Intervallfasten: 22 Studien finden keinen Vorteil beim Abnehmen
Intervallfasten liegt im Trend, doch laut 22 Studien bringt es beim Abnehmen keinen klaren Vorteil gegenüber klassischen Diäten.
Neue Daten zeigen: Intervallfasten ist beim Abnehmen nicht wirksamer als herkömmliche Diäten. © Freepik
Kaum ein Ernährungstrend wird so intensiv diskutiert wie Intervallfasten. In sozialen Medien gilt er als einfache Lösung gegen überflüssige Kilos. Die Grundidee klingt logisch: Die Mahlzeiten auf bestimmte Zeitfenster begrenzen. Viele hoffen, so leichter abnehmen zu können als mit klassischen Diäten. Eine große internationale Auswertung kommt jedoch zu einer deutlich nüchterneren Einschätzung.
22 randomisierte Studien mit insgesamt 1.995 Erwachsenen zeigen: Intervallfasten hilft beim Abnehmen nicht besser als herkömmliche Ernährungsempfehlungen. Die Analyse stammt von der Cochrane Evidence Synthesis Unit Iberoamerica.
Intervallfasten beim Abnehmen ohne klaren Vorteil
Untersucht wurden verschiedene Varianten des Intervallfastens. Dazu gehörten:
- Alternierendes Fasten, also stark reduzierte Kalorienzufuhr an einzelnen Tagen
- Periodisches Fasten mit mehrtägigen Fastenphasen
- Zeitlich begrenztes Essen innerhalb eines festen täglichen Stundenfensters
Die meisten Programme liefen sechs bis zwölf Monate. Teilnehmende waren zwischen 18 und 80 Jahre alt. Verglichen wurde meist mit klassischer Diätberatung.
Der durchschnittliche Gewichtsverlust unterschied sich nicht klinisch relevant von herkömmlichen Diäten. Auch die Wahrscheinlichkeit, mindestens fünf Prozent des Körpergewichts zu verlieren, war ähnlich. Studienautor Luis Garegnani vom Cochrane-Zentrum in Buenos Aires erklärt:
Intervallfasten scheint für übergewichtige oder adipöse Erwachsene beim Abnehmen nicht besser zu wirken.
Auch ohne Diätprogramm kein Vorsprung
Selbst im Vergleich zu Gruppen ohne spezielles Ernährungsprogramm zeigte sich kein klarer Vorteil. In der Praxis bedeutet das: Veränderte Essenszeiten allein führen nicht automatisch zu größerem Gewichtsverlust.
Garegnani mahnt zur Zurückhaltung bei allzu großen Erwartungen. „Intervallfasten kann für manche Menschen eine Option sein, aber die derzeitige Evidenz rechtfertigt die Begeisterung in sozialen Medien nicht.“ Besonders problematisch sei, dass viele Studien nur kurzfristige Effekte untersuchten.
Langzeitdaten fehlen weitgehend
Übergewicht gilt als chronische Erkrankung. Dennoch endeten die meisten Untersuchungen nach maximal einem Jahr. Aussagen darüber, ob sich das Gewicht langfristig besser halten lässt, fehlen.
Hinzu kommt: Nebenwirkungen wurden nicht in allen Studien einheitlich erfasst. Manche Teilnehmende berichteten über Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Eine umfassende Risikobewertung ist daher schwierig.
Zudem basieren die meisten Daten auf Studien aus wohlhabenden Ländern. Viele Teilnehmende waren weiß und lebten in Nordamerika oder Europa. In Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen fehlen belastbare Daten, obwohl dort die Zahl übergewichtiger Menschen stark steigt.
Übergewicht bleibt ein globales Problem
Die Weltgesundheitsorganisation meldet seit Jahren steigende Zahlen. Seit 1975 haben sich die Raten von Übergewicht und Adipositas weltweit mehr als verdreifacht. Im Jahr 2022 galten rund 2,5 Milliarden Erwachsene als übergewichtig, davon 890 Millionen als adipös. Adipositas zählt in vielen Industrienationen zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle.
Vor diesem Hintergrund suchen viele Menschen nach praktikablen Strategien. Intervallfasten wirkt attraktiv, weil es ohne komplizierte Kalorientabellen auskommt. Es verspricht Struktur im Alltag.
Ernährung bleibt komplexer als ein Zeitfenster
Die aktuelle Auswertung macht jedoch deutlich: Entscheidend ist nicht allein, wann gegessen wird. Maßgeblich bleibt die gesamte Energiebilanz über einen längeren Zeitraum. Eva Madrid von Cochrane ordnet die Ergebnisse zurückhaltend ein: „Mit der derzeitigen Datenlage lässt sich keine allgemeine Empfehlung aussprechen.“ Ärzte müssten individuell beraten.
Die Autoren weisen darauf hin, dass sich die Ergebnisse nicht pauschal auf alle Menschen übertragen lassen. Alter, Geschlecht, genetische Voraussetzungen und bestehende Erkrankungen können beeinflussen, wie der Körper auf Intervallfasten reagiert. Auch individuelle Essgewohnheiten, hormonelle Faktoren oder frühere Diäterfahrungen spielen eine Rolle. Deshalb kann die Wirkung von Person zu Person unterschiedlich ausfallen.
Kurz zusammengefasst:
- Eine große Analyse mit 22 Studien und 1.995 Erwachsenen zeigt: Intervallfasten führt beim Abnehmen zu keinem klinisch relevanten Vorteil gegenüber klassischer Ernährungsberatung.
- Weder beim durchschnittlichen Gewichtsverlust noch beim Erreichen von mindestens fünf Prozent Gewichtsreduktion schnitt das Fasten besser ab; zudem fehlen belastbare Langzeitdaten.
- Entscheidend für nachhaltigen Gewichtsverlust bleibt die langfristige Energiebilanz im Alltag – ein festes Essenszeitfenster allein ersetzt keine dauerhafte Veränderung von Ernährung und Lebensstil.
Übrigens: Während große Studien den Hype um Intervallfasten beim Abnehmen dämpfen, wächst das weltweite Problem mit Adipositas dramatisch. Inzwischen gibt es mehr fettleibige als untergewichtige Kinder. Warum Übergewicht oft weniger mit Disziplin als mit Biologie, Hormonen und hochverarbeiteter Ernährung zu tun hat – mehr dazu in unserem Artikel.
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