China pumpt eine Million Tonnen CO₂ unter den Meeresboden – und fördert damit mehr Gas

China plant CO₂-Speicherung im Meer: Eine Offshore-Anlage soll jährlich über eine Million Tonnen speichern – und das Gas weiter nutzen.

Offshore-Plattformen wie diese bilden die technische Grundlage für Projekte wie Dongfang 1-1: Dort wird CO₂ aus Erdgas abgetrennt und tief unter dem Meeresboden gespeichert.

Offshore-Plattformen wie diese bilden die technische Grundlage für Projekte wie Dongfang 1-1: Dort wird CO₂ aus Erdgas abgetrennt und tief unter dem Meeresboden gespeichert. © Pexels

Tief unter dem Südchinesischen Meer soll künftig ein ungewöhnlicher Kreislauf entstehen. Erdgas steigt aus einer Lagerstätte nach oben. Das darin enthaltene Kohlendioxid wird abgetrennt, gereinigt und anschließend wieder nach unten geschickt. Nur diesmal soll es dort bleiben.

China baut dafür am Gasfeld Dongfang 1-1 sein erstes Offshore-Demonstrationsprojekt, das CO₂-Speicherung mit einer Steigerung der Erdgasförderung verbindet. Wie China News Service unter Berufung auf CNOOC berichtet, ist der Hauptbau der zentralen Plattform inzwischen abgeschlossen.

Bei voller Leistung sollen mehr als eine Million Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in geologischen Formationen gespeichert werden. Der Bau des Projekts begann im April 2026. Die neue Anlage gehört zu einem bestehenden Offshore-Gasfeld südwestlich der chinesischen Insel Hainan.

CO₂ wird direkt auf See aus dem Erdgas entfernt

Erdgas besteht nicht ausschließlich aus Methan. Je nach Lagerstätte enthält es unter anderem Kohlendioxid und Wasser, die vor der Nutzung entfernt werden müssen. Ein hoher CO₂-Anteil senkt den Brennwert des Gases. Wasser wiederum kann bei niedrigen Temperaturen zu technischen Problemen führen.

Beim Dongfang-1-1-Projekt geschieht ein großer Teil dieser Verarbeitung direkt offshore. Nach Angaben des China Energy News Network verlagert CNOOC dafür mehrere Aufbereitungsschritte auf die Plattform.

Zunächst wird dem Gas Wasser entzogen. Dafür kommt eine Molekularsiebanlage zum Einsatz. Solche Systeme binden Wassermoleküle aus Gasströmen und trocknen das Erdgas stark. Das ist notwendig, weil die anschließende Trennung bei sehr niedrigen Temperaturen erfolgt. Restwasser könnte dabei gefrieren und Leitungen oder Ventile blockieren.

Danach gelangt das getrocknete Erdgas in eine Membrananlage. Die eingesetzten Membranen lassen einzelne Gasbestandteile unterschiedlich schnell hindurch. Dadurch lässt sich das Kohlendioxid bereits deutlich vom Methan trennen und konzentrieren.

Eine Tieftemperatur-Destillation übernimmt die weitere Aufbereitung. Dabei werden die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften von Methan und Kohlendioxid genutzt. Das abgetrennte CO₂ wird anschließend verdichtet und für die Rückinjektion vorbereitet.

Die zentrale Anlage ist laut China Energy News Network für bis zu 4,5 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag ausgelegt. Damit muss die Technik kontinuierlich sehr große Gasströme trocknen, trennen und weiterverarbeiten.

Eine eigene Plattform bringt das CO₂ in den Untergrund

Für die Injektion wurde eine zusätzliche unbemannte Bohrlochplattform errichtet. Ihr Stahlunterbau ist rund 80 Meter hoch und wiegt etwa 1.400 Tonnen. Der obere Aufbau bringt weitere rund 1.100 Tonnen auf die Waage, berichtet das China Energy News Network.

