Ein Zahnfund in einem Massengrab liefert den Beweis – so begann die erste Pandemie der Menschheit

Genetische Analysen aus einem Massengrab in Jerash belegen erstmals den Auslöser der ersten Pandemie der Menschheitsgeschichte: der Justinianischen Pest im 6. Jahrhundert.

Genetischer Beweis der ersten Pandemie entdeckt.

Forscher lösen 1500 Jahre altes Rätsel: Seit Jahrhunderten rätseln Historiker über die Ursache der Seuche, die Millionen tötete und die westliche Zivilisation veränderte. © University of South Florida

Im 6. Jahrhundert nach Christus brach die Justinianische Pest aus, die Millionen dahinraffte, das Byzantinische Reich schwächte und als erste Pandemie der Menschheitsgeschichte gilt. Jahrhunderte lang blieb unklar, welches Bakterium den Ausbruch verursachte. Nun hat ein Forschungsteam der University of South Florida und der Florida Atlantic University in Jordanien den entscheidenden Hinweis gefunden: In einem Massengrab der Stadt Jerash stießen sie auf DNA von Yersinia pestis, dem Erreger der Pest – der lange fehlende genetische Beweis.

Im Hippodrom von Jerash liefert ein Massengrab DNA-Beweise

Das Massengrab liegt im ehemaligen Hippodrom von Jerash. Dort, wo einst Wagenrennen stattfanden, wurden hunderte Opfer bestattet. Aus acht Zähnen rekonstruierten die Forscher das komplette Genom von Y. pestis. Die Toten trugen nahezu identische Stämme – ein Hinweis auf einen einzigen, raschen Ausbruch. „Unsere Ergebnisse liefern den lange fehlenden Beweis für die Pest im Zentrum der Justinianischen Pandemie“, erklärt Studienleiterin Rays H. Y. Jiang.

Frühere Spuren der Justinianischen Pest wurden in entfernteren Regionen wie Bayern oder England entdeckt. Der Fund in Jerash liegt dagegen mitten im Oströmischen Reich, nur rund 330 Kilometer von Pelusium in Ägypten entfernt, wo die Seuche erstmals beschrieben wurde. Handelswege, Märkte und enge Wohnverhältnisse begünstigten die rasche Ausbreitung.

(A) Bekannte Pestfunde mit genetischen Spuren, markiert ist Jerash im Oströmischen Reich.
(B) Schema des Hippodroms von Jerash mit den Kammern W2 und W3.
(C) Eine der Kammern (W2), in der die Skelette geborgen wurden. © Studie
(A) Bekannte Pestfunde mit genetischen Spuren, markiert ist Jerash im Oströmischen Reich. (B) Schema des Hippodroms von Jerash mit den Kammern W2 und W3. (C) Eine der Kammern (W2), in der die Skelette geborgen wurden. © Studie

Justinianische Pest schwächte Armeen und ganze Reiche

Zwischen 541 und 750 n. Chr. kostete die Pandemie Millionen das Leben, schwächte Wirtschaft und Armeen und veränderte Machtstrukturen. „Es ist eine bewegende Erfahrung, mit den Überresten von Menschen zu arbeiten, die vor Jahrhunderten litten und starben, und ihre Geschichten mit moderner Wissenschaft wieder hörbar zu machen“, sagt Mitautor Greg O’Corry-Crowe.

Die Studie zeigt, wie unterschiedlich Pandemien entstehen können. Während COVID-19 auf einen einzelnen Spillover zurückgeht, springt die Pest immer wieder von Tieren auf den Menschen über. Urbane Ballungsräume, mangelnde Hygiene und internationale Handelsrouten spielten eine zentrale Rolle – Faktoren, die auch heute noch Risiken verstärken.

Zahn aus der archäologischen Stätte von Jerash. © Greg O'Corry FAU
Zahn aus der archäologischen Stätte von Jerash. © Greg O’Corry FAU

Von der Justinianischen Pest bis COVID-19: Was wir lernen können

Die Pest ist nie völlig verschwunden. Sie löste im 14. Jahrhundert den „Schwarzen Tod“ aus und tritt auch heute noch vereinzelt auf. In den USA wurde kürzlich ein Todesfall durch Lungenpest gemeldet. Jiang betont: „Wir kämpfen seit Jahrtausenden mit der Pest, und Menschen sterben noch heute daran.“

Für die heutige Pandemievorsorge lassen sich klare Schlüsse ziehen:

  • Krankheiten kehren oft in neuen Varianten zurück.
  • Städte mit hoher Dichte und intensiven Warenströmen sind besonders verwundbar.
  • Alte DNA-Forschung hilft, historische Muster zu verstehen und Prävention zu verbessern.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Justinianische Pest gilt als erste Pandemie der Menschheitsgeschichte (541–750 n. Chr.) und forderte Millionen Tote im Byzantinischen Reich.
  • Forscher entdeckten in einem Massengrab in Jerash erstmals genetische Beweise für Yersinia pestis als Auslöser der Seuche.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass Pandemien wiederholt aus Tierreservoiren entstehen und Städte durch Handel und Dichte besonders anfällig sind.

Übrigens: Während der Pandemie sank die Kindersterblichkeit in England auf ein historisches Tief – doch danach stiegen die Todesfälle wieder deutlich an. Wie ungleiche Chancen und soziale Unterschiede diesen Trend verschärfen, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © University of South Florida

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