Neues KI-System spürt Demenz auf – bevor Ärzte es tun

Demenz oder Alzheimer bleiben oft lange unbemerkt. Doch eine neue KI erkennt erste Anzeichen, bevor sie für Menschen sichtbar werden.

Demenz KI

Forscher der University of Missouri haben ein tragbares KI-System entwickelt, das motorische Funktionen erfasst. © University of Missouri

Demenz und Alzheimer beginnen oft schleichend. Erste Symptome, wie Vergesslichkeit oder Schwierigkeiten beim Multitasking, werden häufig nicht ernst genommen. Doch eine frühzeitige Diagnose kann helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Ein Forscherteam der University of Missouri hat nun eine neue Technologie entwickelt, die mit künstlicher Intelligenz (KI) arbeitet. Sie analysiert unauffällige Bewegungsmuster und könnte so frühzeitig auf kognitive Beeinträchtigungen hinweisen.

Tragbares System wertet Bewegungen und Denkprozesse aus

Das System besteht aus einer Kamera, einer speziellen Bodenplatte und einer Schnittstelle zur Datenverarbeitung. Es misst Bewegungsabläufe und kombiniert diese mit kognitiven Aufgaben. Ziel ist es, subtile Veränderungen zu erkennen, die auf eine beginnende Demenz hindeuten könnten.

Die Bereiche im Gehirn, die für Bewegung und kognitive Fähigkeiten zuständig sind, sind eng miteinander verbunden. Wenn eine dieser Fähigkeiten nachlässt, ist oft auch die andere betroffen.

Trent Guess, Professor an der University of Missouri

Test mit älteren Erwachsenen liefert vielversprechende Ergebnisse

Um die Technologie zu testen, führten die Forscher eine Studie mit älteren Erwachsenen durch, darunter auch Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment – MCI). Die Teilnehmer mussten drei Aufgaben ausführen: auf einer Stelle stehen, gehen und von einer Bank aufstehen. Dabei sollten sie gleichzeitig rückwärts in Siebener-Schritten zählen.

Die gesammelten Daten wurden mit einer KI-Software ausgewertet. Das Ergebnis war beeindruckend: Mit einer Genauigkeit von 83 Prozent konnte das System feststellen, wer an MCI litt. Solche Veränderungen sind oft so subtil, dass sie von Angehörigen oder selbst von Ärzten nicht bemerkt werden.

Bessere Diagnosemöglichkeiten für ländliche Gebiete

Die University of Missouri sieht in der Technologie eine große Chance, die Diagnose von Demenz zu verbessern. Besonders in ländlichen Regionen, wo der Zugang zu spezialisierten Ärzten schwierig ist, könnte das tragbare System helfen.

In den USA erhalten derzeit nur etwa acht Prozent der Betroffenen eine offizielle MCI-Diagnose. Das bedeutet, dass viele Menschen erst spät medizinische Hilfe bekommen.

Jamie Hall, Professorin an der University of Missouri

Da neue Medikamente zur Behandlung von MCI in Entwicklung sind, könnte das System eine entscheidende Rolle spielen. „Ohne eine Diagnose haben Betroffene keinen Zugang zu diesen Medikamenten“, so Hall. Das KI-System könnte dazu beitragen, dass mehr Menschen frühzeitig behandelt werden.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten in der Medizin

Die Forscher wollen das System weiterentwickeln und in verschiedenen medizinischen Bereichen einsetzen. Ärzte könnten das System nicht nur zur Früherkennung von Alzheimer oder Demenz einsetzen, sondern auch zur Einschätzung von Sturzrisiken, Parkinson, ALS und in der Reha nach Knie- und Hüftoperationen.

Besonders beeindruckend ist, dass viele Studienteilnehmer selbst oder durch Angehörige von Alzheimer betroffen waren. „Das zeigt, wie wichtig diese Forschung für viele Menschen ist“, betont Hall. Ihre Hoffnung: Ein einfaches, tragbares Gerät, das schon früh Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen liefert – und damit die Lebensqualität vieler Menschen verbessern kann.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein Forschungsteam der University of Missouri hat ein tragbares KI-gestütztes System entwickelt, das durch die Analyse von Bewegungsmustern frühzeitig kognitive Beeinträchtigungen wie Demenz oder Alzheimer erkennen kann.
  • In einer Studie mit älteren Erwachsenen erkannte das System mit einer Genauigkeit von 83 Prozent subtile Veränderungen, die auf eine beginnende kognitive Einschränkung hindeuten könnten.
  • Das System könnte vor allem in ländlichen Gebieten helfen, frühzeitig Diagnosen zu stellen und damit die Behandlungschancen für Betroffene zu verbessern.

Bild: © University of Missouri

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