Von dort gelangt das verdichtete CO₂ über Bohrungen tief in geeignete geologische Schichten unter dem Meeresboden. Gesteinsschichten sollen verhindern, dass das Gas wieder nach oben gelangt.

Die Lagerstätte muss dafür ausreichend porös sein. In winzigen Hohlräumen des Gesteins kann sich das Kohlendioxid verteilen. Darüberliegende, möglichst undurchlässige Schichten sollen als natürliche Barriere dienen.

Bereits zum Baustart im April berichtete Xinhua, dass Dongfang 1-1 Chinas erstes Offshore-Demonstrationsprojekt dieser Art ist. Bei vollständigem Betrieb sollen jährlich mehr als eine Million Tonnen CO₂ eingelagert werden.

Kohlendioxid soll zusätzliches Erdgas mobilisieren

Der Druck des eingepressten CO₂ soll zugleich Erdgas aus Bereichen der Lagerstätte verdrängen, die sich auf herkömmlichem Weg schwerer erschließen lassen. Das Gas bewegt sich dadurch in Richtung der Förderbohrungen und kann anschließend an die Oberfläche gelangen.

Das Verfahren kombiniert CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung, kurz CCUS, mit zusätzlicher Erdgasförderung. CNOOC kann damit Kohlendioxid aus der Gasaufbereitung unterirdisch speichern und gleichzeitig weitere Gasreserven erschließen.

Umliegende kleinere, CO₂-reiche Gasfelder könnten ebenfalls an die neuen Verarbeitungs- und Transportkapazitäten angebunden werden, berichtet die People’s Daily. Gerade Lagerstätten mit einem hohen Kohlendioxidanteil sind aufwendiger zu erschließen, weil das Gas stärker aufbereitet werden muss.

Das Dongfang-Gebiet verfügt bereits über entsprechende Offshore-Infrastruktur. CNOOC nahm dort im Juli 2025 den Block 13-3 des Gasfelds Dongfang 1-1 in Betrieb. Er liegt im Yinggehai-Becken bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von rund 67 Metern.

Für den Block sind sechs Förderbohrungen vorgesehen. Die Spitzenproduktion soll nach Angaben von CNOOC im Jahr 2026 bei knapp einer Million Kubikmetern Erdgas pro Tag liegen.

Mehr Gas bedeutet weiterhin neue CO₂-Emissionen

Die unterirdische Speicherung betrifft zunächst Kohlendioxid, das bei der Aufbereitung des geförderten Erdgases anfällt. Ohne Abscheidung könnte dieses CO₂ in die Atmosphäre gelangen.

Gleichzeitig soll die Injektion aber zusätzliche Erdgasförderung ermöglichen. Bei der späteren Verbrennung dieses Methans entsteht erneut Kohlendioxid. Die gespeicherte Menge allein entscheidet deshalb nicht über die gesamte Klimabilanz des Projekts.

Hinzu kommen der Energiebedarf für Trocknung, Membrantrennung, Kühlung und Verdichtung sowie mögliche Methanverluste während Förderung und Transport. Auch die dauerhafte Dichtheit des unterirdischen Speichers ist für die Klimawirkung entscheidend.

Kurz zusammengefasst:

  • Am Gasfeld Dongfang 1-1 soll CO₂ direkt auf See aus Erdgas abgetrennt und anschließend tief unter dem Meeresboden gespeichert werden.
  • Bei voller Leistung sind mehr als eine Million Tonnen CO₂ pro Jahr vorgesehen; zugleich soll der Druck des eingepressten Gases zusätzliches Erdgas aus der Lagerstätte mobilisieren.
  • Das Projekt verbindet damit CO₂-Abscheidung und -Speicherung mit weiterer Gasförderung, weshalb seine Klimawirkung auch von zusätzlicher Förderung, Energiebedarf und dauerhaft sicherer Speicherung abhängt.

Übrigens: Während China CO₂ unter dem Meeresboden speichern will, testen Forscher vor Gran Canaria, ob gemahlener Beton zusätzlich Kohlendioxid aus dem Meerwasser binden kann. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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