Shake it off – Studie zeigt, wie Tanzen Körper, Geist und Psyche in wenigen Minuten stärkt
Tanzen wirkt gegen Stress und stärkt die Seele. Das beweist eine neue Studie. Die positiven Effekte zeigen sich schon nach einer Stunde.

Wer tanzt, baut Stress ab und gewinnt emotionale Stärke. Die Forschung zeigt: Es ist hochwirksam. © Vecteezy
Eine neue internationale Forschungsarbeit zeigt, dass Tanzen nicht nur Spaß macht, sondern auch gezielt Stress abbauen kann. Die Studie wurde von Forschern der University of Surrey, der Radboud University, der University of Roehampton und der University of Southern Denmark durchgeführt. Sie fasst Erkenntnisse aus Psychologie, Neurowissenschaften und Anthropologie zusammen und kommt zu einem klaren Ergebnis: Tanzen kann helfen, besser mit Stress umzugehen und langfristig die seelische Widerstandskraft zu stärken.
Musik und Rhythmus beruhigen Körper und Geist
Musik gehört beim Tanzen fast immer dazu – und genau das macht den Unterschied. Studien belegen, dass Musik allein schon Stress mindern kann. Menschen, die regelmäßig Musik hören, zeigen niedrigere Cortisolwerte, ruhigeren Herzschlag und geringeren Blutdruck. Besonders wirksam ist entspannende Musik, die auf den eigenen Herzschlag abgestimmt ist.
Neurowissenschaftlich betrachtet regt Musik das Belohnungssystem im Gehirn an. Dabei werden Glückshormone wie Dopamin und Endorphine ausgeschüttet. Außerdem erhöht Musik die Oxytocinwerte im Blut – ein Hormon, das mit Vertrauen und sozialer Bindung in Verbindung steht.
Noch stärker wirkt Musik, wenn sie mit Bewegung kombiniert wird. Die Forschungsergebnisse zeigen: Wer zu Musik tanzt, kommt in einen sogenannten Flow-Zustand – ein tiefes Gefühl von Konzentration, Freude und Leichtigkeit.
Soziale Nähe beim Tanzen als Stresspuffer
Tanzen findet oft mit anderen statt – ob beim Paartanz, in Gruppen oder auf der Tanzfläche im Club. Diese soziale Komponente wirkt zusätzlich gegen Stress. Schon das gemeinsame Bewegen im Takt schafft ein Gefühl von Verbundenheit. Studien zeigen: Wer synchron mit anderen tanzt, fühlt sich ihnen näher, erlebt mehr Vertrauen und wird als sympathischer wahrgenommen.
Auch körperliche Berührungen spielen eine Rolle. Partnerkontakt beim Tanzen kann beruhigend wirken, weil durch die Berührung ebenfalls Oxytocin freigesetzt wird. Selbst wenn Menschen einfach nur nebeneinander Musik hören, sinkt ihr Stresslevel messbar.
Diese Erkenntnisse decken sich mit Beobachtungen aus der Anthropologie: Menschen tanzen seit Jahrtausenden gemeinsam – in Ritualen, bei Festen oder zur Heilung. Das gemeinsame Tanzen hilft dabei, sich als Teil einer Gruppe zu fühlen und emotionalen Ausgleich zu finden.
Bewegung mit Bedeutung: Tanzen als besondere Form der Aktivität
Tanzen ist nicht einfach nur Bewegung. Es kombiniert körperliche Aktivität mit Ausdruck, Musik und sozialem Kontakt. Genau das macht es so wirksam gegen Stress. Im Gegensatz zu klassischem Sport geht es beim Tanzen oft nicht um Leistung, sondern um Erleben und Genuss.
Studien zeigen: Schon eine einzelne Tanzstunde kann die Stimmung heben und Stress reduzieren. Längerfristige Tanzprogramme verbessern das Selbstwertgefühl, stärken soziale Kontakte und steigern das Wohlbefinden. Besonders deutlich zeigen sich diese Effekte bei Tänzen mit rhythmischen Bewegungen und bei Tänzen, die regelmäßig und mit anderen gemeinsam durchgeführt werden.
Neurowissenschaftlich ist außerdem belegt, dass beim Tanzen Dopamin und Endorphine freigesetzt werden, die für Glücksgefühle sorgen. Gleichzeitig beruhigt sich das Stresssystem des Körpers. Bei älteren Menschen senkt regelmäßiges Tanzen sogar langfristig die Cortisolwerte.
Der kulturelle Wert von Tanz als Ressource gegen Stress
Auch aus kultureller Sicht erfüllt Tanz eine besondere Funktion. In vielen Gesellschaften dient er zur Stressbewältigung, zur Verarbeitung von Krisen oder zur Stärkung der Gemeinschaft. Die Studie nennt einige Beispiele: So linderten regelmäßige Line-Dance-Treffen bei älteren Frauen in Südafrika soziale Isolation und depressive Symptome. In Irland half das gemeinsame Tanzen Geflüchteten, sich neu zu orientieren. In Sierra Leone unterstützte Tanz traumatisierte Jugendliche bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen.
Tanzen wirkt hier nicht nur auf den Einzelnen, sondern stärkt auch soziale Bindungen und die kulturelle Identität. Das körperliche Erleben von Rhythmus, Berührung und Bewegung kann so auch kollektive Heilungsprozesse fördern.
Laut Dr. Jonathan Skinner von der University of Surrey ist es, „faszinierend zu sehen, wie etwas so Schönes wie Tanzen tiefgreifende Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben kann. Tanzen ist ein natürliches Mittel zur Stressbewältigung, das unsere Widerstandsfähigkeit stärkt und uns hilft, mit täglichem Druck umzugehen.“ Also, stehen Sie auf und tanzen Sie Ihren Stress einfach weg.
Kurz zusammengefasst:
- Tanzen senkt nachweislich Stress, weil es Bewegung, Musik und emotionale Ausdruckskraft miteinander verbindet. Das aktiviert Glückshormone und beruhigt das Nervensystem.
- Soziales Tanzen stärkt zusätzlich das Gemeinschaftsgefühl, baut Vertrauen auf und fördert Oxytocin, das für Nähe und Geborgenheit sorgt.
- Als kulturelle Praxis hilft Tanzen weltweit, seelische Belastungen zu verarbeiten, das Selbstwertgefühl zu stärken und emotionale Resilienz aufzubauen.
Bild: © Vecteezy