die höchste Überschreitung bei etwa 18 km/h. Auf Fahrten mit Tempoverstößen verbrachten die Fahrzeuge rund zwölf Prozent der gesamten Fahrzeit oberhalb des Limits.

Raser sparen täglich weniger als eine Minute

Für die Berechnung begrenzten die Wissenschaftler die Geschwindigkeit rechnerisch auf das jeweils ausgeschilderte Tempolimit. Strecke und Route blieben gleich. Anschließend verglichen sie den Energieverbrauch mit den tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten.

Auf 100 gefahrenen Meilen, umgerechnet rund 161 Kilometer, verlängerte sich die Fahrzeit durchschnittlich um 190 Sekunden. Bei einer täglichen Fahrleistung von rund 46 Kilometern ergab sich daraus ein Zeitverlust von lediglich 54 Sekunden. Pro Woche summierte sich die zusätzliche Fahrzeit auf etwa 6,3 Minuten.

„Wir verstehen bereits die Physik dahinter, wie Geschwindigkeit den Kraftstoffverbrauch beeinflusst“, sagt Erstautor Bharat Jayaprakash. „Doch erst die genaue Berechnung dieser Einsparungen auf nationaler Ebene vermittelt uns ein klareres Bild der tatsächlichen Auswirkungen.“

Hohes Tempo treibt den Luftwiderstand kräftig hoch

Der Grund für den Mehrverbrauch liegt vor allem im Luftwiderstand. Er wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Ein Auto benötigt bei hohem Tempo deshalb überproportional viel Energie, um die Luft zu verdrängen. Besonders oberhalb des wirtschaftlichsten Geschwindigkeitsbereichs steigt der Verbrauch schnell.

Bei Verbrennern liegt dieser günstige Bereich je nach Fahrzeug ungefähr zwischen 64 und 89 km/h. Wer auf einer Schnellstraße dauerhaft etwa 16 km/h schneller als erlaubt fährt, kann den Verbrauch und den CO₂-Ausstoß laut den Forschern um bis zu 21 Prozent erhöhen.

Bei konsequenter Einhaltung der Tempolimits könnten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor täglich durchschnittlich 6,7 Millionen Gallonen Benzin sparen. Das entspricht rund 25,4 Millionen Litern. Bei den Kraftstoffpreisen des untersuchten Jahres hätten Autofahrer dadurch etwa 22 Millionen US-Dollar pro Tag weniger ausgegeben.

Tempolimit senkt CO₂-Ausstoß in großem Maßstab

Auf ein Jahr hochgerechnet ergibt sich eine Einsparung von etwa 2,4 Milliarden Gallonen Benzin. Umgerechnet sind das rund 9,1 Milliarden Liter. Der vermiedene Verbrauch entspräche den jährlichen Emissionen von etwa 5,5 Millionen herkömmlichen Pkw.

„Autos mit Verbrennungsmotor sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich effizienter geworden, zugleich aber auch erheblich leistungsstärker“, sagt William Northrop, Professor für Maschinenbau an der University of Minnesota. „Schnelles Fahren ist heute leichter als je zuvor.“

Die Maßnahme komme ohne neue Fahrzeuge, zusätzliche Technik oder einen Umbau der Infrastruktur aus. „Unsere Untersuchung befasst sich mit einer naheliegenden, aber schwer umsetzbaren Möglichkeit für große Kraftstoffeinsparungen, die sich ohne einen Austausch unserer Autos erreichen lassen: langsamer fahren“, sagt Northrop.

Was ein Tempolimit in Deutschland einsparen könnte

Auch für Deutschland liegen Berechnungen vor. Nach Angaben des Umweltbundesamts könnte ein allgemeines Tempo 130 auf Autobahnen jährlich etwa 1,3 bis 3,5 Millionen Tonnen CO₂ beziehungsweise CO₂-Äquivalente einsparen. Die Spannweite hängt davon ab, ob nur der geringere Verbrauch oder zusätzlich veränderte Routen und eine sinkende Verkehrsnachfrage berücksichtigt werden.

Für einen Menschen mit durchschnittlicher Pkw-Nutzung würde Tempo 130 rechnerisch etwa 1,4 Stunden zusätzliche Fahrzeit pro Jahr bedeuten. Das entspricht im Mittel rund 14 Sekunden pro Tag.

Elektroautos reagieren besonders stark auf hohes Tempo

Auch Elektroautos verbrauchen bei höherer Geschwindigkeit mehr Energie. In den kalifornischen Daten fiel der mögliche Spareffekt sogar prozentual größer aus als bei Verbrennern. Die Modelle ermittelten je nach Jahreszeit eine Energieeinsparung von sieben bis 9,5 Prozent.

Die Ergebnisse zu Elektroautos beruhen allerdings nur auf zwei Fahrzeugklassen und lassen sich deshalb nicht auf die gesamte US-Flotte übertragen. Zudem hängt der vermiedene CO₂-Ausstoß davon ab, wann die Fahrzeuge laden und welche Kraftwerke zu diesem Zeitpunkt zusätzlichen Strom liefern.

Die Berechnungen gelten außerdem nur für Autobahnen und größere Straßen mit Tempolimits ab rund 72 km/h. Kleinere Straßen blieben außen vor. Auch starkes Beschleunigen untersuchten die Wissenschaftler noch nicht. Weitere Messungen sollen deshalb klären, wie abrupte Beschleunigungen den Verbrauch verändern.

Für die nächste Projektphase stattet das Team ein Elektroauto mit mehreren Sensoren aus. Es soll Geschwindigkeitswechsel und Beschleunigungen in Echtzeit erfassen. Daraus wollen die Forscher genauer ableiten, welche Fahrgewohnheiten besonders viel Energie kosten.

Kurz zusammengefasst:

  • Eine US-Studie wertete mehr als 120 Millionen reale Autofahrten aus und berechnete die Folgen konsequenter Tempolimit-Einhaltung.
  • Demnach könnten täglich rund 25,4 Millionen Liter Benzin, 22 Millionen US-Dollar und 57.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.
  • Die zusätzliche Fahrzeit läge im Durchschnitt bei nur 54 Sekunden pro Fahrer und Tag.

Übrigens: Weniger Tempo spart nicht nur Kraftstoff und CO₂, sondern könnte auf deutschen Autobahnen auch jedes Jahr Dutzende Menschenleben retten. Wie stark Tempo 120 schwere Unfälle und Kosten senken könnte, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Henning Schlottmann (User:H-stt) via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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