Woanders ist es nicht schöner – Hammerhaie bleiben plötzlich für immer auf den Bahamas
Große Hammerhaie gelten als Wanderspezialisten. Doch viele bleiben vor den Bahamas – dort finden sie Schutz, Beute und stabile Bedingungen.

Ein großer Hammerhai vor Bimini auf den Bahamas: Die Inseln östlich von Miami sind bekannt für Sportfischerei – und für ihre geschützten Hai-Reviere. © Wikimedia
Sie gelten als Könige der tropischen Ozeane, furchteinflößend und ständig in Bewegung. Doch neue Daten zeigen: Manche große Hammerhaie verzichten auf ihre gewohnten Wanderungen über tausende Kilometer – und bleiben einfach, wo es schön ist – auf den Bahamas. Rund um die Andros halten sich einige dieser seltenen Haie offenbar das ganze Jahr über auf. Ein Verhalten, das erstaunt – und Hoffnung macht.
Denn große Hammerhaie sind vom Aussterben bedroht. Ihr weltweiter Bestand ist laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) in nur drei Generationen um über 80 Prozent eingebrochen. Die Gründe: gezielte Bejagung, Beifang in Fischernetzen und der Raubbau an ihrem Lebensraum. Umso bedeutender sind Schutzgebiete wie das in den Gewässern der Bahamas – sie könnten entscheidender sein als bislang angenommen.
Hammerhai bleibt im Paradies – obwohl sie leicht weg könnten
Die Haie könnten jederzeit wegschwimmen. Ihre Art ist für weite Wanderungen bekannt, oft über mehrere tausend Kilometer. Doch die Tiere blieben. Das stellte eine neue Studie des Fachjournals Frontiers in Marine Science fest. Und zwar monatelang – manche sogar jahrelang.
Sie nutzten gezielt bestimmte Lebensräume vor Andros: flache Küstengewässer, Riffkanten und das angrenzende Tiefwasser. Ein männliches Tier wurde nach vier Jahren wieder exakt am selben Ort gefangen. Die Satellitendaten zeigen: Es hatte das Gebiet nie verlassen.
Hammerhaie haben alles auf den Bahamas – Schutz, Nahrung, Tiefe
Warum also aufbrechen, wenn es zu Hause besser ist als anderswo? Die Forscher vermuten: In den Gewässern rund um Andros finden die Haie alles, was sie brauchen. Beutetiere gibt es reichlich – vor allem Barrakudas, kleinere Haie und Rochen. Und das Wasser bleibt auch in der sommerlichen Regenzeit kühl genug, weil es Zugang zu tieferen Zonen gibt.
Ein gefährdeter Gigant
Der Große Hammerhai ist der größte Vertreter seiner Familie – und gleichzeitig einer der am stärksten gefährdeten. Die Tiere können bis zu 6,1 Meter lang werden, erreichen die Geschlechtsreife aber erst mit sieben bis zehn Jahren. Ihre Tragzeit beträgt rund elf Monate, im Schnitt kommen nur 15 Jungtiere zur Welt. Diese langsame Fortpflanzung macht sie extrem anfällig.
Doch Haie sind auf den Bahamas gesetzlich geschützt. Das macht das Gebiet sicher – ein entscheidender Faktor für die Tiere und deren Fortpflanzung.
Nahrung aus allen Tiefen
Die Forscher untersuchten nicht nur die Wege der Haie, sondern auch ihre Ernährung. Dafür entnahmen sie Muskelproben und analysierten deren chemische Zusammensetzung. Das Ergebnis: Die Tiere jagen quer durch die Nahrungskette – von offenen Hochseezonen bis in flache Küstengewässer.
Barrakudas machen im Schnitt rund ein Drittel ihrer Nahrung aus. Rochen sind ebenfalls wichtig. Doch das Fressverhalten unterscheidet sich je nach Tier: Einige bevorzugten Karibische Riffhaie, andere konzentrierten sich auf Silberspitzenhaie oder kleinere Arten. Diese Vielfalt zeigt, wie stark die Hammerhaie mit dem gesamten Ökosystem der Region verbunden sind.
Fast alle bleiben – nur zwei machen sich auf den Weg
Von den mit Sendern ausgestatteten Haien verließ nur ein Weibchen zweimal kurzzeitig die Bahamas. Sie schwamm Richtung Florida und in den Golf von Mexiko – kehrte aber später zurück. Alle anderen blieben in der Nähe von Andros. Die Ortstreue war dabei nicht nur saisonal, sondern ganzjährig.
„Einige Tiere haben sich über Jahre nicht aus dem Gebiet entfernt“, schreiben die Autoren der Studie. Dieses Verhalten sei bei dieser Art bislang kaum dokumentiert worden – es widerspricht dem Bild des ständig wandernden Raubfisches.
Ein kleines Revier für große Tiere
Besonders auffällig: Die Haie hielten sich überwiegend in einem relativ kleinen Abschnitt der Ostküste von Andros auf. Selbst in der heißen Jahreszeit, wenn sich das Oberflächenwasser auf bis zu 30 Grad erwärmt, blieben sie in der Nähe. Die Tags zeigten, dass sie in dieser Zeit häufiger kühlere Tiefenzonen aufsuchten.
Das bevorzugte Revier der Tiere umfasst nur etwa 400 Quadratkilometer – für ein Tier, das bis zu sechs Meter lang wird und ganze Ozeane durchqueren kann, ist das erstaunlich kompakt.
Hoffnung für den Schutz der Art
Die Studie liefert wichtige Hinweise für den Schutz dieser bedrohten Tiere. Wenn manche Hammerhaie in kleinen, geschützten Gebieten dauerhaft überleben können, ist gezielter Meeresschutz noch wirksamer als bisher gedacht.
Gerade weil die Bestände weltweit dramatisch eingebrochen sind, zählt jeder Ort, an dem die Tiere ungestört leben können. Das Schutzgebiet der Bahamas könnte also nicht nur ein Rückzugsort sein – sondern ein echter Lebensraum.
Und vielleicht zeigt uns der Hammerhai dabei auch etwas: Wer alles hat, was er braucht, muss nicht ständig unterwegs sein.
Kurz zusammengefasst:
- Große Hammerhaie bleiben in den Gewässern um Andros auf den Bahamas, obwohl sie sonst weite Strecken zurücklegen – sie finden dort alles, was sie brauchen.
- Die Tiere nutzen vor allem Riffkanten und flache Küstenzonen und ernähren sich von Barrakudas, Rochen und kleineren Haien.
- Die Studie zeigt, wie wichtig geschützte Lebensräume für den Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Art sein können.
Übrigens: Haie haben alle fünf Massenaussterben der Erdgeschichte überstanden – doch ausgerechnet der Mensch bringt sie jetzt an ihre Grenzen. Steigende CO2-Werte stören ihre Sinne, schwächen die Fortpflanzung und bedrohen ihre Existenz langfristig. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Stevelaycock21 via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0