„Meine Karriere ist vorbei“: Trump stoppt Stipendien – Columbia-Forscher in Existenzkrise
Donald Trump streicht 400 Millionen Dollar an Forschungsförderung für die Columbia University. Hunderte Wissenschaftler stehen vor dem Aus.

Die Alma Mater auf dem Campus der Columbia University: Wegen pro-palästinensischer Proteste kürzt die US-Regierung Forschungsstipendien der Universität um 400 Millionen Dollar. © Wikimedia
Die Entscheidung der US-Regierung unter Donald Trump, Forschungsstipendien der Columbia University im Wert von 400 Millionen US-Dollar zu streichen, trifft junge Wissenschaftler mit voller Wucht. Besonders betroffen sind Doktoranden und Postdocs, die auf diese Gelder angewiesen sind. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus. Wissenschaftler fürchten um ihre Existenz – und warnen vor langfristigen Folgen für die Forschung.
„Ich brach sofort in Tränen aus“
Am Dienstagmorgen wurde die Doktorandin Daniella Fodera unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ihre Laborleiterin rief an und überbrachte eine Nachricht, die ihre Karriere auf einen Schlag in Frage stellte. Ihr F31-Stipendium, das den Großteil ihres Einkommens sichert, wurde gestrichen.
„Es war traumatisch“, sagte sie gegenüber Nature. „Ich brach sofort in Tränen aus.“ Fodera erforscht Myome in der Gebärmutter – gutartige Wucherungen, die 70 bis 80 Prozent der Frauen betreffen und starke Schmerzen oder Unfruchtbarkeit verursachen können. Ohne die staatliche Förderung steht ihre Forschung still.
Trump streicht Millionen für Forschung – Viele Betroffene an Columbia University
Hinter der Entscheidung stehen politische Spannungen. Die US-Regierung kündigte am 7. März an, Bundeszuschüsse und -verträge in Höhe von 400 Millionen Dollar für die Columbia University einzufrieren. Als Grund nannte sie die „anhaltende Untätigkeit der Universität angesichts der Schikanen jüdischer Studierender“ durch pro-palästinensische Demonstranten.
Besonders betroffen sind Stipendiaten der National Institutes of Health (NIH), der weltweit größten Förderinstitution für biomedizinische Forschung. Die US-Regierung hat 232 NIH-Stipendien gestrichen, berichtet Reuters – ein drastischer Einschnitt, der ein Viertel des Forschungsportfolios von Columbias medizinischem Zentrum trifft.
„Ohne Schutz wäre mein letztes Gehalt schon weg“
Nicht nur Doktoranden, auch Postdocs verlieren ihre Finanzierung. Am Dienstagmorgen erfuhr der Wissenschaftler Gordon Petty, der zur Schizophrenie-Forschung beiträgt, dass die Regierung sein T32-Trainingsstipendium gestrichen hat.
„Ohne den Schutz durch die Gewerkschaft wäre mein letztes Gehalt vor zwei Wochen gekommen“, erklärte er laut Nature. „Ich glaube, meine akademische Karriere ist effektiv vorbei.“
Proteste auf dem Campus als Auslöser
Die Hintergründe reichen zurück zum Gaza-Krieg. Nach den Hamas-Angriffen am 7. Oktober 2023 kam es weltweit zu Protesten, auch an der Columbia University. Während pro-palästinensische Gruppen Israels Reaktion als unverhältnismäßig kritisierten, fühlten sich jüdische Studierende durch die Demonstrationen bedroht.
Donald Trump hatte wiederholt angekündigt, gegen Universitäten vorzugehen, die seiner Meinung nach „linke Indoktrination“ fördern. Am 4. März schrieb er auf seiner Plattform Truth Social: „Alle Bundesmittel werden für jede Hochschule gestoppt, die illegale Proteste zulässt.“

Forscher sehen Wissenschaft als „Bauernopfer“
Viele Wissenschaftler an der Columbia University befürchten, dass ihre Arbeit nun zum Spielball politischer Interessen wird. Ein jüdischer Doktorand, der anonym bleiben möchte, sagte gegenüber Nature: „Es ist völlig unfair, dass das im Namen des Antisemitismus-Schutzes passiert. Meine Gemeinschaft von jüdischen Studierenden ist wütend.“
Auch der Molekularbiologe Dietrich Egli kritisierte die Maßnahme: „Es ist schwer zu verstehen, warum Bemühungen zur Erforschung und Heilung von Krankheiten in politische Kämpfe verwickelt werden.“
Langfristige Schäden für die Forschung
Die Columbia University hat angekündigt, mit der Regierung zu verhandeln, um die gestrichenen Gelder zurückzuerhalten. Doch die Folgen sind schon jetzt gravierend: Projekte stehen vor dem Aus, Wissenschaftler fürchten um ihre Zukunft, medizinische Forschung verliert wertvolle Impulse.
Jamie Daw, eine Forscherin der Mailman School of Public Health, sah ihre Arbeit über die Gesundheitsversorgung schwangerer Frauen von einem Tag auf den anderen gestoppt. „Es tut weh“, sagte sie. „Wir versuchen, ein Problem zu lösen, das Millionen Menschen betrifft. Und nun stehen wir vor dem Nichts.“
Ob und wann die Columbia University die Fördergelder zurückerhält, ist unklar. Doch für viele Forscher kommt diese Entscheidung zu spät – ihre wissenschaftlichen Karrieren sind in Gefahr.
Kurz zusammengefasst:
- Die US-Regierung unter Donald Trump hat Forschungsstipendien der Columbia University im Wert von 400 Millionen Dollar gestrichen, wodurch Hunderte Wissenschaftler ihre Finanzierung verlieren.
- Die US-Regierung begründet die Kürzungen mit pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus, doch viele Forscher halten sie für einen politischen Angriff auf die Wissenschaft.
- Besonders Doktoranden und Postdocs stehen vor dem Aus, weil ihnen die Finanzierung fehlt. Wichtige medizinische Forschungsprojekte enden abrupt.
Übrigens: Trumps Wissenschaftspolitik sorgt nicht nur an der Columbia University für Aufruhr – in den gesamten USA geraten Forschungseinrichtungen unter Druck. Budgetkürzungen, Entlassungen und ideologische Eingriffe bedrohen globale Forschungsprojekte. Experten warnen vor einem Exodus der Wissenschaft nach Europa. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Beyond My Ken via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0