Abends viel Fett? – Studie bei Männern entdeckt Entzündungs-Effekt im Fettgewebe

Der Stoffwechsel reagiert sensibel auf Essenszeiten: Spätes Fett aktiviert Entzündungs-Gene im Fettgewebe – trotz gleicher Kalorienmenge, wie eine Studie zeigt.

Mann sitzt abends auf dem Bett und isst Pizza

Im Fettgewebe laufen rund um die Uhr genetische Programme – die Studie zeigt, dass sich ihre Aktivität je nach Zeitpunkt der Fettzufuhr deutlich verschiebt. © Pexels

Übergewicht betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Viele kämpfen mit erhöhtem Blutzucker, Insulinresistenz oder dem Risiko für Typ-2-Diabetes. Meist geht es um Kalorien, Zucker oder Fettmenge. Doch Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) zeigen jetzt: Auch der Zeitpunkt der Mahlzeit greift in den Stoffwechsel ein.

In einer kontrollierten Untersuchung mit übergewichtigen Männern veränderte sich die Aktivität zentraler Gene im Fettgewebe – allein dadurch, ob Fett morgens oder abends gegessen wurde. Die Kalorienmenge blieb gleich. Trotzdem reagierte das Gewebe messbar – ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen Essenszeiten und Stoffwechsel.

Zwei Ernährungsrhythmen im direkten Vergleich

Die Forscher untersuchten 29 übergewichtige Männer ohne Diabetes. Jeder Teilnehmer absolvierte zwei vierwöchige Ernährungsphasen. Dazwischen lag eine vierwöchige Pause. So konnte jeder Mann beide Varianten durchlaufen – unter identischen Bedingungen.

Die Energiezufuhr blieb konstant. Auch die Nährstoffverteilung über den ganzen Tag war gleich: 50 Prozent Kohlenhydrate, 35 Prozent Fett, 15 Prozent Eiweiß. Verändert wurde ausschließlich der Zeitpunkt.

  • Variante 1: Kohlenhydrate am Morgen, Fett am Abend
  • Variante 2: Fett am Morgen, Kohlenhydrate am Abend

An drei festen Zeitpunkten – morgens, mittags und am frühen Abend – entnahmen Ärzte Proben aus dem Unterhautfettgewebe. So ließ sich genau verfolgen, wie Gene im Tagesverlauf arbeiten.

Über tausend Gene arbeiten im 24-Stunden-Takt

Im Fettgewebe identifizierte das Team 1.386 Gene mit klarem Tagesrhythmus. Fast jedes dritte dieser Gene reagierte auf die veränderte Mahlzeitenabfolge.

Besonders deutlich fiel der Unterschied aus, wenn Fett vor allem am Nachmittag und Abend gegessen wurde. Dann nahm die Aktivität mehrerer Gene zu, die mit Entzündungsreaktionen verknüpft sind. Dazu zählen IL1B, NLRP3 und TLR2. Diese Signalwege gelten als relevant für chronisch niedriggradige Entzündungen im Fettgewebe – ein Faktor, der bei der Entwicklung von Typ-2-Diabetes eine Rolle spielt.

Auffällig: Im Blut blieben klassische Entzündungswerte wie CRP stabil. Die Reaktion beschränkte sich auf das Fettgewebe. Das deutet auf einen frühen, lokalen Effekt hin.

Fett am Morgen stärkt die Insulinwirkung

Wurde das Fett dagegen überwiegend am Morgen gegessen, zeigte sich ein günstigeres Bild. Zwei Kennzahlen für die Insulinempfindlichkeit des Fettgewebes verbesserten sich signifikant.

Der rQUICKI-Index stieg messbar an. Auch das Verhältnis von Adiponectin zu Leptin fiel günstiger aus. Beide Werte gelten als Marker für die Reaktionsfähigkeit der Fettzellen auf Insulin.

Zugleich nahmen Gene zu, die für den Energiestoffwechsel entscheidend sind. Dazu gehören Prozesse wie der Zitratzyklus und die oxidative Phosphorylierung. Das Fettgewebe arbeitete unter diesem Rhythmus metabolisch aktiver.

Olga Pivovarova-Ramich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke ordnet die Ergebnisse so ein: „Unsere Ergebnisse bestätigen erste Erkenntnisse, dass die Verschiebung der Makronährstoffverteilung über den Tag die metabolischen Prozesse im Fettgewebe messbar beeinflusst.“ Und sie ergänzt: „Späte, fettreiche Mahlzeiten könnten vielleicht ungünstige molekulare Prozesse anstoßen, die möglicherweise langfristig Entzündungen und Stoffwechselprobleme fördern.“

Innere Programme verschieben sich um Stunden

Nicht nur die Stärke der Genaktivität änderte sich. Bei 62 Genen verschob sich der Zeitpunkt ihrer täglichen Hochphase – teilweise um bis zu vier Stunden.

Ein zentrales Beispiel ist das Gen PDK4. Es reguliert, ob der Körper eher Zucker oder Fett verbrennt. Je nach Essensrhythmus startete dieses Programm früher oder später. Auch IRS1, IRS2 und PCK1 reagierten sensibel auf die zeitliche Verschiebung.

Die zentrale Körperuhr blieb dagegen stabil. Klassische Uhr-Gene im Fettgewebe sowie das Stresshormon Cortisol zeigten keine grundlegenden Veränderungen. Die Effekte betrafen vor allem Stoffwechsel- und Entzündungswege.

Warum spätes Fett Prozesse anstoßen kann

Fettgewebe ist ein aktives Organ. Es speichert Energie, produziert Hormone und beeinflusst das Immunsystem. Wird viel Fett am Abend aufgenommen, bleiben freie Fettsäuren länger im Blut. Das kann Signale auslösen, die das Gewebe unter Stress setzen.

In den Daten fanden sich Hinweise auf erhöhte Ceramid-Werte nach fettreichen Mahlzeiten am Nachmittag. Ceramide stehen mit Insulinresistenz und entzündlichen Prozessen in Zusammenhang. Gleichzeitig lagen bestimmte Botenstoffe wie Leptin höher.

Solche Veränderungen treten früh auf. Sie müssen nicht sofort krank machen. Sie können jedoch langfristig Bedingungen begünstigen, die bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes eine Rolle spielen.

Untersucht wurden ausschließlich Männer ohne manifesten Diabetes. Aussagen zu Frauen oder Menschen mit bestehenden Stoffwechselerkrankungen sind nicht möglich. Auch langfristige Krankheitsverläufe wurden nicht geprüft.

Kurz zusammengefasst:

  • Eine Studie mit 29 übergewichtigen Männern zeigt: Der Stoffwechsel im Fettgewebe reagiert nicht nur auf Kalorien, sondern stark auf Essenszeiten – 1.386 Gene arbeiten im Tagesrhythmus, fast jedes dritte davon veränderte sich je nach Mahlzeiten-Timing.
  • Viel Fett am Abend aktivierte Entzündungs-Gene, obwohl die Kalorienmenge gleich blieb; wurde Fett überwiegend morgens gegessen, verbesserten sich messbar Marker der Insulinempfindlichkeit.
  • Die Daten gelten nur für Männer ohne Diabetes, liefern aber klare Hinweise: Der Zeitpunkt von Fett- und Kohlenhydratverzehr kann frühe Prozesse beeinflussen, die mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

Übrigens: Während neue Daten zeigen, dass Essenszeiten den Stoffwechsel beeinflussen können, dämpft eine weitere Studie die Erwartungen an das Intervallfasten deutlich. Warum verschobene Essensfenster ohne weniger Kalorien kaum Wirkung zeigen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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