Matcha gegen Heuschnupfen: Grünes Teepulver dämpft offenbar den Niesreflex
Neue Daten legen nahe: Matcha beeinflusst bei Heuschnupfen den Niesreflex, nicht jedoch die allergische Entzündung.
Das grüne Trendgetränk könnte bei Heuschnupfen den Niesreiz beeinflussen, ohne direkt in die allergische Entzündungsreaktion einzugreifen. © Pexels
Heuschnupfen ist für viele Betroffene jedes Jahr eine echte Belastung. Niesanfälle, Druck im Kopf und gereizte Schleimhäute schränken Arbeit, Freizeit und Schlaf ein. Antihistaminika lindern die Beschwerden oft, doch nicht jeder verträgt sie gut. Müdigkeit oder eine nur begrenzte Wirkung sind keine Seltenheit. Deshalb wächst das Interesse an ergänzenden Möglichkeiten. Nun hat ein Forschungsteam aus Japan untersucht, ob ausgerechnet der dort traditionelle Matcha die Beschwerden bei Heuschnupfen beeinflussen könnte.
Das leuchtend grüne Pulver wird aus speziell angebauten Teeblättern gewonnen, die getrocknet und fein vermahlen werden. Viele kennen es als Trendgetränk oder als Zutat in Süßspeisen. Eine aktuelle Untersuchung des Research Institute for Radiation Biology and Medicine der Hiroshima University weist jedoch auf einen unerwarteten Mechanismus hin: Matcha beeinflusst offenbar nicht die allergische Entzündung selbst, sondern dämpft den Niesreflex im Gehirn.
Matcha beeinflusst im Modellversuch den Niesreflex deutlich
Im Experiment entwickelten Mäuse eine allergische Rhinitis, also eine Form von Heuschnupfen. Dazu erhielten sie über mehrere Wochen ein Allergen. Danach reagierten sie mit ausgeprägten Niesanfällen und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Histamin. Histamin ist ein zentraler Botenstoff bei Allergien. Er löst Schwellungen, Juckreiz und Niesen aus.
Die Tiere bekamen zusätzlich Matcha als Heißwasserextrakt. Sie erhielten ihn zwei- bis dreimal pro Woche über mehr als fünf Wochen. Außerdem wurde eine zusätzliche Dosis 30 Minuten vor der Allergen-Provokation verabreicht. Die Menge betrug 250 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das Ergebnis fiel klar aus: Die Zahl der Niesanfälle sank deutlich. Auch die Überempfindlichkeit gegenüber Histamin nahm ab.

Immunreaktion bleibt trotz weniger Niesen unverändert
Bemerkenswert ist, was sich nicht veränderte. Zentrale Kennzeichen einer Allergie blieben stabil.
- Gesamt-IgE im Blut blieb erhöht.
- Allergenspezifisches IgE veränderte sich nicht.
- Mastzell-abhängige Reaktionen blieben unverändert.
- Auch T-Zellen zeigten keine relevante Abschwächung.
IgE-Antikörper binden an Mastzellen. Diese setzen Histamin frei und starten die allergische Sofortreaktion. T-Zellen steuern längerfristige Immunprozesse. Dennoch griff Matcha in diese Abläufe nicht ein.
Professor Osamu Kaminuma erklärt: „Oral verabreichtes Matcha reduzierte das Niesen, ohne zentrale Immunmarker klar zu verändern. Stattdessen unterdrückte es deutlich die neuronale Aktivierung im Hirnstamm, die mit dem Niesreflex verbunden ist.“
Wirkung offenbar direkt im Nieszentrum des Gehirns
Die Forscher analysierten zudem die Aktivität des Gens c-Fos. Dieses Gen dient als Hinweis darauf, wie stark Nervenzellen aktiviert sind. Dabei betrachteten sie eine bestimmte Region im Hirnstamm, den ventralen spinalen trigeminalen Kern. Dort werden Sinnesreize aus der Nasenschleimhaut verarbeitet, und von hier aus wird der Niesreflex gesteuert.
Wurde Histamin in die Nase gegeben, stieg die c-Fos-Aktivität stark an. Das entspricht einer deutlichen Aktivierung des Niesreflexes. Nach Matcha-Gabe sank diese Aktivität nahezu auf das Ausgangsniveau. Wörtlich heißt es in der Studie: „Die Behandlung mit Matcha hob die durch Histamin ausgelöste c-Fos-Expression nahezu auf und reduzierte sie auf Basalwerte.“
Damit deutet vieles auf einen direkten Effekt auf neuronale Signalwege hin. Das Teepulver scheint die Verschaltung zu beruhigen, die den Niesreiz auslöst.
Bioaktive Stoffe im Matcha geben Rätsel auf
Grüner Tee wurde bereits in früheren Untersuchungen mit einer Linderung von Heuschnupfen in Verbindung gebracht. Doch der zugrunde liegende Mechanismus war unklar. „Studien am Menschen legen nahe, dass grüner Tee allergische Rhinitis lindern kann, doch wie das funktioniert, ist unklar“, sagte Kaminuma.
Matcha enthält verschiedene bioaktive Stoffe, darunter Catechine, Polyphenole, L-Theanin, Koffein und Arginin. Einige davon beeinflussen das Nervensystem. Welche Substanz genau für den beobachteten Effekt verantwortlich ist, bleibt bislang offen.
An dieser Stelle ist folgende Einordung der Ergebnisse wichtig: Die Untersuchung wurde ausschließlich im Tiermodell durchgeführt. Ob sich der Effekt beim Menschen bestätigt, ist noch unklar. Weitere Studien sind geplant. „Das Ziel ist eine evidenzbasierte, lebensmittelbasierte Option, die die Standardtherapie bei allergischer Rhinitis ergänzt“, so Kaminuma.
Kurz zusammengefasst:
- In einem Mausmodell verringerte Matcha deutlich die Zahl der Niesanfälle bei allergischer Rhinitis, während typische Allergiemarker wie IgE, Mastzellreaktionen und Entzündungszellen unverändert blieben.
- Die neuen Daten legen nahe, dass Matcha bei Heuschnupfen nicht die Entzündung selbst beeinflusst, sondern die Aktivität von Nervenzellen im Hirnstamm dämpft, die den Niesreflex auslösen.
- Die Ergebnisse stammen aus Tierexperimenten und ersetzen keine Therapie, zeigen jedoch einen wichtigen Ansatz: Niesanfälle könnten künftig gezielt über neuronale Mechanismen beeinflusst werden.
Übrigens: Während neue Ansätze wie Matcha bei Heuschnupfen überraschen, zeigt eine große Langzeitstudie aus Australien, dass auch klassischer Tee im Alter Wirkung entfalten kann und zwar für die Knochen. Warum regelmäßiger Teekonsum schützt und sehr viel Kaffee eher schadet, mehr dazu in unserem Artikel.
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